Handel arbeitet an Haltungskompass Tierwohl: Bald einheitliche Kennzeichnung auf Fleischverpackungen?

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Fleischkennzeichnung bei Penny. Foto: Marius Becker/dpaFleischkennzeichnung bei Penny. Foto: Marius Becker/dpa

Osnabrück. Steigen Sie beim Blick in die Fleischtheke in Sachen Tierwohl noch durch? Mittlerweile gibt es einen regelrechten Label-Dschungel. Die Handelsketten wollen den jetzt lichten.

Die großen deutschen Supermarktketten arbeiten an einer einheitlichen Fleischkennzeichnung. Das erfuhr unsere Redaktion aus Branchenkreise. Ziel soll demnach ein einheitlicher sogenannter Haltungskompass auf den Verpackungen bei Edeka, Rewe sowie Aldi und Lidl sein.  

Discounter Lidl hatte als erstes Unternehmen eine solche Kennzeichnung eingeführt. Im April startete das Unternehmen. 

Foto: Marcel Kusch/dpa

Mehrere Konkurrenten haben zwischenzeitlich nachgezogen. Nun soll der Kompass offenbar vereinheitlicht werden. 

Im Gespräch sind nach unseren Informationen vier Stufen, durch die der Verbraucher erkennen soll, wie das Tier gelebt hat: Stufe eins könnte dabei der gesetzliche Standard, Stufe vier Bio-Fleisch sein. Das von der Bundesregierung geplante staatliche Tierwohllabel könnte demnach in den Haltungskompass integriert werden.

Edeka und Rewe bestätigen Gespräche

 Ein Edeka-Sprecher sagte unserer Redaktion auf Anfrage, sein Verbund sehe das Bedürfnis nach „einer branchenweit einheitlichen Kennzeichnung der Haltungsformen“ bei Schwein, Rind und Geflügel. „Edeka setzt sich in entsprechenden Gremien für eine solche gemeinsame Lösung ein, mit dem Ziel, den Verbrauchern eine transparente und nachvollziehbare Information am Produkt und an den Frischetheken zu ermöglichen.“ Bei Rewe hieß auf Anfrage, man nehme „am Dialog für eine Branchenlösung“ teil.

Aus Kreisen ist zu erfahren, die Gespräche liefen auf Ebene der an der privatwirtschaftlichen „Initiative Tierwohl“ beteiligten Handelsunternehmen. Diese zahlen in einen Fonds ein, aus dem bessere Haltungsbedingungen in Ställen finanziert werden.

Staatliches Label in Arbeit

Die Bundesregierung arbeitet seit einigen Jahren zudem an einem freiwilligen staatlichen Tierwohllabel. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) teilte kürzlich mit, dass die ersten entsprechend gekennzeichneten Produkte ab Frühjahr 2020 in den Supermärkten zu finden sein sollen.

Die Kriterien sollen dabei über dem gesetzlichen Mindeststandard für Tierhaltung liegen. Wie viel mehr Platz das Schwein beim Staatslabel haben soll, ist aber nach wie vor unklar. An der Freiwilligkeit gab es zuletzt immer wieder Kritik. (Weiterlesen: Tierwohl-Kennzeichnung: Wie viel Platz braucht das Schwein?)

Das Staatslabel könnte dem Vernehmen nach in den geplanten Haltungskompass integriert werden. Das gilt auch für das zweistufige Siegel des Tierschutzbundes. So würden sämtliche Haltungsformen mit einer Kennzeichnung auf der Verpackung abgedeckt. Die Bemühungen des Handels werden von Beobachtern auch als Versuch gewertet, vor weiteren Diskussionen um das Staatslabel Fakten zu schaffen. 

Zuletzt hatte es immer wieder Kritik am „Label-Dschungel“ in den Fleischtheken der Supermärkte gegeben. Die Pläne zur Vereinheitlichung seien zwar noch nicht abgeschlossen. „Das Ding wird aber kommen“, sagte ein Branchenvertreter.

Foto: Lidl


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