Einwegdosen wieder auf dem Vormarsch Dosenbier – Spitzenqualität im kleinen Fass oder pure Umweltsünde?

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Seit einigen Jahren wieder auf dem Vormarsch: Dosenbier. Während die Craft-Brauer vornehmlich aus Qualitätsgründen auf das kleine Fass setzen, haben Einzelhandel und Großbrauereien die Dose als Ersatz für die PET-Flasche wieder entdeckt. Foto: David EbenerSeit einigen Jahren wieder auf dem Vormarsch: Dosenbier. Während die Craft-Brauer vornehmlich aus Qualitätsgründen auf das kleine Fass setzen, haben Einzelhandel und Großbrauereien die Dose als Ersatz für die PET-Flasche wieder entdeckt. Foto: David Ebener

Osnabrück. Dosenbier ist wieder da. Craft-Bier-Brauer und Großbrauereien setzen seit ein paar Jahren wieder vermehrt auf das kleine Fass. Dabei haftet dem Dosenbier immer noch ein Schmuddelimage an. Woher kommt die Renaissance der Dose, was bedeutet das für die Qualität des Bieres und wie verträgt sich der Aufschwung mit der Umweltbelastung?

„Man muss sich nur mal die Haltbarkeit von Lebensmitteln in Dosen- und Glasverpackungen anschauen, dann sollte eigentlich jedem schnell klar sein, dass die Dose die bessere Wahl für Qualität und Haltbarkeit ist“, sagt Matthias Gruber, Mitbegründer der Craft-Bier-Brauerei „Frau Gruber Brewing“ aus Gundelfingen an der Donau im Gespräch mit unserer Redaktion. Zusammen mit Enzo Frauenschuh, dem Leiter der Brauerei Camba Old Factory, brauen sie kreative Biere, die ausschließlich in Dosen abgefüllt und vertrieben werden.

Das kleine Fass

Aus reinen Qualitätsgründen gibt es für die Beiden nichts Besseres. Wie ein kleines Fass umschließt die Aluhülle das Bier licht- und luftdicht und schützt es so länger als eine Mehrwegflasche vor Qualitätseinbußen. „Da unsere Biere sehr hopfenlastig sind und ultraviolettes Licht den Hopfen wesentlich schneller altern lässt, können wir diesen Punkt mit der Dose schon mal ausschließen“, erklärt Gruber.

Und was ist mit dem metallischen Geschmack oder Restsauerstoff? Diese Vorurteile sind mittlerweile überholt. „Bevor die Dosen durch den Verschließer laufen, werden sie begast, um den gesamten restlichen Sauerstoff aus der Dose zu bekommen“, beschreibt Matthias Gruber.

Zusätzlich sind Dosen mittlerweile innen so beschichtet, dass ein etwaiger Metallgeschmack ausgeschlossen werden kann. Allerdings steht diese Beschichtung auch in der Kritik. So sind die Dosen vornehmlich mit Epoxidharzen oder speziellen Lebensmittellacken ausgekleidet. Früher gehörte auch der Weichmacher Bisphenol A (BPA) dazu. BPA steht in dem Verdacht Herzkreislauferkrankungen, Leberprobleme und Diabetes zu verursachen.

„Je mehr Brauereien auf den Dosenzug aufspringen und Aufklärung betrieben wird, desto mehr wird sich auch das Image hier wieder verbessern“Matthias Gruber, Frau Gruber Brewing

In der Craft-Bier-Szene ist die Dose aber mittlerweile schon längst wieder etabliert und Marken wie Stone Brewing oder Brewdog vertreiben ihr Bier schon länger und zum Großteil exklusiv in Dosen. In den USA, von wo die Craft-Welle nach Europa herüber geschwappt ist, sind Dosen längst die bevorzugte Getränkeverpackung. Ein Schmuddelimage, wie in Deutschland, hat die Dose dort nie erfahren. „Je mehr Brauereien auf den Dosenzug aufspringen und Aufklärung betrieben wird, desto mehr wird sich auch das Image hier wieder verbessern“, hofft Gruber. (Weiterlesen: Craft-Bier: Kurzlebiger Trend oder Revolution am Biermarkt?)

Handel und Verbraucher fragen wieder mehr nach der Dose

„Die Dose hat inzwischen als Verpackung wieder eine hohe Akzeptanz beim Verbraucher erreicht und wird langfristig weiter wachsen“, erklärt Peter Lemm, Leiter Unternehmenskommunikation von der Krombacher Brauerei, die mit der 0,5-Liter-Dose Krombacher Pils marktführend ist. Krombacher hat im April 2018 sogar eine eigene Dosenabfüllung auf dem Brauereigelände in Betrieb genommen.

Auch die Brauerei Veltins erkennt die „leichte Renaissance“ der Dose, wie Ulrich Biene, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Brauerei, im Gespräch bestätigt. Zwar macht Veltins für das Gebinde keine aktive Werbung, aber der Kunde fragt aktiv nach. „Der Kunde weiß die Dose neu zu schätzen!“

Ulrich Biene: Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Brauerei Veltins. Foto: Brauerei C. & A. Veltins GmbH & Co. KG

Das war 2003 bei Einführung des „Dosenpfandes“ noch komplett anders. Bier aus der Dose hatte einen schlechten Ruf. Die Dose Bier gab es beim Discounter bereits für 29 Pfennig – ohne Pfand. Mit der Einführung des Einwegpfandes hat der Einzelhandel schnell nach einem Ersatz gesucht, ohne dabei in teure Mehrweg-Rückführungssysteme investieren zu müssen. So wurde die PET-Flasche als Behältnis für Bier eingeführt. Allerdings hat der Kunde diese Lösung nie komplett akzeptiert und die Plastikflasche setzte sich nicht durch.

