Kritik an Karnevals-Outfit "Afrikanische Dame" Rassismus-Vorwürfe gegen Deiters: "Über das Ziel hinaus geschossen"

Kostüm-Händler Deiters weist Rassismus-Vorwürfe zurück. Foto: dpa/Rolf VennenberndKostüm-Händler Deiters weist Rassismus-Vorwürfe zurück. Foto: dpa/Rolf Vennenbernd
dpa/Rolf Vennenbernd

Frechen. Kostüm-Händler Deiters ist mit Rassismusvorwürfen konfrontiert. Kritiker nehmen Anstoß am Karnevals-Kleid "Afrikanische Dame". Die stereotype Werbung bleibt kein Einzelfall.

"Wild, sexy und unzähmbar" – so bewarb der nordrhein-westfälische Kostüm-Händler Deiters ein Karnevals-Outfit mit dem Namen "Afrikanische Dame" in seinem Onlineshop. Der Twitter-Account "Was ist Rassimus" entdeckte das Outfit und wertete die Verkaufsbeschreibung als "rassistische Werbung":

Der Hersteller präsentierte seinen Kunden das Kostüm im Leoparden-Print in der Anzeige als "animalischen Raubtier-Look". Es sei ein "sexy Damenkleid", zu dem auch eine "wilde Afro-Perücke" passe. Die Kritiker sehen in der Verkaufsbeschreibung eine "Übersexualisierung", verbunden mit einer "Entmenschlichung und Vertierlichung". Der Werbetext erfülle "jegliche Kriterien des Rassismus" und knüpfe an "kolonial-rassistische Ausschlusspraktiken an". 

"Ein bisschen über das Ziel hinaus geschossen"

In einem Gespräch mit unserer Redaktion bezieht der Geschäftsführer von Deiters, Björn Lindert, Stellung zu den Vorwürfen: "Wir distanzieren uns definitiv von Rassismus und gehören auch nicht in die rechte Ecke", sagt er. Lindert gibt aber auch zu, der Werbetexter sei „ein bisschen über das Ziel hinaus geschossen". Man habe reagiert und das Kostüm sei bereits unter einem anderen Namen ("Kleid mit Tierprint") vertrieben worden.

Weitere Produkte bedienen Stereotype

Im Onlineshop ist das Kostüm mittlerweile nicht mehr erhältlich. Es sei ausverkauft, so Lindert. Jedoch tauchen unter den Angeboten noch weitere Produkte auf, die auf eine ähnliche Art und Weise Stereotypen und Rollen-Klischees bedienen wie die "Afrikanische Dame". Da wäre beispielsweise die Indianerin, die bei Karnevals- und Mottopartys als "echte Rothaut" überzeugen könnte. Ein Outfit als Chinesin wird als "nicht nur sexy sondern auch exotisch" angepriesen. Auch bei Männer-Kostümen tauchen der Reihe nach Stereotype auf. Wie etwa beim Scheich-Gewand, in dem man sich fühlen könnte wie ein "echter saudischer Prinz, der durch Erdöl reich geworden ist".

Lindert schließt aus, dass einige der Produkte nach der Kritik aus dem Onlineshop entfernt werden könnten. „Wir fühlen uns auch ein wenig durch Kommentare, die nun auftauchen, bestärkt, nicht einzuknicken", sagt er. Man könne das Thema so drehen, "dass auch alles an Indianer- und Eskimokostümen verboten gehört". Anders herum ließe sich aber auch darstellen, "dass es überzogen ist und dass man einem Kind, das als Indianer in den Karneval ziehen möchte, dieses nicht verbieten muss", meint Lindert.

Umstrittene Werbung bei Deiters kein Einzelfall

Auch andere Onlineshops haben ähnliche Angebote in ihrem Sortiment. Wie etwa der Händler "Funidelia", der das Kostüm "Afrikanische Höhlenbewohnerin" für Frauen anbietet. Gleiches gilt für die Plattform "Ebay". Dort findet sich etwa die "Wilde Ureinwohnerin" aus Afrika als Karnevals-Kostüm. Schon in der Vergangenheit waren andere Modehändler wegen Rassismus-Vorwürfen in die Schlagzeilen geraten. Eines der bekanntesten Beispiele ist H&M. Das schwedische Unternehmen hatte für einen Kapuzenpullover mit der Aufschrift „Coolster Affe im Dschungel“ einen dunkelhäutigen Jungen modeln lassen. (Weiterlesen: Rassismus-Vorwürfe gegen H&M wegen dieses Werbefotos)

Rassismus-Vorwürfe auch gegen Gucci

Mit Rassismus-Vorwürfen sieht sich aktuell auch das italienische Luxusmodehaus Gucci konfrontiert. Grund dafür ist ein schwarzer Pullover, dessen Rollkragen sich tief ins Gesicht ziehen lässt und den Mund mit einer rot umrandeten Öffnung freilegt. 

In den sozialen Netzwerken wurde Gucci deswegen sogenanntes Blackfacing vorgeworfen – eine umstrittene, rassistische Praxis beispielsweise im Theater, um Schwarze darzustellen, indem man Weiße (stereotyp) schminkt.

Chinesische Händler verbrennen Luxusprodukte

Das in Florenz gegründete Unternehmen entschuldigte sich am Donnerstag für die "Beleidigung" und nahm den Pullover vom Markt. Vielfalt sei ein fundamentaler Wert, den Gucci hochhalte und respektiere, der bei jeder Entscheidung an erster Stelle stehe, erklärte Gucci auf Twitter.

Im November hatte sich der italienische Modekonzern Dolce & Gabbana mit umstrittenen Werbespots in China Rassismus-Vorwürfe eingehandelt. Darin war eine Chinesin zu sehen, die versucht, Pizza, Pasta und sizilianisches Gebäck mit Stäbchen zu essen. Große Online-Händler des Landes verbannten daraufhin Produkte der Luxusmarke.  


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