11.000 Handelsstandorte geschlossen Lage im Handel bleibt angespannt

Meine Nachrichten

Um das Thema Wirtschaft Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

In der Weihnachtszeit und zwischen den Jahren sind die Innenstädte gut besucht. Ingesamt lässt die Frequenz nach. Das hat Konsequenzen. Foto: Henning Kaiser/dpaIn der Weihnachtszeit und zwischen den Jahren sind die Innenstädte gut besucht. Ingesamt lässt die Frequenz nach. Das hat Konsequenzen. Foto: Henning Kaiser/dpa

Osnabrück. Der Strukturwandel im Handel schreitet voran: Mit Blick auf die Wirtschafts- und Finanzlage schneidet die Branche laut einer Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform im Vergleich unterdurchschnittlich ab. Das hat Konsequenzen.

Kurz vor Weihnachten und jetzt zwischen den Jahren sind die Innenstädte voller Menschen, doch übers Jahr verteilt geht die Frequenz immer weiter zurück. Das merken die Händler auch an den Zahlen. Allein im Weser-Ems-Gebiet hat rund jedes sechste Unternehmen laut einer Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform Umsatzrückgänge verzeichnet. Der Gewinn ist sogar bei mehr als jedem fünften rückläufig.

Deutschlandweit 11.000 Handelsstandorte weniger

Dabei liegen Freud und Leid im Handel für den Handelsverband Deutschland (HDE) oft nah beieinander: „Der Online-Handel ist der Wachstumstreiber im Handel. Die Umsätze wachsen Jahr für Jahr zweistellig“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth gegenüber unserer Redaktion. Für das noch laufende Geschäftsjahr geht der Handelsverband von Umsätzen in Höhe von 53,6 Milliarden Euro aus.

Zu kämpfen hat hingegen weiterhin der stationäre Händler, denn die Digitalisierung erhöhe den Innovationsdruck auf die Unternehmen, so Genth weiter. Die Zahl der Handelsstandorte – Filialen wie Einzelunternehmen – habe sich zwischen 2012 und 2017 trotz insgesamt guter Konjunktur um schätzungsweise 11 000 verringert. „Das trifft vor allem die mittelständischen Händler.“ Die Zahl der Insolvenzen im Handel ist laut Creditreform 2018 nach Rückgängen im Jahr zuvor wieder leicht gestiegen – auf bundesweit 4280 Fälle. 

Stationärer Handel kann vom Online-Boom profitieren

Für den Mittelstand sei es oft schwierig, die finanziellen Ressourcen aufzubringen, um sich zu digitalisieren – auch wenn laut Genth der bisher rein stationäre Händler vom Umsatzzuwachs im Netz profitiere, wenn er sich online ein Standbein aufgebaut hat. „Händler, die in beiden Welten unterwegs sind, liegen in unseren Umfragen bei den Umsatzerwartungen regelmäßig ganz vorne. Die Zukunft des Handels liegt in der Verknüpfung von E-Commerce und stationärem Handel.“

Entsprechend geht zumindest an einer Online-Präsenz des Händlers kein Weg vorbei. „Ansonsten existiert er für viele Kunden schlicht nicht mehr. Das muss nicht immer gleich der eigene Online-Shop sein. Oft macht auch der Verkauf über Online-Plattformen und -Marktplätze Sinn“, so der HDE-Hauptgeschäftsführer.

Politik in der Pflicht

Gerade mit Blick auf das Plattformgeschäft sieht der Handelsverband aber auch die Politik in der Pflicht, für einen fairen Wettbewerb zu sorgen. „In der Vergangenheit haben sich oft Händler vor allem aus Fernost einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschafft, indem sie auf ihre Ware beim Verkauf über Plattformen keine oder nicht die korrekte Umsatzsteuer abgeführt haben“, erklärt Genth. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums hatte nach konservativen Schätzungen den Schaden auf einen dreistelligen Millionenbetrag beziffert.

Gegen den Umsatzsteuerbetrug will die Bundesregierung nun vorgehen. Ab Januar sollen Betreiber elektronischer Marktplätze bestimmte Daten ihrer Händler erfassen – und für nicht entrichtete Steuern aus dem Handel über ihre Plattform haften. Das hat das Bundeskabinett jüngst beschlossen.

Während der Handel diese Fortschritte begrüßt, sieht er an anderen Stellen weiterhin Handlungsbedarf. „Bei den Produktsicherheitsvorgaben bleibt das Problem weiter bestehen. Hier muss der Gesetzgeber dringend tätig werden“, forderte Genth.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN