40 Millionen Euro Westfälische Sparkassen sagen grummelnd "Ja" zur Nord/LB-Rettung

Die westfälischen Sparkassen sagen grummelnd "Ja" zur Nord/LB-Rettung. Symbolfoto: dpaDie westfälischen Sparkassen sagen grummelnd "Ja" zur Nord/LB-Rettung. Symbolfoto: dpa

Münster. Das Auffangmodell für die angeschlagene Nord/LB trifft nicht bei allen Beteiligten auf ungeteilte Gegenliebe. Im Lager der Sparkassen, das insgesamt 1,2 Milliarden Euro zur Rettung der niedersächsischen Landesbank beitragen soll, wird vor allem außerhalb der Landesgrenzen vernehmlich gemurrt. Zum Beispiel in Westfalen-Lippe: Mit rund 40 Millionen Euro werden die 60 dortigen Sparkassen nach ersten Berechnungen zur Kasse gebeten, sollte die Nord/LB-Sanierung wie geplant vonstatten gehen.

„Es ist, wie es ist“, fasste die Präsidentin des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (SVWL), Liane Buchholz, am Vormittag die Lage fast schon resigniert zusammen. Die kommunalen Geldinstitute der Region sind immer noch traumatisiert durch die milliardenschwere Pleite der NRW-eigenen WestLB. Ein einziger Grund habe sie jetzt bewegt, der Lösung zuzustimmen: die Angst um die eigene Reputation. „In der Nord/LB fließt viel zu viel dickes rotes Blut, als dass wir einer Abwicklung einfach zusehen könnten“, formulierte es Buchholz bei der Vorstellung der Jahresbilanz ihres Verbandes. 

Sorge vor massivem Vertrauensverlust

Heißt im Klartext: Würde die Nord/LB privatisiert oder gar aufgelöst, hätte das gravierende Folgen auch für die Teile der Landesbank, die zur DNA der Sparkassen gehören. Das ist neben der Norddeutschen Landesbausparkasse, an der die Nord/LB mit 44 Prozent beteiligt ist, vor allem die Braunschweigische Landessparkasse: Sollte die 100-prozentige Tochter der Landesbank über eine Privatisierung in die Hände internationaler Finanzinvestoren geraten, wäre das ein bundesweiter Präzedenzfall – und könnte, so die Sorge der öffentlich-rechtlichen Geldinstitute, zu einem massiven Vertrauensverlust der Kunden führen.

Buchholz für zentrales Spitzeninstitut

Wirtschaftlich können die westfälisch-lippischen Sparkassen die Nord/LB-Finanzspritze ohnehin problemlos stemmen. Ihre Bilanzsumme ist laut Buchholz in den zehn Jahren seit Ausbruch der globalen Finanzkrise um rund 19 Prozent gestiegen, 2018 lag sie auf einem Rekordniveau von 134,6 Milliarden Euro – ein Plus von fast drei Prozent. Kundeneinlagen wie Kreditbestand der Institute wachsen stabil, das Eigenkapital wurde kräftig aufgestockt.

Doch auch nach dem Ja zum Erhalt der Nord/LB drängt SVWL-Präsidentin Buchholz darauf, die verbliebenen Landesbanken mittelfristig zu einem zentralen Spitzeninstitut der Sparkassen zusammenzufassen. „Vor allem im Auslandgeschäft brauchen wir die gebündelte Kraft unserer Organisation“, begründete sie und kündigte an, die „längst überfällige Diskussion“ darüber im Sparkassenlager antreiben zu wollen – gerade im Licht von „Nahtod-Erfahrungen“, wie sie die Nord/LB gemacht habe.


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