Blanker Hohn für den Klimaschutz? So viele Privatjets wie noch nie beim Weltwirtschaftsforum

Von Maximilian Matthies

Luxuriöser Innenraum eines Privatjets. Foto: imago/Mandoga Media/SymbolbildLuxuriöser Innenraum eines Privatjets. Foto: imago/Mandoga Media/Symbolbild

Davos. Eine junge Klimaaktivistin aus Schweden reist zum Weltwirtschaftsforum in Davos 65 Stunden lang mit dem Zug an, Wirtschaftsvertreter setzen sich lieber in den Privatjet – und diese werden immer größer und teurer.

Ein wichtiges Thema beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos ist der Klimaschutz – trotzdem gibt es einen Rekord an Privatjets, die in dieser Woche im Schweizer Skigebiet landen und wieder starten.

Laut einem Bericht der britischen Tageszeitung "The Guardian" könnten in dieser Woche bis zu 1500 Privatjets auf den Flugplätzen rund um Davos landen. Angaben des "Air Charter Service" (ACS), einem Anbieter von Privatflügen, zufolge stieg die Anzahl der Privatflüge bereits im vergangenen Jahr um elf Prozent. 1300 Flugbewegungen wurden demnach während des Weltwirtschaftsforums verzeichnet – die höchste Zahl seit der Aufnahme von Privatflugzeugaktivitäten durch ACS im Jahr 2013. Die Kunden entschieden sich auch für immer größere und teuere Flugzeuge. 

Zu den Ländern mit den meisten Ankünften und Abflügen in den letzten fünf Jahren zählten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland und die Vereinigten Arabischen Emirate. 

Von Seiten des Weltwirtschaftsforums wird in einer Stellungnahme gegenüber dem "Guardian" auf "Anreize für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel" hingewiesen, die den Teilnehmern in den vergangenen Jahren geboten worden sein.

Bemühungen für Klimaschutz wie blanker Hohn

Wie blanker Hohn erscheinen die vielen Privatflüge angesichts der Bemühungen um mehr Klimaschutz in Davos. Der britische Naturfilmer Sir David Attenborough etwa forderte die Teilnehmer zum Einsatz gegen den Klimawandel auf. Der Temperaturanstieg müsse gestoppt, und die Meere müssten gereinigt werden, sagte er am Montagabend. "Wir tun den Ozeanen sehr schlimme Dinge an." Am Dienstag betonte Attenborough in einem öffentlichen Gespräch mit dem britischen Prinzen William: "Wir haben die Macht, wir haben das Wissen, um in Harmonie mit der Natur zu leben."

Nicht zuletzt der globale Risikobericht des Weltwirtschaftsforums, der vor dem Treffen dieser Woche veröffentlicht wurde, identifizierte drängende Umweltprobleme. Ganz oben auf der Liste der Gefahren, denen auch die Weltwirtschaft ausgesetzt ist, steht das Versäumnis, den Klimawandel abzumildern.

Junge Klimaaktivistin reist 65 Stunden per Zug an

Ein Beispiel nehmen könnten sich die Privatflieger an der jungen schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie hat den langen Weg nach Davos mit der Bahn zurückgelegt. Schon am frühen Dienstagmorgen trat die 16-Jährige in Schweden ihre erste Etappe auf der Reise an – "Morgenzug zum Weltwirtschaftsforum in Davos", schrieb sie dazu auf Twitter. Fahrtdauer hin und zurück: etwa 65 Stunden. Im Gepäck: ein Rucksack, ein kleiner roter Koffer und ein Demonstrationsschild mit der Aufschrift "Skolstrejk for klimatet" (Schulstreik fürs Klima).

Die Schülerin kündigte an, von Mittwoch bis Freitag bei der Konferenz dabei zu sein. Weil Flugreisen viel CO2 ausstoßen und damit klimaschädlich sind, entschied sie sich für die Anreise per Zug. Sie habe bereits erreicht, dass ihre Eltern vor einigen Jahren mit dem Fliegen aufgehört hätten, sagte sie vorab in einem Interview der schwedisch-norwegischen Sendung "Skavlan". Man könne die Zeit in der Bahn gut nutzen, um allerlei Dinge zu tun – zum Beispiel eine Rede zu schreiben. Der Zeitung "Aftonbladet" sagte sie im Zug, es erscheine so, als hätten ihre Kritiker im Internet mehr Angst vor ihr als vor der Klimakrise. 

Thunberg setzt sich an vorderster Front für ein stärkeres Klimabewusstsein ein. Sie fordert, dass mehr gehandelt und weniger bloß über den Klimawandel geredet wird. Im Rahmen ihrer Protestaktion "Schulstreik fürs Klima" demonstriert sie jeden Freitag vor dem Reichstag in Stockholm. Die Aktion fand bereits Nachahmer in aller Welt. Auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz hatte sie im Dezember gesagt: "Wir müssen verstehen, was für ein Chaos die älteren Generationen angerichtet haben, das wir nun aufräumen und mit dem wir leben müssen."

Mit Material der dpa


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