Bissendorfer Firma im Porträt Camina & Schmid ist Trendsetter in der Holzfeuerung

Von Christoph Lützenkirchen

Die Endmontage der Bausätze findet in Bissendorf statt. Foto: Christoph LützenkirchenDie Endmontage der Bausätze findet in Bissendorf statt. Foto: Christoph Lützenkirchen
Christoph Lützenkirchen

Bissendorf. Mit Holz zu heizen, liegt im Trend. Das Bissendorfer Unternehmen Camina & Schmid beliefert Ofenbauer in ganz Deutschland mit Bausatzsystemen, die den Aufbau erleichtern. Das Sortiment des Familienunternehmens ist riesig, Umsatz und Mitarbeiterzahl haben stark zugelegt.

„Das ist wie ein Legosystem“, sagt Anna Rokossa: „Mit unseren standardisierten Bausatzsystemen erleichtern wir dem Handwerker die Arbeit ganz erheblich.“ Die 52-jährige Maschinenbauingenieurin ist Chefin des Bissendorfer Unternehmens Camina & Schmid Feuerdesign und Technik. Dessen Kunden sind Ofenbauer in ganz Deutschland und vielen weiteren europäischen Ländern.

Der Markt habe sich verändert, so Rokossa. Zum einen sei die Gesetzgebung mit Blick auf die Umweltbelastung schärfer geworden. Zum anderen gebe es weniger Fachhandelspartner. „Der Berufsstand des Ofenbauers hat Nachwuchssorgen, das ist noch immer eine körperlich anstrengende Arbeit“, erklärt sie. Mithilfe der Bausatzsysteme ließen sich Anlagen schneller aufbauen. Alle Elemente seien perfekt aufeinander abgestimmt. Im Falle eines Umzugs könne man die Systeme sogar demontieren und an anderer Stelle wieder aufbauen. „Ich kenne Camina und Schmid seit über 20 Jahren“, sagt Jens Fischer, Redakteur beim Fachmagazin Kachelofen & Kamin aus Waiblingen. An den innovativen und erfolgreichen Bausatzsystemen habe das Unternehmen trotz anfänglichem Gegenwind aus der Branche festgehalten. 

"Camina war häufig ein Trendsetter"

Camina habe Marktentwicklungen früher als andere erkannt, so Fischer, zum Beispiel den Wechsel vom Kachelofen zum sichtbaren Feuer: „Camina war häufig ein Trendsetter, bei Schmid stand die laufende Verbesserung der Feuerungstechnik im Vordergrund.“ Der Branchenkenner hat die Entwicklung des Unternehmens seit Gründung der Camina Feuerungstechnik durch Waldemar Rokossa 1997 verfolgt, damals noch unter dem Dach der Meller Spartherm-Gruppe. Der Mann der heutigen Geschäftsführerin verstarb 2015. 

Camina steht seit 2002 auf eigenen Beinen und entwickelte sich rasant. Noch im selben Jahr kaufte man die Spezialistin für Kamineinsätze und Heizeinsätze Schmid Feuerungstechnik aus Bayreuth. Zwei Jahre später kam die Firma Olsberg aus Rathenow hinzu, auch sie stellte Heizeinsätze her. An den heutigen Standort in Bissendorf zogen Camina & Schmid 2007; Waldemar Rokossa hatte den Mut, das Technologie-Centrum-Bissendorf und ein angrenzendes Gebäude aus der Insolvenzmasse des Vorbesitzers Matzner zu kaufen. Aufgrund der Krankheit ihres Mannes übernahm Anna Rokossa 2014 die Geschäftsführung beider Firmen. Anfang 2018 wurden die bis dahin rechtlich eigenständigen Unternehmen unter dem Dach der Camina & Schmid Feuerdesgin und Technik zusammengeführt. In den Bereichen Vertrieb und Qualitätssicherung arbeiten Colin (23) und Steven Rokossa (30), Söhne aus der ersten Ehe von Waldemar Rokossa und Gesellschafter von Camina & Schmid, im Familienunternehmen mit.

20.000 verschiedene Produkte

Dessen Sortiment umfasst circa 20.000 verschiedene Produkte. Die wichtigste Produktgruppe sind die Kamineinsätze, auf die etwa 50 Prozent der Umsatzerlöse entfallen. Weitere 38 Prozent Umsatz erzielt Camina & Schmid mit Heizeinsätzen. Die 2500 Fachhandelspartner in Deutschland werden über den Großhandel beliefert. Mit lokalen Vertriebspartnern arbeiten die Bissendorfer in Österreich, der Schweiz, den Beneluxländern, Frankreich, Italien, Portugal, Tschechien, Russland, Finnland und Norwegen zusammen. Das Exportgeschäft trägt derzeit 30 Prozent zum Umsatz bei. Zahlen zum Umfang der Erlöse will Camina & Schmid nicht nennen; man verrät nur so viel: In den letzten zehn Jahren wuchsen die Umsätze um 70 Prozent. Die Anzahl der Mitarbeiter stieg in diesem Zeitraum von 85 auf zuletzt 154; darunter auch die fünf Auszubildenden in den Berufen Außenhandelskaufmann und Fachkraft für Lagerlogistik. Am Firmensitz in Bissendorf nutzt die Spezialistin für Heiztechnik 6000 Quadratmeter Hallen- und gut 1600 Quadratmeter Bürofläche. Hinzu kommen 2000 Quadratmeter Ausstellungs- und Schulungsräume.

Gesetzliche Vorgaben laufend verschärft

In den letzten Jahren wurden die gesetzlichen Vorgaben für den Betrieb von Holzfeuerungsanlagen laufend verschärft. Dies habe ihr Unternehmen aber nicht vor Probleme gestellt, berichtet Anna Rokossa. „Wir haben den emissionsarmen Abbrand durch Modifikationen in den Griff bekommen, die vor allem die Luftführung betreffen“, so die 52-jährige: „Ziel ist es, die sogenannte Nachverbrennung zu optimieren. Dafür muss man das Strömungsverhalten der Verbrennungsluft studieren. Sauerstoff fließt wie Wasser. Mit der besseren Nachverbrennung konnten wir die Feinstaubemissionen entscheidend verringern und gleichzeitig den Wirkungsgrad verbessern.“ Die Weiterentwicklung der Technik und das Design der Modelle hat das Unternehmen in Bissendorf gebündelt. Außerdem sind hier die Endmontage, der Vertrieb, das Marketing und die Logistik angesiedelt. Produziert wird hauptsächlich am zweiten Firmenstandort in Rathenow.

Anna Rokossa hat ehrgeizige Pläne für die Zukunft des Familienunternehmens. „Wir möchten die Anzahl der Modelle verringern und deren Stückzahl erhöhen. Sie liegt derzeit bei 18.000 und soll sich verdoppeln. Das wollen wir erreichen, indem wir unter anderem den Exportanteil steigern.“ Vielversprechend sei auch der neue Produktbereich Gas-Kamineinsätze, so die Geschäftsführerin von Camina & Schmid.


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