320 Millionen Euro für Landesbank Niedersachsens Sparkassen machen Geld für Nord/LB locker

Niedersachsens Sparkassenpräsident Thomas Mang hatte Neuigkeiten zur Nord/LB im Gepäck, als er bei der Jahrespressekonferenz seines Verbands in Hannover vor die Journalisten trat. Foto: dpaNiedersachsens Sparkassenpräsident Thomas Mang hatte Neuigkeiten zur Nord/LB im Gepäck, als er bei der Jahrespressekonferenz seines Verbands in Hannover vor die Journalisten trat. Foto: dpa

Hannover. Die Sanierung der Nord/LB belastet Niedersachsens Sparkassen spürbar. Rund 320 Millionen Euro kostet die Institute die Auffanglösung für die angeschlagene Landesbank. Die Summe macht allerdings nur einen Bruchteil der Gesamtkosten aus, die über die Jahre angefallen sind. Kunden müssten sich aber keine Sorgen machen, hieß es.

„Ich hoffe, einige von ihnen sind auch wegen der Sparkassen hier“ – Gelächter unter den Journalisten nach diesen Begrüßungsworten des niedersächsischen Sparkassenpräsidenten Thomas Mang. Die Stimmung wurde rasch ernst auf der Jahrespressekonferenz des Sparkassenverbands Niedersachsen (SVN) In Hannover, als das alles überschattende Thema zur Sprache kam: die Sanierung der Nord/LB. Mit insgesamt 320 Millionen Euro beteiligen sich Niedersachsens Institute an der öffentlich-rechtlichen Auffanglösung, wie Mang am Donnerstag verkündete. Das habe die Verbandsversammlung jüngst einstimmig beschlossen. Rund 280 Millionen schießen die Sparkassen direkt ein, 40 Millionen über ihren Stützungsfonds.

Die 42 Sparkassen im Land beteiligen sich nach einem festen Schlüssel. Für die Institute geht es nicht um Peanuts. Natürlich sei die Last für einige schwieriger zu stemmen als für andere, sagte Mang, versicherte aber zugleich: „Es gibt keine Sparkasse in Niedersachsen, die durch diese Maßnahme in existenzielle Schwierigkeiten gerät.“ Auch die Kunden würden die Nord/LB-Sanierung nicht zu spüren bekommen.

Landesbank in Schieflage

Wegen fauler Schiffskredite in Schieflage geraten, benötigt die Nord/LB rund 3,5 Milliarden Euro. Der Großteil des Kapitals – 2,4 Milliarden Euro – soll vom Mehrheitseigner Niedersachsen kommen und vom ebenfalls beteiligten Land Sachsen-Anhalt. Die restlichen 1,1 Milliarden Euro steuert die Sparkassen-Finanzgruppe bundesweit bei. Von dieser Summe entfällt wiederum ein Drittel auf die Trägerbanken in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Insgesamt kommt die Malaise der Nord/LB Niedersachsens Sparkassen allerdings deutlich teurer zu stehen. Denn ihr Verband hat den Wert seiner Beteiligung an der Landesbank über die Jahre komplett abschreiben müssen. Von den ursprünglich 1,2 Milliarden Euro ist nach einer letzten Abschreibung von 400 Millionen Euro im vergangenen Jahr nur noch ein symbolischer Euro übrig. Mit beschlossenen Geldspritze beläuft sich die Gesamtbelastung auf rund 1,5 Milliarden Euro. „Der größte Teil dieser Maßnahmen liegt bereits hinter uns“, betonte Mang.

"Kein einfacher Gang"

Lange hatten sich Niedersachsens Sparkassen dagegen gesperrt, weiteres Geld in die Nord/LB zu stecken, an der sie gut 26 Prozent halten. Der Auftritt vor der Verbandsversammlung vor wenigen Tagen sei „kein einfacher Gang“ für ihn gewesen, bekannte der Sparkassenpräsident, der auch im Aufsichtsrat der Nord/LB sitzt. Nachdem der Einstieg von Privatinvestoren verworfen worden war, einigte sich das Sparkassenlager Ende Januar auf eine öffentlich-rechtliche Auffanglösung.

Die Auffanglösung für die NordLB ist derweil noch nicht in trockenen Tüchern, die Wettbewerbshüter der EU-Kommission in Brüssel und die Finanzaufsicht haben ein gewichtiges Wort mitzureden. „Wir sind in einem total engen Zeitplan, weil die Bankaufsichtsbehörden uns in Manndeckung genommen haben“, sagte Mang. „Wir werden in Kürze gegenüber den europäischen Behörden ein überzeugendes Geschäftsmodell vorlegen können.“ Mang hat klare Vorstellungen für die Zukunft der Landesbank: „Die neue Nord/LB muss kleiner und schlanker werden. Gleichzeitig muss das Geschäftsmodell standfest sein.“ Das sei eine Grundvoraussetzung für die Zustimmung der EU-Kommission.  

Braunschweigische Landessparkasse wird selbstständig

Die Bestandteile und Beteiligungen der Nord/LB wollen die Träger genau unter die Lupe nehmen. Einige Geschäftsfelder könnten an andere Landesbanken abgegeben werden, so Mang. Die Braunschweigische Landessparkasse soll bis 2022 aus der Landesbank herausgelöst und als eigenständige Sparkasse etabliert werden. Auch die Deutsche Hypothekenbank – eine Ertragsperle der Nord/LB – soll nach Überzeugung Mangs abgetreten werden, um das Bilanzvolumen und die Mitarbeiterzahl zu reduzieren.

Die Kosten der Nord/LB-Sanierung treffen Niedersachsens Sparkassen in einer Zeit, da die Konjunktur im Land sich leicht abkühlt. 2018 vergaben die Institute dennoch sechs Prozent mehr Kredite als im Vorjahr, der Bestand stieg auf insgesamt 81,4 Milliarden Euro. Wegen der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) werfen diese Kredite allerdings immer weniger ab: Der Zinsüberschuss sank um 56,4 Millionen Euro auf 1,9 Milliarden Euro. Das Zinstief ist zugleich der Grund dafür, dass das Wertpapiergeschäft brummte: der Nettoabsatz knackte erstmals die Milliardenmarke. In der Folge legten die Provisionsüberschüsse um 20,3 Millionen auf 756 Millionen Euro zu. Unter dem Strich stand ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 861 Millionen Euro. Bei der Bewertung schlug allerdings die letzte Abschreibung der Nord/LB-Anteile durch, sodass am Ende ein Betriebsergebnis von etwa 511 Millionen Euro zu Buche stand.

Während die Zahl der Sparkassen im vergangenen Jahr nahezu konstant blieb, sank die Zahl der Geschäftsstellen deutlich von 900 auf 834. Hinzu kommen 368 Selbstbedienungsstandorte. Mang dazu: „Das Filialnetz ist die Seele des Sparkassenwesens und muss bestehen bleiben.“ Es müsse allerdings auch betriebswirtschaftlich sinnvoll sein.


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