20 Prozent mehr Platz für Schweine Tierwohl-Label: SPD fordert Nachbesserungen von Klöckner

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Ein Schwein Foto: Marijan Murat/dpaEin Schwein Foto: Marijan Murat/dpa

Osnabrück. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat am Mittwoch die Kriterien für das staatliche Tierwohllabel vorgestellt. Schweine sollen unter anderem 20 Prozent mehr Platz im Stall haben. Zu wenig, sagen Tierschützer. Ambitioniert, finden Schweinehalter.

Das Label soll Verbrauchern auf Fleischverpackungen signalisieren, dass Tiere besser gelebt haben. Insgesamt drei Stufen soll das staatliche Siegel haben. Insgesamt drei Stufen soll das staatliche Siegel haben. Klöckner sagte: „Wir sorgen dafür, dass mehr Tierwohl sichtbar wird in den Regalen.“

Das Label ist allerdings freiwillig und nicht verpflichtend. In der ersten Stufe sollen Schweine 20 Prozent mehr Platz bekommen. Oder anders gesagt: 0,9 statt 0,75 Quadratmeter mehr pro Tier. Je höher die Stufe, desto anspruchsvoller die Anforderungen und weiter entfernt vom gesetzlichen Standard. In der dritten Stufe ist ein Auslauf für Schweine Pflicht.

Transporte zum Schlachthof dürfen zudem höchstens acht Stunden dauern - gesetzlich zulässig sind bis zu 24 Stunden. Geplant sind Regelungen zu regelmäßigen Kontrollen. Um das neue Logo bekannt zu machen, ist eine Werbekampagne für 70 Millionen Euro vorgesehen. 

"Unausgegoren und enttäuschend"

Das Label ist allerdings freiwillig und nicht verpflichtend. In der ersten Stufe sollen Schweine 20 Prozent mehr Platz bekommen. Je höher die Stufe, desto anspruchsvoller die Anforderungen und weiter entfernt vom gesetzlichen Standard. In der dritten Stufe ist ein Auslauf für Schweine Pflicht.

Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder sagte zu den Plänen von Klöckner: „Das ist unausgegoren und enttäuschend für eine dreijährige Diskussion.“ Schröder kritisierte, dass die Anforderungen der Eingangsstufe nur knapp über dem gesetzlichen Standard lägen. „Die Frage der ökonomischen Machbarkeit stand offenbar im Vordergrund und nicht das Tierwohl.“

SPD fordert Nachbesserungen

Klöckners Koalitionspartner von der SPD räumte zwar ein, dass das Label Verbesserungen für die Tiere bringe und breiter aufgestellt sei als diverse Wirtschaftsinitiativen. Susanne Mittag, Tierschutzbeauftragte der Sozialdemokraten im Bundestag, forderte dennoch Nachbesserungen: „Der richtig große Wurf ist der Vorschlag von Frau Klöckner aber noch nicht, denn einige vermeintliche Verbesserungen sind bereits gesetzlicher Standard oder nur marginal darüber.“ Hier müsse die Ministerin noch deutlich nachlegen, so Mittag.

Der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) wies indes Kritik zurück. Geschäftsführer Torsten Staack erklärte: „Ohne Frage, die nun vorgestellten Kriterien sind – auch wenn Tier- und Umweltschützer mit ihrem Gerassel ein anderes Bild vermitteln wollen – schon in der Einstiegsstufe ambitioniert.“

Zahlen Verbraucher?

Staack wies aber darauf hin, dass gerade die Kriterien der höheren Labelstufen für Landwirte nicht umsetzbar seien. In der dritten Stufe beispielsweise müssen Schweine Auslauf haben. Auch die umstrittene betäubungslose Kastration von Ferkeln wird nicht erlaubt sein. 

„Wer heute seinen Stall nach diesen Kriterien umbauen will, der wird das in der Praxis aufgrund bestehender Widersprüche verschiedener Rechtsvorschriften schlicht nicht dürfen.“ Die Bundesregierung müsse hier für Klarheit sorgen. Zudem sei unklar, ob Bauern den Mehraufwand vergütet bekämen.

In Umfragen gibt die Mehrheit der Verbraucher stets an, Tierwohl-Produkte zu bevorzugen. Eine Untersuchung der Hochschule Osnabrück hatte zuletzt aber gezeigt, dass im Supermarkt dann aber doch die Mehrheit zu günstigeren Fleischprodukten greift. Zudem werden nur vergleichsweise geringe Preisaufschläge für bessere Haltungsbedingungen akzeptiert.  (Weiterlesen: Tierwohl-Siegel für viele Verbraucher kein Kaufanreiz)

Gewerkschaft: Schlachter berücksichtigen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) forderte die Bundesregierung unterdessen auf, auch die Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen beim staatlichen Tierwohllabel zu berücksichtigen. Gewerkschafts-Vize Freddy Adjan erklärte: „Zum Tierwohl gehört zweifelsfrei auch die fachmännische und einwandfreie Tötung des Tieres.“ Das sei in vielen deutschen Schlachthöfen nicht gewährleistet, so Adjan. „Statt gut ausgebildeter und ordentlich entlohnter Fachleute arbeiten in deutschen Schlachthöfen heute mies bezahlte, oft nicht ausreichend qualifizierte, Werkvertragsarbeiter aus dem Ausland unter höchstem Druck und teils katastrophalen Arbeitsbedingungen.“


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