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Immobilienbranche besonders gefährdet Wie Unternehmen Geldwäsche und dubiose Geschäftspartner aufspüren sollen

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Für Geldwäscher und ihre freiwilligen oder unfreiwilligen Helfer besteht derzeit nur ein geringes Entdeckungsrisiko. Grafik: NOZFür Geldwäscher und ihre freiwilligen oder unfreiwilligen Helfer besteht derzeit nur ein geringes Entdeckungsrisiko. Grafik: NOZ

Osnabrück. Unternehmen sollen zweifelhafte Geschäftspartner aufspüren. Doch die wenigsten besitzen einen Geldwäschespezialisten, und vielen fehlt die Erfahrung, um dubiose Zahlungen zu erkennen. Besonders bei Händlern und Maklern vermuten Experten aber auch ein zu geringes Problembewusstsein. Da sie zu wenig kontrolliert werden, können hierzulande jährlich Milliarden Euro an Schwarzgeld gewaschen werden.

Ein bis zwei Stunden pro Woche kümmert sich Hans Müller (Name von der Redaktion geändert) darum, dass die Krone-Gruppe mit Sitz im emsländischen Spelle nicht für Geldwäsche missbraucht wird, also für das Einschleusen krimineller Gelder in den legalen Wirtschaftskreislauf. Denn bei großen Landmaschinen, wie sie von dem Mittelständler verkauft werden, sehen Experten und Zollfahnder wie auch bei Autos, Schmuck, Immobilien oder Kunst ein hohes Risiko für Geldwäsche.

Der Landmaschinenhändler Krone beschäftigt einen Mitarbeiter als Geldwäschebeauftragten, der dubiose Kunden identifizieren soll. Foto: Krone

Müller arbeitet hauptberuflich für die Treasury-Abteilung des Unternehmens, die Einblick in die Finanzströme des Krone-Konzerns hat. Den echten Namen des Mitarbeiters will der Landmaschinenhändler nicht in der Zeitung lesen, da es immer wieder gezielte Hackerangriffe auf das IT-System der Firma gebe. Seit Sommer 2017 hat Müller zusätzlich die Rolle des Geldwäschebeauftragten inne. Als dieser nimmt er eine Risikoanalyse vor, prüft, ob die Pflichten gemäß des Geldwäschegesetzes bei den verschiedenen Zweigstellen und im Mutterunternehmen eingehalten werden, ob Überweisungen dokumentiert werden oder ob mit hohen Bargeldsummen bezahlt wird. Das ist bei Krone untersagt, da es das Geldwäscherisiko erhöht. Sollten Müller dubiose Zahlungen oder Personen auffallen, müsste er bei den Behörden eine Verdachtsmeldung abgeben. Krone ist einer von wenigen Händlern, die einen solchen Spezialisten haben. Auf mehr als 11.000 Güterhändler kommen in Niedersachsen nur 340 Geldwäschebeauftragte. Deutschlandweit sind sie ebenfalls rar. 

Experte: geringes Problembewusstsein bei Maklern und Co.

Einen Geldwäschebeauftragten sieht das Gesetz nur für Finanzdienstleister, Spielbanken und Veranstalter von Glücksspielen im Internet verbindlich vor. Bei Autoverkäufern, Maklern, Güterhändlern können die Aufsichtsbehörden selbst Regeln zur Bestellung eines Geldwäschespezialisten anordnen. „Hiervon sollte bundesweit und möglichst bundeseinheitlich Gebrauch gemacht werden“, sagt Geldwäscheexperte Kai Bussmann. Er hält solche Beauftragten für ein „effizientes Instrument zur Sicherung der Sorgfaltspflichten“ in diesen Branchen, denen er ein chronisch geringes Problembewusstsein beim Thema Geldwäsche bescheinigt. Unternehmen, die einen Beauftragten besitzen, würden häufiger die Identität eines Geschäftspartners prüfen und den Geschäftszweck ermitteln, so Bussmann ,Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Halle-Wittenberg. Auch die Bereitschaft, Hinweise zu verdächtigen Käufen an die Behörden weiterzuleiten, sei größer.

(Weiterlesen: Zehntausende Geldwäschemeldungen beim Zoll auf Halde)

Kunden identifizieren

Unabhängig von der Bargeldschwelle von 10 000 Euro sind Händler von Immobilien, Autos und anderen Luxusobjekten eigentlich immer dann verpflichtet, ihre Kunden zu identifizieren und eine Geldwäscheverdachtsmeldung abzugeben, wenn sie meinen, dass ihr Kunde mit dem Kauf oder Verkauf Geldwäsche betreiben möchte. Bei Maklern und Autohändlern reicht also schon völlig aus, wenn ihnen das Bauchgefühl sagt, dass bei einem Geschäft etwas schräg läuft.

