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Höchste Werte in Stuttgart Diesel-Abgas-Belastung bleibt in vielen Städten zu hoch

Von dpa

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Autos fahren an der Feinstaub-Messstation an der Hohenheimer Straße in Stuttgart vorbei. Foto: Fabian SommerAutos fahren an der Feinstaub-Messstation an der Hohenheimer Straße in Stuttgart vorbei. Foto: Fabian Sommer

Berlin. Diese Zahlen sind wichtig für Millionen Diesel-Besitzer und Stadtbewohner: Das Umweltbundesamt hat eine erste Bilanz der Luftqualität 2018 vorgelegt. Zum Aufatmen ist es zu früh.

Die Luftverschmutzung durch Diesel-Abgase ist leicht zurückgegangen, bleibt aber in vielen deutschen Städten höher als erlaubt. In mindestens 35 Städten wurde der EU-Grenzwert für gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) 2018 überschritten, wie das Umweltbundesamt (UBA) mitteilte.

Für 28 der 65 Städte, die 2017 über dem Grenzwert lagen, fehlen aber noch Zahlen. Umweltschützer, Grüne und Linke forderten von der Bundesregierung stärkeres Gegensteuern für sauberere Luft. Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) pochte für ältere Diesel in besonders stark belasteten Städten abermals auf Hardware-Nachrüstungen.

Die höchsten Messwerte hatten Stuttgart mit 71 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft und München mit 66 Mikrogramm. Zwei Städte, die 2017 noch knapp im grünen Bereich lagen, überschritten 2018 den erlaubten Wert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel: In Leipzig und Koblenz wurden 42 Mikrogramm NO2 gemessen. Dagegen hielten vier Städte mit Überschreitungen 2017 den Grenzwert nun ein: Regensburg, Ludwigshafen, Solingen und Halle (Saale).

Insgesamt nahm die NO2-Verschmutzung im vergangenen Jahr leicht ab - im Mittel der verkehrsnahen Messstationen um etwa zwei Mikrogramm pro Kubikmeter. Gab es 2017 an 45 Prozent dieser Stationen zu hohe Werte, waren es 2018 nach einer UBA-Hochrechnung 39 Prozent.

Amts-Präsidentin Maria Krautzberger sagte, der seit 2010 verbindliche Grenzwert werde immer noch in vielen Städten überschritten, das gefährde die Gesundheit dort lebender Menschen. Hauptquelle sei der Straßenverkehr, vor allem Diesel-Pkw mit zu hohen Emissionen. „Mit den derzeitigen Maßnahmen dauert es einfach zu lange, bis wir überall saubere Luft haben.“

Gründe für den rückläufigen Trend der städtischen NO2-Belastung sind laut UBA Tempolimits, Verkehrsbeschränkungen, mehr neue Autos, Software-Updates zur besseren Abgasreinigung bei älteren Diesel, aber auch das Wetter. Was wie viel zur Minderung beigetragen hat, lässt sich dem Amt zufolge allein anhand der Messdaten nicht bestimmen.

Bundesumweltministerin Schulze wertete die neuen Daten als Zeichen, dass die bereits ergriffenen Maßnahmen zu wirken beginnen. „In den hoch belasteten Städten brauchen wir nach wie vor die Hardware-Nachrüstung von Diesel-Pkw, um die Luft sauber zu bekommen und Fahrverbote zu vermeiden“, sagte sie der dpa. „Hier brauchen wir endlich das zupackende Vorangehen der Autoindustrie.“

In Hamburg wurden schon im vergangenen Jahr Straßenabschnitte für ältere Diesel gesperrt, in Stuttgart sind sie seit dem Jahreswechsel aus dem ganzen Stadtgebiet verbannt. Weitere Städte - darunter Frankfurt, Berlin und Köln - sollen in diesem Jahr folgen. Die Deutsche Umwelthilfe hatte die Einschränkungen vor Gericht erzwungen. Geschäftsführer Jürgen Resch sagte, Überschreitungen der Grenzwerte auch 2018 zeigten dass die bisherigen Maßnahmen nicht reichten.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte, die Zahlen bedeuteten leider keine echte Trendwende. Bedenklich sei auch, dass neue Städte bei Überschreitungen hinzukommen. Linke-Verkehrspolitikerin Ingrid Remmers sagte, die derzeitigen Maßnahmen verringerten die Belastung nur im Schneckentempo. FDP-Experte Oliver Luksic sagte dagegen: „Die Luft war noch nie so sauber.“ Er kritisierte die Messverfahren. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßte die im Mittel leicht gesunkene Stickoxid-Belastung der Luft in Städten als Beleg für die Wirkung der bereits laufenden Maßnahmen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dringt bei der EU weiter auf eine Überprüfung der Grenzwerte. Zur Gewährleistung der Mobilität sei es „dringend erforderlich“, dass sich die Kommission „eine Neubewertung der Grenzwerte prüft“, heißt es in einem Brief Scheuers an EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc. Gut 100 Lungenfachärzte hatten den Sinn der Grenzwerte bezweifelt, dafür aber viel Widerspruch von Fachkollegen bekommen.

Die Bundesregierung versucht, mit Förderprogrammen für Städte und Nachbesserungen älterer Dieselautos die NO2-Belastung zu senken. Zudem sollen Autobesitzer mit Prämien zum Kauf saubererer Wagen bewegt werden. Hardware-Nachrüstungen könnten noch dieses Jahr kommen, Zusagen zur Finanzierung gibt es bisher aber nur von Daimler und VW, nicht von BMW.

Das Umweltbundesamt bekommt die NO2-Daten von den Umweltbehörden der Länder geliefert. Die Bilanz beruht auf Zahlen der Messstationen, die automatisch und stündlich Werte liefern. Im Mai kommen laut UBA die Werte sogenannter Passivsammler dazu, die noch ausgewertet werden. Die Kommunen betreiben auch noch eigene Messstationen, die aber für die EU-Richtlinie zu Luftschadstoffen nicht relevant sind.

Bei Feinstaub (PM10) wurden die Grenzwerte laut UBA 2018 erstmals seit 2005 in keinem Ballungsraum mehr überschritten. An 35 Tagen im Jahr darf die Belastung über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liegen. Nur eine industrienahe Messstation bei Lünen (NRW) maß an 36 Tagen höhere Werte. Für das UBA ist das aber kein Grund zur Entwarnung, da die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Wert von 20 Mikrogramm empfiehlt. Angestiegen ist die Konzentration von Ozon. Im Rekordsommer 2018 wurde laut UBA das Langfristziel zum Schutz der Gesundheit - nämlich höchstens 120 Mikrogramm pro Kubikmeter im Mittel über acht Stunden - an allen 265 Messstationen überschritten.


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