Extremer Wachstumsmarkt Für wen sich ein E-Bike als Dienstfahrrad lohnt

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Auch die Osnabrücker sind auf den Trend des Dienstfahrrads aufgesprungen. Foto: Sina Schuldt/dpaAuch die Osnabrücker sind auf den Trend des Dienstfahrrads aufgesprungen. Foto: Sina Schuldt/dpa

Osnabrück. Keine Staus, weniger Ampeln und endlich ist auch die nervige Parkplatzsuche bei der Arbeit passé. Das denken sich immer mehr Deutsche, die über ihren Arbeitgeber ein Dienstrad leasen. Besonders beliebt sind Elektro-Fahrräder, mit denen man ohne große Anstrengung aber dennoch schnell zur Arbeit kommt. Auch in der Region steigen immer mehr Menschen aufs Dienstrad.

Ein leichter Tritt in die Pedale – wusch, mit sagenhafter Geschwindigkeit schnellt das Fahrrad aus den Startlöchern: So mag es sich für jemanden anfühlen, der zum ersten Mal auf einem E-Bike sitzt. Obwohl bergauf, fühlt es sich an als fahre man mit Rückenwind und bergab. Da sieht im Vergleich auch der letzte Rennradfahrer ganz alt aus.  

E-Bike

E-Bike ist nicht gleich E-Bike. Verallgemeinert benutzen wir den Begriff als Synonym für das Pedelec. Pedelecs unterstützen den Fahrradfahrer mit einer Motorleistung von 250 Watt bis zu einer Geschwindigkeit von maximal 25 km/h. Vorraussetzung ist, dass der Radfahrer selbst in die Pedale tritt. Rechtlich sind Pedelecs dem normalen Fahrrad gleichgestellt. Es besteht also keine Helmpflicht , man darf auf Radwegen fahren und braucht keinen Führerschein. Bei den S-Pedelecs sieht es anders aus. Diese haben eine Motorleistung von 500 Watt und unterstützen den Radfahrer noch bis zu 45 km/h. Sie werden rechtlich behandelt wie ein Mofa (Motorfahrrad). Man braucht also ein Kennzeichen, einen Führerschein und eine Versicherung. Das Befahren von Radwegen, Straßen oder Wegen, die für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt sind, ist mit S-Pedelecs laut dem ADFC verboten. Auch das Ziehen eines Anhängers mit Kindern ist mit einem S-Pedelec untersagt.


Das Geschäftsmodell E-Bike-Leasing ist einfach. Unternehmen können mit einem Leasingunternehmen wie zum Beispiel JobRad, Businessbike oder Eurorad einen Rahmenvertrag abschließen. Darin werden Modalitäten wie Bestellung, Reparaturservice oder auch Versicherung des Fahrrads festgelegt. Geleast werden können sowohl herkömmliche Fahrräder als auch Pedelecs (E-Bikes), welche beim Tritt in die Pedale eine elektrische Unterstützung bis zu 25 Kilometern pro Stunde leisten, und S-Pedelecs, die den Fahrer auch noch bei höherem Tempo unterstützen.

Der Osnabrücker Fahrradhändler Detlef Dependahl erklärt, wie ein Arbeitnehmer an sein Dienstfahrrad gelangt: Zunächst müsse der Mitarbeiter mit den Daten seines Unternehmens zu einem Fahrradhändler seiner Wahl gehen. Die Daten des Kunden und des Fahrrads teilt der Händler dann dem Leasing-Unternehmen mit. Nach ein bis zwei Wochen könne der Kunde das Fahrrad dann erhalten. "Wir sind quasi nur ausführendes Organ", erklärt Dependahl, "Die Leasingfirma kauft uns das Rad ab und schließt mit dem Arbeitgebern einen Leasingvertrag. Der Arbeitgeber wiederum schließt mit dem Mitarbeiter einen Überlassungsvertrag ab, in der Regel über 36 Monate.

Weniger Steuern

Für den Kunden gibt es laut dem Fahrradhändler nur Vorteile. Der größte seien die steuerlichen Erleichterungen, die dem Arbeitnehmer winken. "Die monatliche Leasing-Rate wird vom Bruttogehalt abgezogen, der Kunde zahlt also weniger Abgaben", sagt Dependahl.