Hohe Bargeldzahlungen sind verdächtig, ebenso wie der Kapitalnachweis einer Bank aus einem Steuerparadies wie Panama oder den Seychellen. Aber auch ausländische Kunden oder ein Angebot, einen ungewöhnlich hohen Preis zu zahlen. Foto: Patrick Pleul/dpa

Hohe Bargeldzahlungen sind verdächtig, ebenso wie der Kapitalnachweis einer Bank aus einem Steuerparadies wie Panama oder den Seychellen. Aber auch ausländische Kunden oder ein Angebot, einen ungewöhnlich hohen Preis zu zahlen. Auch wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse des Käufers nicht zum Wert des erworbenen Hauses oder Autos zu passen scheinen, ist eine Meldung an die Behörden geboten. Doch aus dem Bereich der Makler und Händler kommen auffällig wenige Hinweise. Für Edda Müller, die Vorsitzende von Transparency International, sind deshalb vor allem Makler ein Teil des Problems, denn sie würden die Geldwäschebekämpfung erschweren. Auch Bussmann sagt: "Viele Makler und Güterhändler wollen sich nicht das Geschäft vermiesen und gucken bei ihren Kunden nicht so genau hin."

Von den 59.845 Geldwäschehinweisen kamen im vergangen Jahr nur 21 Hinweise von Immobilienmaklern. Grafik: Zoll

Laut Strafrechtler Kai Bussmann werden jährlich über 50 Milliarden Euro Schwarzgeld hierzulande angelegt. Die Immobilienbranche sei besonders gefährdet, so Bussmann in einer Studie für die Bundesregierung. Allein in Immobilien investierten Kriminelle jedes Jahr 20 Milliarden Euro. Die zentrale Geldwäschebekämpfungsstelle FIU („Financial Intelligence Unit“), die beim Zoll angesiedelt ist, erhielt im vergangenen Jahr 398 Hinweise aus den Branchen der Makler, Güterhändler, Notare. 

Die Dunkelfeldstudie von Bussmann geht aber von 15.000 bis 28.000 Verdachtsfällen jährlich aus. Lediglich 21 Hinweise gaben Immobilienmakler ab. Die betroffenen Branchen kommen ihrer Meldepflicht also nur begrenzt nach. Für Geldwäscher und ihre freiwilligen oder unfreiwilligen Helfer besteht derzeit nur ein geringes Entdeckungsrisiko, so Experte Bussmann. Nach seiner Befragung von 2014 ist lediglich jeder zehnte Immobilienmakler, Güterhändler, Versicherungsvermittler und Notar jemals überprüft worden. Der Grund: Personalmangel bei den Behörden. Für die Geldwäscheprävention gibt es in Berlin und Hamburg nur je zwei Vollzeitstellen, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 2,5, in Schleswig-Holstein drei, in Niedersachsen acht – und das bei 11.500 zu überprüfenden Güterhändlern und 1000 Maklern.

(Weiterlesen: Milliarden-Geldwäsche im deutschen Immobiliensektor)

Um das Problembewusstsein von Maklern und Händlern zu erhöhen, bedürfe es besserer Aufklärung durch Unternehmensverbände, so Experte Bussmann. Die Verbände nehmen ihre Mitglieder dagegen in Schutz und begründen die geringen Hinweise aus diesen Branchen mit fehlender Praxistauglichkeit. Die kriminellen Sachverhalte seien schwer erkennbar, heißt es vom Bundesverband der Immobilienmakler (IVD). Der Bundesverband freier Kfz-Händler schreibt: „Oftmals waren sich Vertreter einer Aufsichtsbehörde selbst nicht sicher, wann die Schwelle zum Aufkeimen eines Verdachts überschritten sei und eine Meldepflicht ausgelöst werde. In diesen Fällen hielten wir es für bedenklich, wenn potenzielle Geschäfte sämtlicher Händler aufgrund von Verdachtsmeldungen zu scheitern drohten, die sich regelmäßig als unbegründet erweisen.“ 

"Die kriminellen Sachverhalte sind schwer erkennbar." Bundesverband der Immobilienmakler (IVD)

Engel und Völkers in Hamburg, nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich Wohnimmobilien, sieht den Bedarf eines Geldwäschebeauftragten derzeit nicht, auch Verdachtsmeldungen wurden von dem Maklerunternehmen noch keine abgegeben. „Aus unserer Erfahrung ist das Geldwäscherisiko in der Immobilienbranche im Premium-Segment kein großes Thema“, sagt Kai Enders, Vorstand von Engel & Völkers. „Dennoch informieren wir unsere Lizenzpartner intensiv über die gesetzlich vorgeschriebenen Präventionsmaßnahmen und führen Schulungen durch, damit sie Anzeichen der Geldwäsche frühzeitig erkennen.“ 

Allein in Immobilien investierten Kriminelle jedes Jahr 20 Milliarden Euro. Doch die Branche wird kaum kontrolliert. Foto: dpa

Die Makler müssen ihren Kunden identifizieren bzw. einen möglichen Hintermann, sie müssen feststellen, ob ihr Kunde eine politisch exponierte Person („PEP“) ist, also beispielsweise ein Botschafter, Regierungschef oder Angehöriger eines Königshauses. Zudem müssen sie analysieren, wie risikoanfällig ihr Geschäft für Geldwäsche ist. Viele Makler schätzten dabei das Risiko als gering ein. Ebenso verhalte es sich laut Experte Bussmann mit den Auto- und Kunsthändlern.

