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05.12.2018, 18:25 Uhr PLÄNE DER EU-KOMMISSION

Euro als Weltwährung: Großspurige Pläne

Von Manuel Glasfort


Unter den Weltreservewährungen ist der Dollar die unangefochtene Nummer eins mit mehr als 60 Prozent. Erst mit einigem Abstand folgt der Euro mit rund 20 Prozent. Auf den Plätzen drei und vier folgen der japanische Yen und das Britische Pfund. Foto: dpaUnter den Weltreservewährungen ist der Dollar die unangefochtene Nummer eins mit mehr als 60 Prozent. Erst mit einigem Abstand folgt der Euro mit rund 20 Prozent. Auf den Plätzen drei und vier folgen der japanische Yen und das Britische Pfund. Foto: dpa

Osnabrück. Bei der EU-Kommission haben sie offenbar zu tief ins Glas geschaut. Anders ist kaum zu erklären, wenn Brüssel glaubt, der kränkelnde Euro könne dem US-Dollar als Leitwährung Konkurrenz machen, ihm womöglich gar den Rang ablaufen.

Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Mit dem Euro als weltweit gefragter Devise könnten Europas Staaten sich so stark und so günstig verschulden, wie es bisher allein die USA können. Doch der großspurige Brüsseler Plan wird genau das bleiben – ein Plan. Schon bei der Einführung der Euros träumten die EU-Grande von einem Dollarrivalen. Und tatsächlich gewann der Euro zunächst an Boden. Doch seit Ausbruch der Eurokrise 2010 schwindet seine Bedeutung. Nur noch 20 Prozent der globalen Währungsreserven tragen das Euro-Zeichen, der Dollar kommt auf mehr als 60 Prozent. Der Dollarraum ist groß und liquide, vor allem aber stabil: Niemand glaubt, dass der Währungsraum auseinanderbrechen könnte. 

Eine Chance für den Euro bietet die Handelspolitik von Donald Trump. Während der US-Präsident Zollschranken errichtet, schließt die EU Handelspakte mit Ländern wie Japan. Wenn Amerika als Handelspartner unattraktiver wird und die EU sich öffnet, wächst auch der Bedarf an Euros.

Dennoch: Falls Europas Währung je zu einer Konkurrenz für den Dollar heranwachsen kann, dann nur nach einer tief greifenden Reform, die sie krisensicher macht.


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