DGB fordert Erfassung und Vergütung Arbeitnehmer machen 2,1 Milliarden Überstunden

Meine Nachrichten

Um das Thema Wirtschaft Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Auch nach Dienstschluss bleiben in vielen Büros die Lichter an. Mitarbeiter machen mehr und mehr Überstunden. Foto: Fabian Sommer/dpaAuch nach Dienstschluss bleiben in vielen Büros die Lichter an. Mitarbeiter machen mehr und mehr Überstunden. Foto: Fabian Sommer/dpa

Osnabrück. Insgesamt 2,1 Milliarden Überstunden haben Arbeitnehmer in Deutschland 2017 gemacht, und die Tendenz zur Mehrarbeit hält auch 2018 an. Der DGB fordert eine lückenlose Erfassung und Vergütung.

Viele Arbeitnehmer kennen das Problem: Es herrscht Zeitdruck, ein Projekt muss unbedingt noch fertiggestellt werden, doch eigentlich ist Feierabend. Entsprechend geht vielerorts auch nach Dienstschluss das Licht nicht aus, sondern der Mitarbeiter verharrt zumeist unentgeltlich. Für das vergangene Jahr hat sich so die Zahl der Überstunden auf einen Rekordstand seit 2007 summiert: 2,1 Milliarden Stunden Mehrarbeit haben Arbeitnehmer geleistet, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervorgeht.

Die Bundesregierung bezieht sich auf Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das hat die Zahlen auch auf die im Jahr 2017 rund 39,9 Millionen Beschäftigten runtergebrochen: Im Schnitt hat jeder von ihnen 53,2 Überstunden geleistet, 26,5 davon unbezahlt. 2016 waren es noch im Schnitt 48 Überstunden je Beschäftigtem – jedoch ist auch hier nur gut die Hälfte vergütet gewesen.

DGB: Inakzeptabel hohes Niveau

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) bleibt die Mehrarbeit seit Jahren auf einem „inakzeptabel hohen Niveau“, sagte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach im Gespräch mit unserer Redaktion. „Dies ist nicht nur eine Folge der guten Konjunktur, sondern oft auch ein Zeichen schlechter Arbeitsorganisation“, ist sie überzeugt. Dass die hohe Flexibilität der Beschäftigten nicht gewürdigt werde und allein im vergangenen Jahr rund eine Milliarde Überstunden nicht bezahlt worden seien, sei mehr als unanständig. „Allein über die letzten fünf Jahre haben sich die Arbeitgeber auf diese Weise mehr als 90 Milliarden Euro in die eigene Tasche gesteckt und die Beschäftigten um ihren Lohn betrogen.“ 

Daher fordere der DGB, dass Arbeitszeiten lückenlos erfasst und Überstunden ohne Ausnahme anständig vergütet werden. „Das gilt auch und nicht zuletzt für den hohen Anteil an mobiler Arbeit, wo oft unsichtbare Mehrarbeit geleistet wird.“

Tendenz zur Mehrarbeit hält an

Ein Blick auf die Daten des IAB im ersten Halbjahr 2018 zeigt, dass sich die Tendenz zur Mehrarbeit weiter fortsetzt und am Ende des Jahres ein neuer Rekord stehen könnte. Rund 13,3 bezahlte und 13,4 unbezahlte Überstunden haben die mehr als 40 Millionen Beschäftigten in den ersten beiden Quartalen geleistet. Damit summiert sich die Mehrarbeit schon allein in den ersten sechs Monaten auf 1,1 Milliarden Stunden. (Mit dpa)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN