"Unser Quotenschwarzer" Nach Rassismus-Vorwürfen: True Fruits nimmt Smoothie aus Sortiment

True Fruits will in seiner Werbung provokant bleiben. Foto: imago/STPPTrue Fruits will in seiner Werbung provokant bleiben. Foto: imago/STPP

Bonn. Das Bonner Unternehmen True Fruits nimmt nach Rassismus-Vorwürfen ihren schwarzen Smoothie aus dem Sortiment – kündigt aber gleichzeitig an, weiter provokativ werben zu wollen: "Ihr werdet bei uns also immer wieder auf diese Art der Kommunikation stoßen, die dumme Menschen falsch verstehen könnten."

"Mit unserem Smoothie white in der schwarzen Pulle haben wir in der Vergangenheit viel Ärger gehabt", schreibt das Unternehmen True Fruits auf seinem Instagram-Kanal. "Er ist das schwarze bzw. weiße (?) Schaf der Familie. Seinetwegen haben wir uns oft schwarz ääähh weiß geärgert. Und auch jetzt wirft man uns wieder Rassismus vor. Uns gehen die ständigen Fehlinterpretationen auf die Nerven. Wir nehmen ihn nur deswegen aus dem Sortiment. Wirklich nur deswegen. Jetzt habt ihr es schwarz auf weiß."

Was war passiert?

Immer wieder sorgt das Bonner Unternehmen mit seinen Werbeslogans für Aufsehen. In diesem Fall geht es um einen weißen Smoothie in einer schwarzen Flasche – für den True Fruits unter anderem mit Sprüchen wie "Schafft es selten über die Grenze" und "Noch mehr Flaschen aus dem Ausland" warb. 

Bei den Kunden kam das allerdings nicht nur gut an – viele warfen dem Unternehmen Rassismus vor. Das reagierte nun in einem Statement, das mit den Worten "Liebe Freunde, liebe vermeintlich Diskriminierte, liebe Dumme" beginnt: "Ja, wir sind diskriminierend."

Die Kampagne sei als Kritik an der "rechts angehauchten Politik" Österreichs gemeint gewesen "und die mögliche Schließung des Brenner Passes (die Einreise von Flüchtlingen wäre dadurch erschwert worden)". Dass dies gegen Fremdenfeindlichkeit gemeint war, "wäre auch spätestens klargeworden, wenn man sich mit der Kampagne beschäftigt hätte und sich zum Beispiel das dritte Kampagnenmotiv angesehen hätte", so True Fruits. Gemeint ist damit ein Plakat mit der Aufschrift "Bei uns kannst Du kein Braun wählen" – da kein Smoothie in dieser Farbe angeboten werde. 

"Finden Rassismus genauso zum Kotzen"

"Wir finden Rassismus genauso zum Kotzen, wie alle Formen der Diskriminierung", so True Fruits. "Aber ernsthaft zu glauben, dass ein öffentliches Unternehmen unserer Größe Interesse daran haben könnte, rassistische Propaganda zu betreiben, um daraus Kapital zu schlagen, zeugt von wenig Geistesschmalz."

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Zeitgleich bezieht das Unternehmen auch Stellung zu vermeintlich sexistischer Werbung sowie solcher, der die Förderung von "Rape Culture" vorgeworfen wird: "Der Claim 'abgefüllt und mitgenommen' bezieht sich auf den Weitergebrauch unserer Flasche samt Trinkaufsatz. Klar, wir spielen hier mit einer sexuellen Doppeldeutigkeit, aber die Doppeldeutigkeit entsteht ja im Kopf des Lesers, eindeutig abgebildet ist ja eine Glasflasche, die tatsächlich wieder befüllt und durch den dicht schließenden Deckel eben auch mitgenommen werden kann. Wir fragen uns ernsthaft, was für ein kranker Dummkopf man sein muss, darin eine Befürwortung von Vergewaltigungen zu lesen."

"Werbung könnte von dummen Menschen missverstanden werden"

Von provokanter Werbung wolle sich das Unternehmen dennoch nicht verabschieden: "Grundsätzlich möchten wir Euch aber darauf hinweisen, dass wir auch zukünftig Werbung betreiben werden, die ein gewisses Maß an Intelligenz und Humor voraussetzen wird. Ihr werdet bei uns also immer wieder auf dieser Art der Kommunikation stoßen, die dumme Menschen falsch verstehen könnten." 

Am Ende des Statements schreibt das Unternehmen dann noch, dass der schwarze Smoothie nicht aufgrund der Rassismus-Vorwürfe aus dem Sortiment genommen werde – "sondern weil er sich zu schlecht verkauft hat."


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