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Unsicherheit bleibt Regionale Wirtschaft hofft weiter auf Brexit-Einigung

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Regionale Unternehmen bleiben optimistisch, dass es eine Brexit-Einigung geben wird. Ein hart Austritt Großbritanniens aus der EU hätte große Folgen. Foto: Wolfgang Kumm/dpaRegionale Unternehmen bleiben optimistisch, dass es eine Brexit-Einigung geben wird. Ein hart Austritt Großbritanniens aus der EU hätte große Folgen. Foto: Wolfgang Kumm/dpa 

Osnabrück. Der Countdown läuft: In knapp 70 Tagen soll Großbritannien die Europäische Union (EU) verlassen. Bislang ist das Land für niedersächsische Unternehmen ein verlässlicher Handelspartner gewesen. Und jetzt?

Seit fünf Jahren liegt Großbritannien auf Platz 3 der wichtigsten Exportmärkte für niedersächsische Unternehmen — trotz Rückgängen im Exportumsatz um fast eine Milliarde Euro seit dem Brexit.Referendum. Die Bedeutung der USA und China als Handelspartner bleibt dennoch hinter Großbritannien zurück.

Obwohl der Brexit-Deal im Unterhaus mit großer Mehrheit abgelehnt wurde, sind Unternehmer in der Region optimistisch, dass es noch eine Einigung geben wird. Immerhin mehr als 400 von ihnen allein im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim sind wirtschaftlich mit Großbritannien verbunden. „Obwohl die Abstimmung im Parlament erwartungsgemäß negativ für Frau May ausfiel, gehe ich noch von einem geordneten Brexit aus — allerdings zu einem späteren Zeitpunkt“, sagt unter anderem Jörn Greve, Geschäftsführer des Meller Herstellers von Glas- und Faltwänden Solarlux. Auch Andreas Plöger, Geschäftsführer der Wietmarscher Ambulanz- und Sonderfahrzeug GmbH (WAS), bleibt positiv gestimmt. „Wir geben die Hoffnung auf eine pragmatische, für alle Parteien sinnvolle Lösung nicht auf.“ Er plädiert allerdings auch für eine weniger emotionsgeladene Debatte. 

Video: Nach Brexit-Debakel: Fünf Optionen, die noch bleiben


Hellmann: Zollabwicklungen so oder so komplexer

Jens Lebelt, Leiter Vertrieb International von Assmann Büromöbel spricht im Gespräch mit unserer Redaktion die nach wie vor bestehende Unsicherheit an. „Da UK aktuell unser größter und wichtigster Auslandsmarkt ist, wünschen wir uns kurzfristig Klarheit zu den angestrebten Zielen der UK-Regierung und eine klare und geregelte Situation.“

Dennoch: So oder so werde die Zollabwicklung an den Grenzen zu UK ab April komplexer, ist Jochen Freese, COO des Osnabrücker Logistikdienstleisters Hellmann Worldwide Logistics überzeugt. „Das heißt, wir müssen in jedem Fall mit erheblichen Verzögerungen in den Fährhäfen und auch am Eurotunnel rechnen.“ Auswirkung hat das auch auf die Kunden, die Hellmann weltweit beliefert. Damit diese nachverfolgen können, wo sich ihre Sendungen aktuell befinden, werden ab März alle Sendungen nach UK verstärkt mit Tracking-Boxen ausgestattet, so Freese. Damit der Kunde seine logistischen Prozesse an etwaige Zeitabweichung anpassen kann.

Trotz Optimismus: Auswirkungen eines Brexits wären massiv

Als Geschäftsführer eines Fahrzeugherstellers rechnet Andreas Plöger vor, vor welchen Herausfroderungen sein mittelständisches Unternehmen beim Brexit steht: „Wenn alles nach WTO-Regeln abgewickelt wird, kommen 10 Prozent Zoll und ein unberechenbarer Wechselkurs. Wenn das alles eintritt, wird es sehr schwer bis unmöglich für uns, noch wettbewerbsfähig am Markt zu agieren.“

Sowohl der Zoll als auch der Wechselkurs sind für Henrik Borgmeyer, Geschäftsführer von Bioconstruct, ebenfalls ein großes Thema. Sie könnten das UK-Geschäft massiv zusammenbrechen lassen wird. „Wir haben im letzten Jahr 50 Prozent unseres Umsatzes, mithin 32 Millionen Euro, in England erzielt und in den kommenden Jahren ohne harten Brexit eine ähnliche Quote angepeilt.“ Ob der Markt mittelfristig interessant bleibt, hängt für Borgmeyer maßgeblich von der künftigen Wirtschaftskraft auf der Insel und der Stärke des Pfundes ab.

Großbritannien als Markt weiter interessant?

Solarlux-Geschäftsführer Greve geht davon aus, dass der Markt Großbritannien interessant bleiben wird. „Allerdings kennen wir alle nicht die genauen Auswirkungen auf den Wechselkurs und die logistischen Veränderungen eines ungeordneten Brexits.

Auch Jens Lebelt von Assmann glaubt weiterhin an das Potenzial in Großbritannien. Das Unternehmen ist seit vergangenem Herbst am britischen Möbelkomponentenhersteller FREM beteiligt. Aktuell hat der bevorstehende Brexit noch keine Auswirkungen auf das UK-Geschäft. „Da der britische Möbelmarkt — auch aufgrund seines Wachstums — für uns sehr wichtig ist, haben wir natürlich größtes Interesse, dass es keine größeren konjunkturellen Verwerfungen geben wird.“

IHK setzt auf setzt auf langfristige Abkommen

Auch für die IHK bleibt der Brexit ein großes Thema. Sie werde sich in Brüssel und Berlin weiter dafür einsetzen, die negativen Folgen so gut wie möglich abzufedern, so Marco Graf, Hauptgeschäftsführer der IHK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. „Ein ungeregelter Brexit ist unberechenbar und hätte umfassende Folgen für die betroffenen Unternehmen, wie die Einführung von Zöllen sowie dann notwendige Zollanmeldungen.“ Graf appelliert auch an die Politik, entsprechende Notfallmaßnahmen — sollte es zu einem ungeregelten Brexit kommen — möglichst rasch durch langfristige Abkommen zwischen der EU und Großbritannien zu ersetzen.

Sein Kollege der IHK Ostfriesland und Papenburg, Torsten Slink, geht nicht davon aus, dass es in Großbritannien ein neues Referendum geben wird. Das heißt für ihn: „Wenn die EU einen harten Brexit vermeiden möchte, dann ist es jetzt notwendig, erneut auf Großbritannien zuzugehen.“ BioConstruct-Geschäftsführer Henrik Borgmeyer hofft hingegen weiterhin auf ein zweites Referendum, in dem gegen den Brexit gestimmt wird. Auch bei Assmann sieht Jens Lebelt die Möglichkeit für eine zweite Abstimmung gegeben.


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