"Hoher bürokratischer Aufwand"

Die Vorgaben des Geldwäschegesetzes brächten einen großen bürokratischen Aufwand mit sich, sagt Jurist Martin Schirrmacher bei Engel & Völkers. Die Beschäftigung mit diesen erfordert viel Zeit und teilweise auch Fachkenntnisse. Die erforderliche Identifizierung von Kunden sei teilweise sehr anspruchsvoll. „Das gilt vor allem dann, wenn aufseiten des Maklerkunden juristische Personen handeln, was bei der Vermittlung des Verkaufs von Gewerbeimmobilien nicht unüblich ist.“ In solchen Fällen muss der Makler neben der Identität des Käufers auch den sogenannten „wirtschaftlich Berechtigten“ hinter der juristischen Person aufklären, was beispielsweise bei Holding-Strukturen und ausländischen Firmen aufwendig sein kann und der Mitwirkung des betreffenden Kunden bedarf.

Teure Seminare

Wenn es darum geht, ihre Mitarbeiter zum Geldwäscheprofi weiterzubilden, sind die Unternehmen meist auf sich allein gestellt. Unterstützung von den Aufsichtsbehörden, die selbst kaum über ausreichend Personal und die nötige Expertise im Umgang mit Geldwäsche verfügen, erhalten sie kaum. Das Zusatzwissen müssen sich die Mitarbeiter in teuren Seminaren oder auf eigene Faust aneignen. Herr Müller von Krone beispielsweise wurde auf Eigeninitiative und durch externe Berater geschult. „Wir würden es begrüßen, wenn der Landkreis Emsland Schulungen und Informationen zur Geldwäscheprävention und den Aufgaben eines Geldwäschebeauftragten bereitstellen würde“, heißt es von der Unternehmenssprecherin. Zuletzt nahm der Mitarbeiter an einem Seminar beim Tüv Rheinland zur Geldwäscheprävention teil.

Bei dem Prüfdienstleister, der jährlich dreimal zum Thema weiterbildet, kosten die viertägigen Kurse ab 2990 Euro plus Mehrwertsteuer. Bisher ist die Teilnehmerzahl überschaubar: gerade mal 70 Personen absolvierten das Training seit 2012. Das Thema scheint bei den Unternehmen geringe Priorität zu haben. Zum Vergleich: An den Compliance-Seminaren des Anbieters, die über die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften informieren, nehmen rund 80 Personen im Jahr teil.



Der Mittelständler Bruns Landmaschinen mit Sitz in Cloppenburg hat vor zwei Jahren seinen Buchhalter zum Geldwäschebeauftragten gemacht. Dieser beobachtet die Bargeldflüsse, sammelt, analysiert und hinterfragt die Daten, die er von den Kassenführern der Außenstellen des Unternehmens beispielsweise im Emsland bekommt. Und das alles innerhalb seiner üblichen Arbeitszeit.

Das Unternehmen hatte bei der zuständigen Aufsichtsbehörde um eine Schulung für den Beauftragten gebeten. Das sei aber mit der Begründung abgelehnt worden, dass das begrenzte Zeitfenster der Geldwäschezuständigen der Behörde dies nicht erlaube. „Das stieß auf Unverständnis bei uns, da der Landkreis auch zu verschiedenen anderen neuen Themen Schulungen und Infoveranstaltungen durchführt“, sagt Geschäftsführer Georg Wichmann. So besorgte sich der Geldwäschebeauftragte von Bruns Landmaschinen selbst Informationen über das Internet.


Geldwäsche

Geldwäsche ist der Versuch von Straftätern, das aus Verbrechen stammende Geld in den legalen Wirtschaftsverkehr einzuschleusen. Denn Verbrechen lohnt sich nur, wenn der wirtschaftliche Erfolg des Verbrechens auch genutzt werden kann. Verkauft beispielsweise ein Drogenhändler Drogen und erzielt daraus ein erhebliches Vermögen, dann hat dies nur dann einen Wert, wenn er dieses Vermögen für Anschaffungen verwenden kann (Häuser, Autos, Wertpapiere). 

Gelingt dies beispielsweise nicht, weil der Verkäufer einer Immobilie erkennt, dass es sich um bemakeltes Geld handelt, dann hat das Drogengeschäft für den Straftäter keinen wirtschaftlichen Anreiz mehr. Straftäter verfügen häufig über erhebliches Bargeld. Dieses Bargeld hat allerdings nur dann einen Wert, wenn es in den Wirtschaftskreislauf eingespeist werden kann und über kurz oder lang auf Bankkonten verfügbar ist. Geldwäsche selbst ist strafbar. Dies bedeutet auch, dass sich jeder, der einem anderen hilft, „Geld zu waschen“, strafbar machen kann.

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