Preiswert fliegen liegt im Trend Umweltministerin Schulze plädiert für Flugverzicht

Melanie Heike Schmidt und Tobias Schmidt

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Easyjet, Ryanair, Germania: Vor allem für Städtereisende bieten Billigflieger günstige Angebote. Die Branche boomt, doch zugleich wächst die Kritik an der vielen Fliegerei. Unsere Serie "Billigflieger – Fluch und Segen" widmet sich dem ambivalenten Thema. Foto: Patrick Pleul/dpaEasyjet, Ryanair, Germania: Vor allem für Städtereisende bieten Billigflieger günstige Angebote. Die Branche boomt, doch zugleich wächst die Kritik an der vielen Fliegerei. Unsere Serie "Billigflieger – Fluch und Segen" widmet sich dem ambivalenten Thema. Foto: Patrick Pleul/dpa

Osnabrück/Berlin. Preiswert fliegen liegt im Trend: Von den knapp 240 Millionen Fluggästen in Deutschland nutzten 2017 bereits 80 Millionen Menschen einen Billigflieger. Experten erwarten, dass die Zahlen weiter steigen. Zugleich wird Kritik laut, denn die Vielfliegerei belastet die Umwelt. Unsere Wochenserie "Billigflieger – Fluch und Segen" beleuchtet das ambivalente Thema, das auch Umweltministerin Svenja Schulze umtreibt.

Billigfliegen ist in. Jeder dritte Fluggast saß 2017 in einem Low-Cost-Carrier (LCC). Doch zugleich wächst die Kritik. Laut einer repräsentativen Umfrage des Instituts YouGov können sich fast die Hälfte der Deutschen (47 Prozent) vorstellen, aus Umweltschutzgründen auf eine Flugreise zu verzichten, rund jeder Fünfte (19 Prozent) gab an, dies bereits getan zu haben. Für 40 Euro nach Mallorca und zurück? Da meldet sich bei vielen das schlechte Gewissen.

Für Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) steht grundsätzlich die Vermeidung von Inlandsflügen im Vordergrund. Die Ministerin erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion: „Wann immer möglich, ist der Verzicht auf Flüge die richtige Wahl für das Klima." Hierbei könne Kommunikationstechnik helfen: "Viele Flüge lassen sich zum Beispiel durch den Einsatz von Videokonferenzen vermeiden", so Schulze. Sollten sich Reisen nicht vermeiden lassen, sei "die Kompensation der entstandenen CO2-Emissionen sinnvoll", betonte die Umweltministerin.

Projekte in Entwicklungsländern werden gefördert

Dies ist möglich über Organisationen wie atmosfair, deren Einnahmen durch Spenden für Klimaschutzprojekte im Jahr 2017 erstmals die 6,5 Millionen Euro-Marke überschritten haben. Zum Vergleich: 2005 waren es gerade mal 166.000 Euro. Auch die Bundesregierung gleicht die Klimagas-Emissionen ihrer Dienstreisen „vollständig“ aus, in dem sie Projekte in Entwicklungsländern fördert, erklärt das Umweltbundesamt.

Auch aus Sicht der Verbraucher sind die günstigen Angebote von Easyjet, Ryanair und Co. ein zweischneidiges Schwert. „Billigflieger sind Fluch und Segen zugleich. Sie arbeiten wirtschaftlich höchst effektiv und tragen zu fairen Ticketpreisen bei. So können Menschen mit kleinem Geldbeutel mehr von der Welt sehen", erklärte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, gegenüber unserer Redaktion. Auf der anderen Seite steige damit aber "auch die Belastung für unsere Umwelt". Müller betonte, dass auch bei Schnäppchen-Tickets die Konditionen stimmen müssten. "Egal, wie viel Geld Reisende für ein Flugticket bezahlt haben: Flieger müssen zuverlässig sein, pünktlich am Zielort eintreffen und Airlines müssen Fluggastrechte strikt befolgen. Das muss selbstverständlich auch im Preis eines Billigtickets einkalkuliert sein.“

Harter Preiskampf

Der Markt verändert sich. Nicht alle Fluglinien überleben den harten Preiskampf, wie das Aus des Billigfliegers Air Berlin im August 2017 gezeigt hat. Alexander Graf Lambsdorff, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der FDP im Bundestag, verweist auf Strukturprobleme: "Als Abgeordneter und Vielflieger weiß ich, dass es bei den Fluggesellschaften hörbar knirscht. Verspätungen und Flugausfälle sind nicht nur Einzelfälle bei schlechtem Wetter oder medizinischen Notfällen, sondern Folge massiver Strukturprobleme", so Lambsdorff gegenüber unserer Redaktion. "Im Sinne der Passagiere" müsse der Staat "Bedingungen schaffen, die das derzeitige Flugchaos verringern", forderte der FDP-Politiker. Eine ausreichende Anzahl an Reserveflugzeugen bereitzuhalten, realistische Flugzeiten zu kalkulieren und ausreichend Personal einzusetzen ist nicht zu viel verlangt", betonte Lambsdorff. Staatliche Eingriffe in die Preisbildung, wie sie immer wieder gefordert werden, lehnte der Liberale hingegen ab: "Das ist allein Aufgabe der Unternehmen.“


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