„Anders als beim Mineralwasser gilt Plastik beim Bier als uncool“Ulrich Biene, Veltins Brauerei

Seit ein paar Jahren suchen der Einzelhandel und allen vorweg die großen Discounter aktiv nach einer Alternative zur PET-Flasche. „Anders als beim Mineralwasser gilt Plastik beim Bier als uncool“, erklärt Biene. Für den Discounter Aldi bietet die Brauerei Veltins aufgrund dieser Anfrage die Sorte Grevensteiner in einer vorerst einmaligen Aktion in der 0,5-Liter-Dose an.

Aber woher kommt diese neue Nachfrage? Einen der Hauptgründe sieht Biene in der neuen Generation, für die der Einwegpfand zum Alltag gehört und die durch Energiedrinks in der Dose an dieses Thema herangeführt wurden. „Pfand ist heute völlig normal, egal ob für die Flasche oder die Dose. Da hat sich in den vergangenen 15 Jahren eine Menge getan.“ Dazu sind die neuen Dosen heute oft modischer gestaltet, sind zudem Lifestyle-Produkt und erzeugen so keine Berührungsängste.

Vor dem Einwegpfand lag der allgemeine Marktanteil der Bierdose bei circa 20 Prozent. 2010 waren es nur noch 1,9 Prozent Anteil, aber mittlerweile hat sich der Wert erholt und seitdem nahezu verdreifacht auf 5,4 Prozent im Jahr 2018. Zwar ist die Mehrwegflasche für Deutschlands Brauereien immer noch Hauptabsatzmarkt, aber die Dose rangiert im ersten Halbjahr mit 7,3 Prozent bereits vor der 24-Kiste mit 0,33-Liter-Mehrwegflaschen (7 Prozent). (Weiterlesen: Die neue Lust aufs alte Pils - Warum auch Craft-Brauer vermehrt auf einen alten Stil setzen)

Logistischer Vorteil Einwegdose

„Darüber hinaus hat die Dose einen enormen logistischen Vorteil“, erklärt Matthias Gruber. „So passen zum Beispiel 40 Kisten mit jeweils 24x330ml Flaschen auf eine Palette. Bei Dosen, mit 24x330ml pro Karton bringen wir 72 Kartons darauf und haben keine Rückführungen per Spedition.“

Besonders für Craft-Brauer ist das ein immenser finanzieller Vorteil. Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass Craft-Bier oftmals eine niedrigere Drehgeschwindigkeit im Handel ausweist. Dadurch, dass das Bier in der Dose schonend pasteurisiert wurde und in der Dose licht- und luftgeschützt gelagert werden kann, kann das Bier daher länger frisch angeboten werden. (Weiterlesen: Privatbrauerei Barre: Familienbrauerei zwischen Großkonzernen und Craft-Bier)

Die Dose ist nicht grün

Kritik an dem Dosen-Revival kommt aktuell von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft, kritisiert im Gespräch unter anderem die sehr ressourcenintensive Herstellung der Aluminiumdosen. „Um an Bauxit zu kommen werden in Brasilien oder Australien Landflächen umgegraben und dabei fällt eine Menge giftiger Rotschlamm an“, so Fischer. Bauxit ist der Grundstoff, aus dem Aluminium gewonnen wird.

Kritisiert das Revival der Bierdosen: Thomas Fischer, Bereichsleiter Kreislaufwirtschaft, von der Deutschen Umwelthilfe aus Berlin. Foto: Deutsche Umwelthilfe e.V.

Auch das von der Industrie gepriesene Recylingsystem beanstandet die DUH. 2013 klagte der Verein sogar gegen den Dosenhersteller Ball Packaging. Während einer Werbekampagne nutze Ball Packaging den Slogan „die Dose ist grün“ und wollte so nach Auffassung der DUH zu Unrecht den Eindruck erwecken, Getränkedosen seien ein umweltfreundliches und ökologisch verträgliches Produkt. Das Gericht gab der DUH in seinem Urteil Recht und untersagte Ball Packaging die Wiederholung der irreführenden Behauptung.

Dose macht Fortschritte

Allerdings hat die Dose massive Fortschritte gemacht. Allein durch die Pfandeinführung wurde die Recyclingquote auf über 90 Prozent gesteigert. Das Metall kann mittlerweile größtenteils separat gesammelt werden. Aber bei der Dose kann es zu Materialverlusten pro Recyclingprozess zwischen drei und sieben Prozent kommen, die durch neu zugefügtes Aluminium oder Weißblech ersetzt werden müssen. „Ein unendlicher Recyclingkreislauf – wie er von den Dosenherstellern beworben wird – ist schon allein aufgrund von Materialverlusten bei Recyclingvorgängen nicht umsetzbar“, so Fischer.

Am Ende ist es laut Fischer umweltfreundlicher eine Mehrwegflasche zu spülen als eine Dose einzuschmelzen und neu herzustellen. Und auch für die Produktion von Mehrwegflaschen wird überwiegend Recyclingmaterial eingesetzt. Das ist also kein Alleinstellungsmerkmal der Dosen und macht sie insgesamt gesehen auch nicht zu einer ökologischen Verpackung.


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