Standort Osnabrück nicht betroffen KME verkauft Messingstangen- und Rohrgeschäft nach China

Meine Nachrichten

Um das Thema Wirtschaft Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

KME verkauft Teile seines Geschäfts nach China. Foto: Michael GründelKME verkauft Teile seines Geschäfts nach China. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Das Osnabrücker Industrieunternehmen KME verkauft sein Messingstangen- und Rohrgeschäft nach China. Die Hailiang Gruppe aus Zhejiang übernimmt für rund 120 Millionen Euro Konzerngesellschaften in Berlin, Menden, Italien und Spanien. KME-Chef Ulrich Becker sprach am Dienstag von einer Stärkung des Standorts Osnabrück.

Paukenschlag beim Osnabrücker Kupferverarbeiter KME: Die chinesische Hailiang-Gruppe übernimmt das Messing- und Rohrgeschäft von KME für einen Kaufpreis von 119 Millionen Euro zuzüglich Umlaufvermögen und Erstattung der konzerninternen Schulden. Sorgen vor weiteren Jobverlusten am Stammsitz in Osnabrück wies Vorstandschef Ulrich Becker gestern im Gespräch mit unserer Redaktion zurück. Der Stammsitz werde durch den Verkauf vielmehr gestärkt.

Betroffen von dem Eigentümerwechsel sind nach KME-Angaben Tochtergesellschaften mit Fertigungsstandorten in Berlin (Messingprodukte) und Menden (Kupferrohre) sowie weitere Konzernteile in Spanien und Italien. Auch für das Messingstangengeschäft in Frankreich habe Hailiang ein Angebot abgegeben. In den genannten Bereichen arbeiten laut KME rund 1100 Mitarbeiter, die 2017 einen Umsatz von 540 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von rund 15 Millionen Euro erzielten. Noch innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres soll der Verkauf abgeschlossen sein.

"Konzentration auf höherwertige Produkte"

„Die Produktion am Standort Osnabrück bedient ein ganz anderes Geschäftsfeld als das, was wir verkauft haben“, sagte Vorstandschef Becker und unterstrich: „Damit erfolgt eine Konzentration auf höherwertige Produkte.“ Im Fokus sollen künftig Walzerzeugnisse und Spezialprodukte aus Kupfer und Kupferlegierungen stehen. Becker wies zugleich darauf hin, dass der zur italienischen Intek-Gruppe gehörende KME-Konzern in Osnabrück zuletzt rund 20 Millionen Euro in den Bereich legierte Werkstoffe investiert habe.

Auch die Arbeitnehmerseite äußerte sich am Dienstag zustimmend zu dem Deal. Direkt betroffen sei in Osnabrück lediglich eine Vertriebseinheit mit 22 Mitarbeitern, sagte Betriebsratschef André Lücke im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die haben bald einen neuen Arbeitgeber.“ Derzeit beschäftige KME in Osnabrück ungefähr 1700 Mitarbeiter. Der Kupferverarbeiter hat schwierige Jahre mit mehreren Kürzungsrunden hinter sich, mehrere Hundert Stellen wurden in Osnabrück gestrichen.

Erstmals wieder kleiner Gewinn

Inzwischen deutet sich jedoch eine Erholung an. Wie aus dem jüngsten Finanzbericht der italienischen Eigner hervorgeht, konnte KME im Geschäftsjahr 2017 seinen Umsatz spürbar steigern und nach den verlustreichen Vorjahren erstmals wieder einen kleinen Gewinn von 400 000 Euro ausweisen.

Parallel zum Verkauf des Messingstangen- und Rohrgeschäfts nach China treibt KME den Erwerb des Konkurrenten MKM aus Sachsen-Anhalt voran. Die EU-Kommission hatte die im Juni vergangenen Jahres angekündigte Übernahme des Hettstedter Kupfer- und Messingspezialisten erst im Dezember ohne Auflagen freigegeben. Die Entscheidung aus Brüssel kam überraschend, hatte doch die Kommission zunächst Bedenken angemeldet, dass der Wettbewerb unter der Übernahme leiden könnte.

Folgen der MKM-Übernahme noch unbekannt

Noch im ersten Quartal will KME das Geschäft abschließen, der Kaufpreis blieb geheim. Zu möglichen Jobverlusten in Osnabrück durch Synergieeffekte im Zuge der Übernahme wollte Becker sich nicht äußern. Auch Betriebsratschef Lücke bat um Geduld. Es werde noch mindestens vier Wochen dauern, ehe Näheres bekannt werde.

Die Trennung vom Messing- und Rohrgeschäft und die Übernahme von MKM sind nach Beckers Angaben Teil einer strategischen Neuausrichtung des Unternehmens. An der Größe des Unternehmens ändert sich ihm zufolge nichts, denn MKM werde etwa so viele Mitarbeiter einbringen, wie nun zu Hailiang wechselten.

Die Hailiang Gruppe aus Zhejiang ist einer der führenden chinesischen Anbieter von Kupferrohren und Messingstangen und bereits in Asien und den USA aktiv. Bisher unterhält das Unternehmen allerdings keine Produktionsstandorte in Europa. Vor diesem Hintergrund zeigte sich Lücke auch optimistisch, dass es auch an den betroffenen Standorten nicht zu einem Stellenabbau kommen werde.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN