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Medienbericht Lufthansa-Fehler löste Merkels G20-Flugchaos aus

Das Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" ist ein Airbus A340 der Luftwaffe. Foto: dpa/Kay NietfeldDas Regierungsflugzeug "Konrad Adenauer" ist ein Airbus A340 der Luftwaffe. Foto: dpa/Kay Nietfeld

Köln/Hamburg. Für den Total-Ausfall des Funksystems während des Flugs von Kanzlerin Angela Merkel zum G20-Gipfel nach Argentinien ist laut eines Medienberichts die Lufthansa verantwortlich.

Auf dem Weg zum G20-Gipfel in Buenos Aires streikt der Regierungsjet „Konrad Adenauer“ – Kanzlerin Angela Merkel und ihre Mannschaft müssen notgedrungen über den Niederlanden umkehren und in Köln landen. Wegen der Flug-Panne erreicht die Kanzlerin das Gipfeltreffen in Argentinien im November erst mit zwölfstündiger Verspätung, nachdem sie im Linienflieger anreist. Schuld an dem Flugchaos trägt offenbar die Lufthansa.

Weiterlesen: Komplettausfall des Funksystems: Merkel unterbricht Flug zum G20-Gipfel

Laut eines Berichts des "Spiegel" wurde der komplette Ausfall des Funksystems an Bord durch einen Fehler der Lufthansa Technik, einer Tochter der Fluggesellschaft, verursacht. Nach einem Umbau des A340 im Jahr 2009 ist Lufthansa Technik mit der Wartung des Jets betraut. Das Nachrichtenmagazin zitiert aus einem vertraulichen Berichts des Generals Flugsicherheit der Bundeswehr vom 15. Dezember.

Lufthansa Technik weist den Vorwurf zurück. Konzernsprecher Jens Krüger sagt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag: "Die Lufthansa Technik hat zu jedem Zeitpunkt sämtliche luftrechtlichen Vorgaben eingehalten. Das gilt auch für den Umgang mit den Dokumentationspflichten." Zu Einzelheiten äußerte er sich nicht. 

Dem "Spiegel-Bericht" zufolge habe es die Lufthansa nach einer regelmäßigen Überprüfung des Regierungsjets im Jahr 2010 versäumt, die Piloten der Flugbereitschaft und den Hersteller Airbus über ein neu eingebautes digitales Kommunikationssystem zu informieren. Deshalb hätten die Piloten während des G20-Flugs nicht angemessen auf einen Stromausfall der Bordelektronik reagieren können, es sei ihnen nicht gelungen, das ausgefallene Funksystem für den Kontakt mit dem Boden wieder in Gang zu setzen.

Eine Fehlerkette führt laut des Berichts zum Flugabbruch:

  • Eine "fehlerhafte Lötstelle" an einem Transformator verursacht einen Stromausfall in Teilen der Bordelektronik.
  • Eine Notstromversorgung, die in solchen Fällen normalerweise anspringt, fällt nach 70 Sekunden aus.
  • Der Funkkontakt bricht ab, auch die Hydraulik funktioniert teilweise nicht mehr.
  • Eine Notfall-Checkliste, die den Piloten in solchen Fällen eine Schritt-für-Schritt-Anleitung liefert, hilft nicht weiter, weil sie offenbar falsch ist.

Dass die Notfall-Checkliste nicht korrekt ist, sei darauf zurück zu führen, dass die Lufthansa im Jahr 2010 eine neue digitale Funkanlage in den Jet eingebaut hatte, die Flugbereitschaft und den Hersteller Airbus seien darüber aber offensichtlich nicht in Kenntnis gesetzt worden. Deshalb fehlt den Piloten während des G20-Flugs ein konkrete Handlungsanweisung wie der Funkkontakt wieder hergestellt werde könne. Die Folgen sind bekannt.

Mit dpa


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