Diesel-Krise und Fahrverbote Lungenarzt kritisiert Kabinettsbeschluss zu Grenzwerten

Fahrverbote an hoch belasteten Straßen sind aus Sicht der DGP sinnvoll.
Foto: dpaFahrverbote an hoch belasteten Straßen sind aus Sicht der DGP sinnvoll. Foto: dpa

Berlin. Um Fahrverbote wie in Essen und Gelsenkirchen zu vermeiden, hat das Kabinett das Immissionsschutzgesetz geändert. Diesel-Sperren sollen erst ab einer Stickoxid-Belastung von 50 statt 40 Mikrogramm verhängt werden dürfen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) kritisiert das als gefährlich.

Es gebe „gute Gründe“ für den niedrigen EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, sagte DGP-Präsident Klaus Rabe unserer Redaktion. „Wenn Menschen mit Atemwegsproblemen und Lungenvorerkrankungen regelmäßig erhöhte Werte einatmen, besteht ein Gesundheitsrisiko. Das ist durch die Datenlage bewiesen.“  

Betroffen sei nicht eine kleine Gruppe, "sondern eine riesige“, erklärte Lungenspezialist Rabe. Schon viele Kinder litten unter chronischer Bronchitis oder Asthma. „Fakt ist, dass es eine Übersterblichkeit bei Belastungspeaks und Erkrankungswellen gibt.“

Die Bundesregierung erklärte Dieselfahrverbote für „nicht erforderlich“, wenn der EU-Grenzwert im Jahresmittel um bis zu zehn Mikrogramm überschritten wird. Verbote sollen erst ab 50 Mikrogramm verhängt werden.

Für gesunde Menschen bestehe zwar durch Belastungen auch in dieser Größenordnung kein Risiko, sagte Rabe. Attacken auf die Grenzwerte und Versuche, die Grenzwerte aufzuweichen, „beunruhigen uns dennoch“, so der Arzt. „Die Risikogruppe kann sich gegen die erhöhte Belastung, die schon seit vielen Jahren besteht, nicht wehren. Hier müssen Konsequenzen gezogen werden. Dazu können Maßnahmen wie Fahrverbote gehören, die weh tun, sonst wird sich nichts ändern“, sagte er.

„Uns als Fachgesellschaft geht es nicht darum, das Autofahren zu verteufeln“, stellte der Mediziner klar. „Wir müssen alles dafür tun, dass die große Gruppe der Gefährdeten vernünftig leben und arbeiten kann. Hier ist bei weitem nicht genug getan worden.“ Die DGP ist im deutschsprachigen Raum die größte und älteste medizinische Fachgesellschaft für Lungen- und Bronchialkrankheiten.


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