Handys, Kameras, Sexspielzeug Amazon-Kunden erhalten unaufgefordert Pakete zugeschickt: Was steckt dahinter?

dpa und Christian Ströhl

Meine Nachrichten

Um das Thema Wirtschaft Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Unaufgefordert erhalten gerade Amazon-Kunden Pakete des Versandhändlers. Der Inhalt der Pakete ist teils hochwertig. Foto: imago/STPPUnaufgefordert erhalten gerade Amazon-Kunden Pakete des Versandhändlers. Der Inhalt der Pakete ist teils hochwertig. Foto: imago/STPP

München/Düsseldorf. Derzeit wundern sich einige Amazon-Kunden: Unaufgefordert erhalten sie wertvolle Pakete des Versandhändlers zugeschickt. Was dahinter steckt und warum damit bald Schluss sein könnte.

Versandhändler haben mit Amazon-Paketen an Kunden in Deutschland für Verwirrung gesorgt. Wie die Verbraucherzentrale NRW mitteilte, erhielt zum Beispiel ein Mann in Düsseldorf ein nagelneues Smartphone zugeschickt – ohne Lieferschein, ohne Rechnung, ohne Abbuchung. Andere Kunden sollen unverlangt und kostenlos ein Fernglas, eine Kamera, eine Mausefalle und Sexspielzeug bekommen haben. 

Pakete vom Marketplace

"Die Pakete kommen nicht von Amazon selbst, sondern über den separaten Marketplace, auf dem sich tausende Händler tummeln", erklärte die Verbraucherzentrale. Die Vermutung ist, dass Händler unter dem Namen echter Kunden einen zweiten Kunden-Account bei Amazon eröffnen. Offenbar wollen die Händler auf diese Weise ihre Artikel im Verkaufs-Ranking von Amazon höher positionieren. Je mehr ein sogenannter Marketplace-Anbieter verkauft, desto höher sein Ranking, lautet offenbar die Rechnung der Händler. Außerdem könnten sich die Verkäufer über diesen zweiten Kunden-Account selbst gute Noten geben für ihren Artikel oder ihren Shop, sagt die Verbraucherzentrale. Aber damit ist wohl rasch Schluss.

"Mit dem Versenden der unbestellten Produkte und dem angeblichen Verkauf wollen die Händler die Konversionsrate ihrer Produkte verbessern und so sichtbarer für die Kunden werden. Amazon wird vorgegaukelt, dass die Kunden diese Artikel lieben“, sagt Klaus Forsthofer, Autor des Handelsblogs "Marktplatz1" gegenüber der Wirtschaftswoche. Die dubiosen Händler wollen also ihre Sichtbarkeit für Amazon-Kunden erhöhen.

Doch macht das Versenden der Pakete wirtschaftlich überhaupt Sinn? Für die Händler fallen Portokosten und die Kosten für die Geräte an. Offenbar rechtfertigt mehr Popularität auf Amazon dieses Übel jedoch. "Die verschickten Waren müssen bei Amazon als verifizierter Kauf registriert werden, damit der Algorithmus sie erkennt. Dafür verschicken die Marketplace-Händler Produkte mit ganz niedrigen variablen Kosten und kaufen diese quasi selbst“, erklärt Forsthofer. 

Woher stammen die Daten?

Doch noch ist unklar, woher die Händler die Daten der Kunden haben. Amazon will damit nichts zu tun haben. Der Versandhändler betonte am Dienstag lediglich: "Wir gehen jedem Hinweis von Kunden nach, die unaufgefordert ein Paket erhalten haben, da dies gegen unsere Richtlinien verstößt." Und: "Verkäufer, die gegen unsere Richtlinien verstoßen, werden gesperrt, die Zahlungen werden zurückgehalten und wir leiten entsprechende rechtliche Schritte ein." 

Die Händler hätten weder Namen noch Adressen oder gar Kontodaten von Amazon erhalten. Forsthofer vermutet, dass die Händler sich irgendwelche Adressen im Internet suchen. "Welche Adressen das sind oder ob die Artikel jemals ankommen, das ist ihnen egal", sagt der Amazon-Experte bei der "Wirtschaftswoche". Die Hauptsache sei, dass die Artikel verschickt werden und bei Amazon als Verkauf eingehen.

Rechnung muss nicht gezahlt werden

Die gute Nachricht: "Wer unverlangt Pakete von Händlern erhält, muss sie nicht aufbewahren", so die Verbraucherzentrale. Die Empfänger könnten sie einfach benutzen oder wegwerfen. "Auch eine beiliegende Rechnung muss selbstverständlich nicht bezahlt werden."


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN