HDE bestätigt Umsatzprognose Innenstadtgeschäft bleibt angespannt

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Insgesamt ist der Umsatz im Einzelhandel im vergangenen Jahr gestiegen. Wer profitiert, ist jedoch stark vom Segment abhängig. Unter anderem Schuh- und Modehandel büßen Umsatz ein. Foto: Lino Mirgeler/dpaInsgesamt ist der Umsatz im Einzelhandel im vergangenen Jahr gestiegen. Wer profitiert, ist jedoch stark vom Segment abhängig. Unter anderem Schuh- und Modehandel büßen Umsatz ein. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Osnabrück. Mehr Umsatz und mehr Beschäftigte im Handel: Der Handelsverband Deutschland ist mit dem vergangenen Jahr zufrieden. Schwierig bleibt das Geschäft der Innenstädte. Wie groß ist Bedeutung der Schlussverkäufe heute?

Wachstumstreiber des Umsatzwachstums im Handel bleibt das Online-Geschäft – auch wenn die Zuwächse nicht mehr zweistellig liegen. Laut Handelsverband Deutschland (HDE) hat der deutsche Einzelhandel zum neunten Mal in Folge seine Umsätze steigern können – auf zuletzt 525 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Zu den Umsatzgewinnern gehören laut Statistischem Bundesamt unter anderem Fahrradhändler sowie der Handel mit Sport- und Campingartikeln. Auf der Verliererseite steht hingegen der Einzelhandel mit Spielwaren und Schuhen oder auch Bekleidung.

Schlechtes Weihnachtsgeschäft

Auch wenn der HDE insgesamt mit dem Jahr zufrieden ist, das Weihnachtsgeschäft ist 2018 deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Um lediglich 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sind die Umsätze nominal gestiegen — erwartet hatte der HDE einen Anstieg von 2,0 Prozent. „Gründe für den schwachen Dezember liegen möglicherweise in einem veränderten Kundenverhalten und in vorgezogenen Effekten durch Kaufanlässe wie Black Friday oder Cyber Monday“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth gegenüber unserer Redaktion. Das Weihnachtsgeschäft sei aber nach wie vor der wichtigste Impuls für die Branche.

Ebenso wie das Geschäft im Netz — auch wenn die Wachstumskurve seit 2015 konsequent nach unten zeigt und die Umsatzsteigerung 2018 mit 9,7 Prozent zum ersten Mal knapp einstellig lag. Mehr als 53 Milliarden Euro hat der deutsche Einzelhandel im vergangenen Jahr online eingenommen. Laut Prognose des HDE sollen es 2019 58,5 Milliarden werden. Treiber sind hier laut Verband neben Waren des täglichen Bedarfs auch die Bereiche Heimwerken und Garten sowie in Teilen Möbel. Sie kommen allerdings auch von einem niedrigen Niveau. In den etablierten Onlinemärkten wie Mode und Elektro schwächt sich das Wachstum laut HDE ab.

Innenstadthändler: Geschäftslage auf Zehn-Jahrestief

Sorge macht nach wie vor die Lage für Innenstadthändler. Laut aktueller Umfrage liegt die Einschätzung der Geschäftslage auf einem Zehnjahrestief: Der nachhaltige Rückgang der Kundenfrequenz setzt sich fort — davon sind laut Umfrage auch Hauptgeschäftslagen betroffen. „Die Städte und Gemeinden sind dringend aufgefordert, den Wirtschaftsstandort Stadt zu stärken. Der Standort Innenstadt ist auf die Unterstützung der Politik angewiesen“, so der HDE. Unternehmen bräuchten Freiräume für Investitionen in die Digitalisierung. „Stadtzentren müssen zu Erlebnisräumen werden“, so Genth.

Insgesamt bleibt der Verband für 2019 optimistisch und rechnet mit Umsatzzuwächsen von zwei Prozent auf 535,5 Milliarden Euro. Auch beim stationären Einzelhandel geht der HDE von Mehreinnahmen von 1,2 Prozent aus.

Modehandel setzt weiterhin auf Schlussverkauf

Begonnen hat das Jahr mit dem Winterschlussverkauf. „Für den Modehandel sind die Tage von großer Bedeutung, um ihre Lager mit Winterbekleidung zu räumen und Platz für die Frühjahrskollektionen zu schaffen“, so Genth. Auch wenn Rabatte seit Wochen die Innenstädte dominieren. „Es wird klein angefangen, jetzt sind wir bei über 50 Prozent Preisnachlass“, sagte Axel Augustin vom Handelsverband Textil (BTE).

Um den Marketing-Effekt des Schlussverkaufs, der laut Handelsexperten insbesondere für Händler in kleineren Städten eine Rolle spielt, auszunutzen, sollte auf diese zusätzlichen Reduzierungen noch besser hingewiesen werden. Aufgrund des winterlichen Wetters rechnet Augustin mit guten Umsatzchancen. „Bedarfswetter kurbelt das Geschäft an.“

BTE: Marken haben Zyklen

Insgesamt gehen über das Jahr rund 40 Prozent der Bekleidung reduziert über die Ladentheke – Tendenz steigend. „Irgendwann ist jedoch eine Grenze erreicht“, so Augustin. Hohe Rabatte hätten im vergangenen Jahr auch mit der außergewöhnlichen Wetterlage zu tun gehabt. „Hier hoffen wir auf bessere Rahmenbedingungen.“

Das Wetter allein sieht Augustin jedoch nicht als Grund dafür, dass die Situation für Modemarken wie Esprit, Tom Tailor oder Gerry Weber finanziell angespannt ist. „Marken haben Zyklen. In dem Markt ist viel Bewegung und das ist auch gut so.“ Neben den Sorgenkindern der Branche gebe es auch viele Aufsteiger. „Das hält den Markt spannend. Der Handel muss für den Kunden immer neue Mode-Menüs bereithalten.“


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