Haltungsform auf der Verpackung Handel startet einheitliche Fleisch-Kennzeichnung

Fleisch beim Discounter Penny. Foto: Marius Becker/dpaFleisch beim Discounter Penny. Foto: Marius Becker/dpa

Osnabrück. Die großen deutschen Supermarktketten starten im April mit einer gemeinsamen Haltungskennzeichnung auf Fleischverpackungen. Sie soll Verbrauchern zeigen, wie das Tier gelebt hat. Das teilten die Unternehmen am Freitag mit.

Der geplante Aufdruck soll vier Stufen umfassen und demnächst auf Rind-, Schwein- und Geflügelfleischverpackungen zu sehen sein. Die erste Stufe „Stallhaltung“ soll den gesetzlichen Mindeststandard signalisieren. Je anspruchsvoller die Haltungsbedingungen, desto höher die Kennzeichnungsstufe. In der vierten Stufe „Premium“ soll laut Mitteilung Biofleisch eingeordnet werden. Die Tiere müssen beispielsweise zwingend Auslaufmöglichkeiten haben.

Alle großen Ketten beteiligt

Laut Mitteilung stehen Aldi Nord und Süd, Edeka, Kaufland, Lidl, Netto, Penny und Rewe hinter der Kennzeichnung. Die Unternehmen sind Teil der sogenannten Initiative Tierwohl und zahlen bereits in einen Fonds ein. Aus dem erhalten Landwirte Geld für bessere Haltungsbedingungen in ihrem Stall. (Weiterlesen: Tierwohl: Bald einheitliche Kennzeichnung auf Fleischverpackungen?)

Das System, so heißt es, sei „grundsätzlich vereinbar“ mit dem geplanten staatlichen Tierwohllabel. Die Bundesregierung arbeitet mittlerweile seit Jahren an einer entsprechenden freiwilligen Kennzeichnung. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) stellte Branchenvertretern kürzlich Eckdaten vor, die jetzt finalisiert werden sollen.

Staatslabel wird integriert

Das dreistufige Staatslabel soll bis 2020/2021 in die Supermärkte kommen. Klöckner sprach von einer „ambitionierten Einstiegsstufe“. Nach Informationen unserer Redaktion sollen schlachtreife Schweine mindestens 13 Prozent mehr Platz haben, als es der gesetzliche Standard fordert. (Weiterlesen: Tierwohl-Kennzeichnung: Wie viel Platz braucht das Schwein?)

Demnach könnte Klöckners Label in die zweite Stufe der privatwirtschaftlichen Haltungskennzeichnung eingeordnet werden. 

Grafik: Initiative Tierwohl
Diese fordert laut Mitteilung nämlich mindestens zehn Prozent mehr Platz und Beschäftigungsmaterial für die Tiere. (Weiterlesen: Tierwohl-Kennzeichnung: Wie viel Platz braucht das Schwein?)

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, begrüßte das einheitliche Vorgehen des Handels. Er schränkte aber ein: „Wenn der Handel es wirklich ernst meint, dann braucht es jetzt auch ein Ende der Billigpreisbewerbung.“ 

Schröder wies zudem daraufhin, dass mit der reinen Kennzeichnung keine Verbesserung der Haltungsbedingungen von Tieren verbunden ist. Meinte es der Handel ernst mit dem Tierwohl, müsste er Fleisch der ersten Stufe komplett auslisten. „Denn der gesetzliche Standard ist aus Tierschutzsicht ungenügend.“


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