Hamburg, Stade, Bremen Das bedeutet das Airbus-A380-Aus für die norddeutschen Standorte

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Der erste Airbus A380 in einer Halle des Hamburger Werks in Finkenwerder. Foto: dpa/Lukas BarthDer erste Airbus A380 in einer Halle des Hamburger Werks in Finkenwerder. Foto: dpa/Lukas Barth

Hamburg. Das A380-Aus hat Auswirkungen für Arbeitsplätze an zehn Airbus-Standorten. Darunter sind auch die norddeutschen Werke in Hamburg, Bremen und Stade.

Durch das Aus für den Riesenflieger A380 fürchten Airbus-Mitarbeiter an den drei norddeutschen Standorten in Hamburg, Bremen und Stade um ihre Jobs. Der deutsch-französische Raum- und Luftfahrtkonzern beschwichtigt.

Auf Nachfrage unserer Redaktion zu konkreten Auswirkungen in den norddeutschen Airbus-Werken wollte eine Konzernsprecherin zunächst "keine auf einzelne Standorte heruntergebrochenen Stellungnahmen" abgeben. Man werde in den nächsten Wochen Gespräche mit den Sozialpartnern über Stellen aufnehmen, die in den nächsten drei Jahren möglicherweise betroffen sein könnten, hieß es.

"Vielzahl von internen Mobilitätsmöglichkeiten"

Konzernweit seien etwa zehn Produktionsstandorte in Frankreich, Deutschland, Spanien und Großbritannien von der Entscheidung betroffen und dort etwa 3000 bis 3500 Stellen. Dies entspreche etwa drei Prozent der weltweiten Belegschaft (130.000).

Das Airbus-Gelände in Hamburg-Finkenwerder. Foto: imago/blickwinkel

Trotz dieser schlechten Nachrichten habe man das Schlimmste bereits hinter sich . "Die zu erwartenden Auswirkungen werden voraussichtlich geringer sein, als die bereits erreichten Anpassungen im A380-Programm während der letzten Jahre", sagte die Sprecherin. Und weiter: "Wir analysieren die Situation jedes Landes, um lokale Lösungen zu erarbeiten und diese mit unseren Arbeitnehmervertretern in den kommenden Monaten schrittweise umzusetzen". 

In Deutschland sind die Standorte Hamburg, Bremen, Stade und Buxtehude an der Produktion der A380 beteiligt. Dazu kommen noch einige Zulieferer. 

Der größte norddeutsche Standort Hamburg-Finkenwerder hatte laut der Sprecherin "extrem vom A380-Programm profitiert". Seit der Markteinführung des größten Passagierflugzeugs aus der Airbus-Familie im Jahr 2000 habe sich die Hansestadt sogar zum drittgrößten Luftfahrtstandort der Welt entwickelt, die Stammbelegschaft wuchs von 7800 auf 12.700 Angestellte. Dabei seien vor allem Entwickler für den A380 eingestellt worden. In Hamburg werden zudem Teile des Rumpfes gebaut und die Flugzeuge lackiert.

Auswirkungen in Hamburg, Bremen und Stade

Viele Beschäftigte könnten nun in die hochlaufende Produktion für den kleineren, aber bei den Fluggesellschaften beliebteren A320 wechseln. Zudem biete der Auftrag der Fluggesellschaft Emirates für 40 A330neo und 30 A350 neue Wechselmöglichkeiten. Es gebe "eine Vielzahl von internen Mobilitätsmöglichkeiten".

Für Bremen als zweitgrößten deutschen Airbus-Standort hat das Aus des A380 relativ geringe Auswirkungen. "Betroffen sind in der Produktion und der Entwicklung schätzungsweise bis zu 80 Kolleginnen und Kollegen", sagte Betriebsratschef Jens Brüggemann am Donnerstag gegenüber Deutschen Presse-Agentur. Dies sei ein "überschaubarer Rahmen". "Wir sehen keinen Grund, dass diese Mitarbeiter in Bremen nicht weiter mit Arbeit versorgt werden können." In dem Werk werden die 7,5 Meter langen und 3 Meter breiten Landeklappen des A380 gefertigt.

