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Fluglinie hatte Marktanteil von 26 Prozent Nach Germania-Aus: Was sind die Folgen für den FMO?

Von Christian Lang und Jean-Charles Fays

"Nonstop" war einmal: Am FMO-Schalter von Germania geht nach der Pleite nichts mehr. Foto: David Ebener"Nonstop" war einmal: Am FMO-Schalter von Germania geht nach der Pleite nichts mehr. Foto: David Ebener

Osnabrück. Mit großer Verwunderung hat der Flughafen Osnabrück/Münster (FMO) die Insolvenz der Fluggesellschaft Germania zur Kenntnis genommen. Zuletzt hatte die Airline einen Marktanteil von 26 Prozent am Gesamtaufkommen des FMO. Wie sich das Aus auf den Flughafen auswirken wird, ist derzeit noch unklar.

Für den FMO-Geschäftsführer Rainer Schwarz war das Germania-Aus in der Nacht zu Dienstag schon eine große Überraschung – auch wenn er, wie er betont, schon einige Airline-Pleiten in den vergangenen Jahren miterlebt habe. Germania hatte sich zum wichtigsten Partner nach der Lufthansa entwickelt. Immerhin rund 269.000 der erstmals wieder mehr als eine Million Fluggäste am FMO haben im vergangenen Jahr Germania gebucht – ein Marktanteil von 26 Prozent. Und in diesem Jahr sollte diese Zahl noch weiter steigen, zudem war geplant, ein drittes Germania-Flugzeug am FMO zu stationieren. Dementsprechend groß war die Erleichterung, als vor zwei Wochen durchsickerte, die finanziell angeschlagene Airline habe einen Investor gefunden. (Weiterlesen: Aus für Germania: Berliner Fluglinie stellt Betrieb ein)

Leeres Kofferband: Der FMO hatte große Hoffnungen in seine Germania-Flüge gesteckt. Foto: David Ebener

Negative Vorzeichen

Doch die Hoffnung hat sich jäh zerschlagen. Bereits in den vergangenen Tagen habe man Vorzeichen registriert, „die nicht für einen intakten Flugbetrieb bei Germania gesprochen haben“, so Rainer Schwarz im Gespräch mit unserer Redaktion. Unter anderem war bekannt geworden, dass es bei der Auszahlung der Januar-Gehälter an die Mitarbeiter Verzögerungen gab. (Weiterlesen: FMO begrüßt millionsten Fluggast 2018)

Da war die Freude noch groß: Im vergangenen Jahr wurde erstmals seit 2012 wieder die Grenze von einer Million Fluggästen überschritten. (Foto: FMO/Heinemann)

In der Nacht zu Dienstag um 2 Uhr habe er von der Insolvenz der Airline erfahren, so der Geschäftsführer. Kurz zuvor seien noch zwei Germania-Maschinen am FMO angekommen – vollkommen planmäßig. Angesichts der jüngsten Ankündigung Germanias, einen Investor gefunden zu haben, sei Schwarz sehr verwundert über die Entwicklung. Wie sich die Insolvenz auf den FMO, seine Ziele und die Mitarbeiter auswirken wird, sei derzeit nicht seriös vorherzusehen, sagt der Geschäftsführer. Immerhin hatte die Airline touristisch wichtige Ziele wie Antalya, Faro, Fuerteventura, Madeira, Gran Canaria, Hurghada, Istanbul, Lanzarote, Malaga, Mallorca und Salzburg angeflogen.  (Weiterlesen: Germania-Insolvenz: Was Fluggäste jetzt wissen müssen)

Kein Ersatz im Winterflugplan

Klar ist: Die Airline hat den Flugbetrieb ab sofort eingestellt, an dem Flughafen fällt somit am Dienstag ein Flug nach Lanzarote aus. Am Mittwoch sind Verbindungen nach Gran Canaria und Hurghada betroffen.

Für den Winterflugplan könne kurzfristig kein Ersatz für die gestrichenen Flüge gefunden werden. Dass das Germania-Aus jetzt und nicht plötzlich zur Urlaubssaison im Sommer erfolgt, sei gewissermaßen Glück im Unglück, da die Passagierzahlen in den Wintermonaten deutlich geringer seien. Mit Blick auf den zu Ostern beginnenden Sommerflugplan hofft der Geschäftsführer, das angepeilte Angebot sichern zu können.

