Nach Anklage gegen Telekom-Riese Huawei Spionage in Deutschland? Telekom nimmt Diskussion "sehr ernst"

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Die Deutsche Telekom hat in tausenden Mobilfunkmasten Huawei-Systeme installiert. Foto: dpa/Oliver BergDie Deutsche Telekom hat in tausenden Mobilfunkmasten Huawei-Systeme installiert. Foto: dpa/Oliver Berg

Bonn. Nachdem das US-Justizministerium unter anderem wegen Industriespionage Anklage gegen Huawei erhoben hat, ist auch hierzulande eine Diskussion um die Sicherheit von Netzelementen chinesischer Hersteller entbrannt. Auch die Deutsche Telekom nimmt das Thema "sehr ernst".

Das US-Justizministerium hat am Montag unter anderem wegen des Vorwurfs der Industriespionage Anklage gegen den chinesischen Telekom-Riesen Huawei und mehrere seiner Tochterfirmen erhoben. Huawei-Systeme sind auch in tausenden Mobilfunkmasten der Deutschen Telekom installiert. Dort nimmt man "die globale Diskussion über die Sicherheit von Netzelementen chinesischer Hersteller sehr ernst", wie Christian Fischer, Sprecher Deutsche Telekom, auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte. 

Hintergrund: USA erheben Anklage gegen chinesischen Telekom-Giganten Huawei

Huawei-Verbot könnte Milliarden kosten

Besonders vor dem Hintergrund einer Einführung der neuen 5G-Technologie in Deutschland birgt diese Diskussion Brisanz: Deutschland sowie ganz Europa könnten im Rennen um die Installation der nächsten Generation von Mobilfunknetzen hinter den USA und China zurückfallen, wenn die Bundesregierungen den chinesischen Ausrüster Huawei wegen Sicherheitsbedenken verbietet, berichtet die "Welt" unter Berufung auf eine interne Analyse der Deutsche Telekom AG.

Dieser Analyse folgend, basiert der Aufbau des 5G-Netzes auf der bestehenden 4G-Infrastruktur, die wiederum stark von Huawei-Ausrüstung abhängig ist. Wenn Huawei gänzlich verboten würde und Unternehmen gezwungen wären, ihre gesamte Infrastruktur entsprechend umzustellen, könnte dies die Branche viele Milliarden Euro kosten und die Einführung der 5G-Netze um Jahre verzögern. 

Möglicherweise braucht es das Verbot seitens der Regierung aber gar nicht, um Huawei auszugrenzen. Denn obwohl der Telekom-Sprecher darauf verweist, dass man bereits heute neben Huawei auf verschiedene Hersteller wie Ericsson, Nokia oder Cisco setze, erklärte Fischer aufgrund der aktuellen Ereignisse um Huawei: "Wir bewerten derzeit unsere Beschaffungsstrategie neu."

5G-Netz als Grundpfeiler

Korbinian Wagner, Sprecher des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, versicherte auf Nachfrage: "Die Sicherheit der von verschiedenen Telekommunikationsausrüstern angebotenen Produkte und damit Sicherheit des künftigen 5G-Netzes sind von hoher Relevanz für die Bundesregierung." Zudem seien die zuständigen Behörden gesetzlich verpflichtet, laufend Sicherheitsanforderungen für das Beitreiben von Telekommunikations- und Datenverarbeitungssystemen zu definieren – auch bei Einführung der neuen 5G-Technologie. 

Wie wichtig die zukünftige 5G-Infrastruktur für Deutschland ist, macht auch Björn Grünewälder, Sprecher Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI), gegenüber unserer Redaktion deutlich: "Die 5G Netze werden mithin als einer der Grundpfeiler der vernetzten Wirtschaft und Gesellschaft anzusehen sein und sind damit in Gänze als Infrastruktur von außerordentlicher Bedeutung auch für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland."

Änderung des Telekommunikationsgesetz?

Eine Abschottung oder Ausgrenzung des chinesischen Anbieters Huawei sei nach Auffassung des BMI kein "adäquater Schutzmechanismus". Vielmehr müsse der Einsatz kritischer Komponenten sehr sorgfältig evaluiert und bewertet werden. Entsprechend seien die Anforderungen an die Sicherheit und Vertraulichkeit der 5G-Netze sowie die zu Grunde liegende Technologie zu bewerten. Vorwürfe Dritter, wie sie aktuell von den USA formuliert werden, seien hier nicht ausschlaggebend, erklärt Grünewälder. 

Nichtsdestotrotz wolle man aber, um die Sicherheit und Vertraulichkeit der zukünftig eingesetzten Netzinfrastruktur in der Breite gewährleisten zu können, Technologien und Produkte sorgfältig überprüfen. Gegebenenfalls müsse man anschließend die bestehenden Sicherheitsanforderungen des Telekommunikationsgesetzes an die neuen Einsatzszenarien und daraus resultierenden Gefahrenpotentiale der 5G Netze anpassen. Über konkrete Maßnahmen sei man sich innerhalb der Bundesregierung jedoch noch nicht einig. 



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