Zudem könne der Kunde das Fahrrad in der Regel nach Ablauf der 36 Monate für lediglich 15 Prozent des Neupreises kaufen. "Der tatsächliche Wert ist in 95 Prozent der Fälle viel höher", betont Dependahl. Außerdem kann der Leasingnehmer das Rad nicht nur als Dienstfahrzeug, sondern auch in seiner Freizeit unbeschränkt nutzen. Aber auch die Arbeitgeber profitieren. Laut JobRad, dem Pionier auf dem Dienstrad-Markt, ist das Dienstrad-Leasing in vielen Unternehmen Bestandteil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Mitarbeiter, die regelmäßig mit dem Rad zur Arbeit fahren, sind demnach nachweislich weniger krank. (Weiterlesen: Tipps fürs Radfahren im Winter)

Derzeit müssen Dienstradler jedoch noch den sogenannten geldwerten Vorteil versteuern, der ihnen durch die private Nutzung ihres Fahrrads entsteht. Ein Prozent des Neuwertes werden auf das zu versteuernde Brutto-Monatsgehalt aufgerechnet – so wie bei einem Dienst-Auto. Am 8. November hat der Bundestag jedoch eine Neuregelung beschlossen. Am 1. Januar 2019 soll diese Steuerpflicht entfallen. Jobrad kritisiert das Gesetz jedoch. Die Neuregelung greife nur, wenn der Arbeitgeber die Aufwendungen für die Diensträder „zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn“ übernimmt und nicht durch Gehaltsumwandlung finanziert.

"Da ist noch Potenzial ohne Ende"Detlef Dependahl, Fahrradhändler, über das Dienstfahrrad-Leasing


Für wen lohnt sich ein Dienstrad?

Nicht für jeden lohnt sich ein Dienstrad. Wer zum Beispiel zur Arbeit einen langen Weg vom Land in die Stadt fahren muss, der kann tendenziell weniger Nutzen aus dem Fahrrad ziehen. Auch wer grade erst ein neues Rad gekauft hat, fällt durch das Raster. Für Städter, die sich oft mit dem Auto durch den Stau kämpfen, wäre ein Dienstrad aber eine echte Bereicherung. Gerade für Geringverdiener, die sich ein teures E-Bike nicht auf einen Schlag leisten können, lohnt sich das Modell. Besonders der kostspielige Versicherungsschutz macht das Angebot so attraktiv. Die monatliche Netto-Belastung ist jedoch höher, je geringer das Gehalt ist. Einige Arbeitgeber übernehmen aber auch Teile der Leasingrate und machen das Konzept so auch für Geringverdiener interessant.

Für Fahrradhändler Dependahl ist das Leasingmodell schon längst ein wichtiges Standbein. "Wir haben extrem viele Kunden, die ihr Dienstrad über uns leasen", sagt er. Aus den konkreten Zahlen macht er ein Geheimnis, verrät aber so viel: "95 Prozent aller Diensträder, die wir verkaufen, sind E-Bikes. 50 Prozent des Umsatzes mit E-Bikes machen wir über das Leasing und ich bin mir sicher, dass es in den nächsten Jahren noch zunehmen wird."

Laut Dependahl beteiligen sich aktuell nur etwa drei bis vier Prozent aller Unternehmen an dem Leasingmodell. "Da ist noch Potenzial ohne Ende", blickt der Fahrrad-Händler voraus. Gestützt wird diese These auch von den aktuellen Marktdaten des Zweiradindustrieverbands (ZIV). Anhand derer ist davon auszugehen, dass der Umsatz mit Fahrrädern, E-Bikes, Komponenten und Zubehör das Niveau des Vergleichszeitraums in 2017 übertreffen wird. Der ZIV schätzt, dass im Jahr 2018 mehr als 850.000 E-Bikes verkauft wurden. Im Jahr 2017 waren es 720.000. Das entspricht einem Plus von 18 Prozent. Schon in den Jahren zuvor ist der E-Bike-Markt ähnlich stark gewachsen. Im Jahr 2017 um 19 Prozent, 2016 waren es 13 Prozent und 2015 mehr als 11 Prozent.

Verschärfung durch Fachkräftemangel

Auch JobRad-Geschäftsführer Ulrich Prediger glaubt an eine rosige Zukunft. Der Markt habe enormes Potenzial, da das Dienstradleasing-Modell immer noch relativ unbekannt sei. Zudem werde sich der Fachkräftemangel ab dem Jahr 2020 durch die geburtenschwachen Jahrgänge noch stärker bemerkbar machen. "JobRad wird dann ein noch wichtigerer Bestandteil in dem Gesamtpaket sein, das ein moderner Arbeitgeber seinen Mitarbeitern anbieten muss", glaubt Prediger.

Auch die Entwicklung der vergangenen Jahre sieht das Unternehmen sehr positiv. Die Zahl der Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Dienstradleasing mit JobRad anbieten, habe sich in den letzten drei Jahren verzehnfacht. Inzwischen bieten über 10.000 Arbeitgeber ihren Mitarbeitern Jobräder an", informiert JobRad-Sprecher Tassilo Holz. Neben großen Konzernen seien darunter auch mittelständische und kleine Betriebe.


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