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16.12.2018, 17:45 Uhr KOMMENTAR

Krisen-Konzern Deutsche Bahn: Das Gegenteil von Wow-Effekt

Von Melanie Heike Schmidt


Bahnstreiks sorgen schnell für Chaos, etwa hier am Montag vor einer Woche am Frankfurter Hauptbahnhof. Doch auch nach der Tarifeinigung mit der EVG ist der Ärger nicht vom Tisch: Der Bund fordert, den Konzern schnellstens umzubauen. Foto: Boris Roessler/dpaBahnstreiks sorgen schnell für Chaos, etwa hier am Montag vor einer Woche am Frankfurter Hauptbahnhof. Doch auch nach der Tarifeinigung mit der EVG ist der Ärger nicht vom Tisch: Der Bund fordert, den Konzern schnellstens umzubauen. Foto: Boris Roessler/dpa

Osnabrück. Gerade noch konnte die Streik-Kuh vom Eis gezogen werden, da bekommt die Bahn neuen Ärger. Enak Ferlemann, Regierungsbeauftragter für den Schienenverkehr, kritisiert das Bahn-Management scharf. Der Konzern müsse umgebaut werden, aber schnell. Eine gute Idee. Aber geht bei der Bahn jemals etwas schnell?

Ach, die Bahn. Müssten sich nicht täglich Millionen Kunden über die desolaten Zustände ärgern, könnte man glatt über sie lachen. Etwa über diese Stellenanzeige: „Als Projektleiter, Berater (...) oder IT-Architekt ist jetzt die spannendste Zeit einzusteigen und in einem starken Team wegweisende Lösungen (...) umzusetzen.“ Starkes Team? Wegweisende Lösungen? Angesichts solcher Hybris eines Konzerns, dessen Führung versteinert und dessen Infrastruktur zerbröselt, vergeht einem leider das Lachen. Wie gut, dass der Bahn-Beauftragte der Regierung, Enak Ferlemann, diesem – Entschuldigung – Saftladen ein Ultimatum für den Umbau setzt. Endlich tut sich etwas. Oder?

Zweifel sind angebracht. Die Bahn ist ein Staatskonzern, eigentlich müsste sich Ferlemann vor den Spiegel stellen und sich selbst kritisieren. Der CDU-Mann leitet im Übrigen auch das „Zukunftsbündnis Schiene“, das den Konzern effektiver machen und einen „Wow-Effekt beim Bahnfahren“ erreichen soll. Und was gab es? Einen Rekord in Sachen Unpünktlichkeit und eine exorbitante Gewinnwarnung. Wow.

Dabei gäbe es Ideen: Wie wäre es mit einem Bahn-Krisengipfel? Wo bleiben Leistungskontrollen für Management und Berater? Weshalb nicht die Expertise der Mitarbeiter an der Basis oder der Bahn-Ruheständler nutzen?

 Doch ach, es ist die Bahn. Sie steht für Schwerfälligkeit, nicht für Wow-Effekte.


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