Der FMO hatte nach eigenen Angaben seit Beginn der Germania-Krise den Austausch mit den großen Reiseveranstaltern in Deutschland intensiviert und auf eine deutliche Diversifizierung der Anbieter gesetzt. Das war auch eine Lehre aus der Air-Berlin-Pleite. Seinerzeit hatte die Airline einen Marktanteil am FMO von über 60 Prozent, mittlerweile ist die Verteilung weitaus ausgeglichener.

"Kein Prozess von drei Wochen"

Diese Taktik soll sich nun bezahlt machen. „Wir werden nun alles daran setzen, gemeinsam mit den touristischen Partnern schnellstmöglich das Touristikprogramm am FMO zu sichern“, so Geschäftsführer Schwarz. Dennoch ist er sich bewusst darüber, „dass es eine gewisse Zeit dauern kann, bis sich der Markt geschüttelt hat. Es ist kein Prozess von drei Wochen.“

Dieser Flieger hebt nicht mehr ab: Boden- und Luftpersonal verabschiedet sich am FMO von einer Germania-Maschine. Foto: David Ebener

Aber was ist mit den Passagieren, die eine Urlaubsreise mit Germania gebucht haben? Passagiere, die ihren Germania-Flug im Rahmen einer Pauschalreise gebucht haben, sollen sich laut Mitteilung des Unternehmens direkt an ihren Reiseveranstalter wenden, um eine Ersatzbeförderung zu erhalten. Das Risiko, dass die gewählte Fluglinie insolvent geht, trägt der Veranstalter laut Verbraucherzentrale allein – und muss bei Flugausfall für Sie tätig werden.

Für Passagiere, die ihr Flugticket direkt bei Germania gekauft hätten, bestehe aufgrund der Gesetzeslage "bedauerlicherweise kein Anspruch auf Ersatzbeförderung", teilte Germania mit.

Die Verbraucherzentrale weist jedoch darauf hin:

"Wer selbst gebucht hat, kann seine Kosten im Insolvenzverfahren anmelden."Verbraucherzentrale

Eine Fluggesellschaft müsse bei einer Annullierung den Flugpreis und weitere Kosten erstatten, wenn sie die Fluggäste gar nicht befördern kann. Die Rechtsexpertin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, Mona Semmler, erklärt: "Der Insolvenzverwalter muss allerdings erst noch benannt werden, sodass die Forderungen aktuell noch nicht geltend gemacht werden können." 

Rüdiger Wienberg zum Insolvenzverwalter bestellt

Unterdessen wurde am Dienstagnachmittag bekannt, dass Rüdiger Wienberg von der Frankfurter Kanzlei HWW Hermann Wienberg zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde. In einer Mitteilung der Kanzlei heißt es: 


"Hierzu müssen die Betroffenen jedoch nicht selbst aktiv werden: Sie werden nach Verfahrenseröffnung vom Insolvenzverwalter angeschrieben und umfassend darüber informiert, was sie zur Forderungsanmeldung tun müssen." Germania-Insolvenzverwalter


Semmler von der Verbraucherzentrale Niedersachsen fügt hinzu, dass auch Folgekosten, die aus den Flugstornierungen für gestrandete Urlauber resultieren, beim Insolvenzverwalter angemeldet werden können. Dazu gehören etwa Kosten, die anfallen, wenn ein Rückflug erst später angetreten werden kann und Hotel oder Mietwagen länger gezahlt werden müssten.

Voller Kaufpreis wird nicht zurückerstattet

Die Wahrscheinlichkeit, den vollen Flugpreis zurückerstattet zu bekommen, bezeichnet Semmler allerdings als "äußerst gering". Kunden einer Fluglinie unter den Gläubigern im Insolvenzverfahren kommen ihren Angaben zufolge eher spät zum Zuge. Es könne allenfalls mit der Rückerstattung eines Teilbetrags gerechnet werden. Zahlungen per Lastschrift oder Kreditkarte für die Flugtickets sollen nach Empfehlung der Verbraucherzentrale nicht zurückgebucht werden, da die vor der Insolvenz gezahlten Flugpreise zur Insolvenzmasse gehören. 


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