Verbrauch zuletzt gestiegen Deutsche benutzten jährlich Milliarden Plastikbeutel für Obst und Gemüse

Kleine Plastiktüten für Obst und Gemüse sind gefragt. Foto: Marcel Kusch/dpaKleine Plastiktüten für Obst und Gemüse sind gefragt. Foto: Marcel Kusch/dpa

Osnabrück. Die Deutschen kaufen im Supermarkt zwar immer seltener Tragetaschen aus Kunststoff. Dafür steigt der Pro-Kopf-Verbrauch kleiner häufig kostenloser Plastikbeutel für Obst und Gemüse aber an. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der FDP hervor.

Laut Bundesumweltministerium verbrauchten die Deutschen im Schnitt des Jahres 2017 39 der dünnen Tüten, umgerechnet auf rund 82 Millionen Bundesbürger also etwa 3,2 Milliarden der kleinen Beutel. Ein Jahr zuvor waren es noch 36 pro Kopf und damit weniger als drei Milliarden. Für 2018 lägen noch keine Daten vor, so das Ministerium.

Die kleinen Beutel sind im Supermarkt in den Obst- und Gemüseabteilungen nicht nur meist kostenlos, sie sind auch von einer Europäischen Richtlinie ausgenommen, die den Plastiktütenverbrauch auf dem Kontinent senken soll. Ab dem Jahr 2026 sollen die Europäer nur noch 40 Stück der Einkaufstüten pro Jahr verbrauchen. 

Deutschland liegt mit 25 im Jahr 2017 bereits jetzt deutlich drunter. Noch zwei Jahre zuvor lag der Verbrauch laut Ministerium bei 68 Stück. „Der deutliche Rückgang wurde durch die Umsetzung einer freiwilligen Vereinbarung des Bundesumweltministeriums mit dem Handel erreicht“, lobt die Behörde.

FDP kritisiert Symbolpolitik bei Plastik

Judith Skudelny, umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion hält dagegen: „Ersetzt werden die Plastiktüten vom Kunden durch Papiertüten.“ Diese müssten aber mehrfach verwendet werden, damit sie aus ökologischer Sicht wirklich besser seien als Plastiktüten. Skudelny warf der Bundesregierung „Symbol-Politik“ beim Ziel der Plastikreduktion vor. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte dazu in dieser Woche einen Gipfel in ihrem Ministerium veranstaltet.

Zuvor hatte die Supermarktkette Real angekündigt, die kleinen Plastikbeutel in den Obst- und Gemüseabteilungen abzuschaffen. Laut eigenen Angaben sollen so rund 70 Millionen der Tüten im Jahr eingespart werden. Das Unternehmen führt ökologische Gründe und das Umweltbewusstsein der Kunden an. Real-Chef Patrick Müller-Sarmiento sagt:

„Die Menschen wollen heute nicht mehr nur Gutes essen, sie wollen das auch mit gutem Gewissen tun."

Ersetzt werden sollen die dünnen Beutel durch kostenlose Papiertüten oder Obstnetze. Auch hier kritisieren Umweltaktivisten, dass die Ökobilanz dieser Beutel möglicherweise schlechter sei, wenn sie nur einmal benutzt würden. Andere große Handelsketten wollen Real zunächst nicht folgen. 


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