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30.01.2019, 18:24 Uhr KOMMENTAR

Krise bei der Bahn: Lernen von Italien

Ein Kommentar von Melanie Heike Schmidt


Wie kommt die Bahn aus der Krise? Vor allem mithilfe von massiven Investitionen. Woher das Geld kommen soll, darüber beraten Bahnchef Richard Lutz und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in einem Krisentreffen. Foto: Lukas Schulze/dpaWie kommt die Bahn aus der Krise? Vor allem mithilfe von massiven Investitionen. Woher das Geld kommen soll, darüber beraten Bahnchef Richard Lutz und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in einem Krisentreffen. Foto: Lukas Schulze/dpa

Osnabrück. Es war das dritte Spitzentreffen zwischen Bahnchef Richard Lutz und Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), und dieses Mal ging es ans Eingemachte: die Finanzen. Denn die massiven Probleme lassen sich nur mit sehr, sehr viel Geld lösen. Doch woher nehmen? Vom Steuerzahler? Aber ja.

Traurig, aber wahr: Dass die Deutsche Bahn je gewinnbringend wirtschaften wird, ist eine Illusion. Statt ihr hinterherzujagen, benötigt sie eine Gesamtreform – strukturell, finanziell und strategisch. Denn die Misere ist hausgemacht.

Seit der verhängnisvollen Bahnreform folgte ein Fehler dem nächsten. Etwa die Schrumpfkur, die den Konzern fitmachen sollte für den Börsengang, welcher nie kam. Die Folgen bekommen Bahnfahrer bis heute zu spüren: Jeder vierte Fernzug kommt zu spät oder gar nicht, es hakt, es klemmt, außen pfui, innen ebenso. Auch die wirren Strukturen mit skandalös vielen Entscheidungsebenen zeugen vom Missmanagement.

Jetzt ist der Konzern ein Sanierungsfall und nur noch mit Geld zu retten. Mit viel Geld. Doch schon kratzt er an der festgelegten Schuldenobergrenze von 20,7 Milliarden Euro. Auch der Verkauf der Töchter Schenker oder Arriva würde nur kurzzeitig Löcher stopfen. 

 Was also tun? Ein Blick auf unsere bahntechnisch besser aufgestellten Nachbarn weist den Weg: Selbst Italien, nicht gerade für glänzendes Haushalten berühmt, investiert pro Kopf mehr in die Schiene als wir, Schweden fast dreimal, die Schweiz fünfmal so viel. Der Lohn: Steigende Nachfrage und tragfähige Strukturen.

Stellt sich also die Frage: Was ist uns wichtiger, eine funktionierende Bahn oder die schwarze Null?  


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