Der Airbus-Standort in Bremen. Foto: dpa/Mohssen Assanimoghaddam

Am gesamten Airbus-Standort Bremen sind inklusive des Segments "Space and Defence" (Raumfahrt und Verteidigung) rund 5000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Bauraten, das heißt die Produktionsgeschwindigkeit für den A380, seien in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefahren worden, gab Brüggemann zu bedenken. Die letzte Landeklappe dürfte in Bremen Ende 2020 gefertigt werden. Die Bauteile gehen nach Hamburg und Toulouse (Frankreich), wo das Flugzeug montiert wird. Die letzte Auslieferung des A380 ist für 2021 geplant. 

Auch die rund 2000 Mitarbeiter des Airbus-Werks Stade wurden am Donnerstagmorgen von der Mitteilung überrascht. "Wir haben das aus dem Radio erfahren", sagte ein Mitarbeiter. Auch dort werden Teile des A380 gefertigt. Der Betriebsrat mahnte am Donnerstag zunächst Klarheit und Zahlen von der Unternehmensleitung an.

Gewerkschaft: "Schade um den schönen Flieger"

Die Gewerkschaft IG Metall hat mit Verständnis auf die Entscheidung von Airbus reagiert, die Produktion des Großflugzeugs A380 einzustellen. "Es ist schade um den schönen Flieger", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, am Donnerstag in Hamburg. "Aber die Entscheidung des Vorstands ist nachvollziehbar, da sich die A380 nicht verkauft." 

Durch den Hochlauf in anderen Programmen habe Airbus weiterhin gut zu tun. Die Beschäftigten hätten an den norddeutschen Standorten durch die Modelle A320, A330 und A350 reichlich Arbeit. Betriebsbedingte Kündigungen seien per Tarifvertrag bis Ende kommenden Jahres ausgeschlossen. "Diese Regelung wollen wir ausbauen und die Beschäftigung langfristig sichern", sagte Geiken.

"Kündigungen müssen tabu sein"

Der Airbus-Betriebsrat und die Gewerkschaft kämpfen um den Erhalt aller Arbeitsplätze. Kündigungen, Standortschließungen oder ein Verkauf von Unternehmensteilen müssten tabu sein, forderte IG-Metall-Vorstand und Airbus-Aufsichtsrat Jürgen Kerner am Donnerstag. Die Betriebsparteien vor Ort müssten unverzüglich Lösungen zum Erhalt der Stellen finden.

Wie die geänderten Aufträge durch andere Flugzeugprogramme wie A350 oder A330 beschäftigungswirksam aufgefangen werden können, sei abzuwarten. "Die einzelnen Standorte sind sehr unterschiedlich betroffen, so dass die genauen Auswirkungen erst in den nächsten Wochen analysiert werden können", sagte Kerner. Airbus müsse auch neue Projekte prüfen und ausgelagerte Arbeiten zurückholen.

Konzernbetriebsratschef Holger Junge sagte, die Einstellung sei ein tiefer Einschnitt für die gesamte Luftfahrtindustrie in Deutschland und Europa und "hat für Airbus und die Zuliefererindustrie große Auswirkungen". Kerner betonte: "Die IG Metall erwartet sowohl von Airbus als auch von den betroffenen Zuliefererunternehmen, alles dafür zu tun, dass die betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in anderen Programmen weiterbeschäftigt werden."

Am Donnerstag hatte der größte europäische Flugzeugbauer das Ende seines Prestige-Projekts erklärt. 2021 soll die letzte der etwa 850 Passagiere fassenden Maschinen ausgeliefert werden. Grund für das Produktionsende ist, dass die Fluggesellschaft Emirates ihre A380-Bestellungen deutlich gekürzt hat. Der Riesenvogel gilt in der Anschaffung und im Betrieb als sehr teuer.

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Mit dpa und afp


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