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08.11.2018, 17:45 Uhr KOMMENTAR ZUR NEUEN TECHNOLOGIE

Ausstieg aus dem Kükentöten: Was der Handel will, wird gemacht

Kommentar von Dirk Fisser

Eier-Verpackungen mit Eiern, bei denen die neue Technologie zum Einsatz kam. Foto: dpaEier-Verpackungen mit Eiern, bei denen die neue Technologie zum Einsatz kam. Foto: dpa

Osnabrück. Rewe und die Bundesregierung feiern den Durchbruch beim Kükentöten. Das gibt allerdings Anlass zum Nachdenken. Ein Kommentar.

Man kann der Rewe-Gruppe zu ihrer weitsichtigen Investition in den Ausstieg aus dem Kükentöten nur gratulieren. Das bezieht sich gar nicht mal so sehr auf den Tierschutz-Fortschritt. Zumal es bis zum tatsächlichen Ausstieg noch lange hin ist. 

Nein, es bezieht sich vor allem auf den enormen Image-Gewinn, den Rewe dadurch erzielt. Und das alles auch noch mit dem Segen der Bundesregierung, die den Händlern in der Vergangenheit immer wieder vorgeworfen hat, Lebensmittel zu verramschen.

Es sollte aber auch zu denken geben. Die Erwartungshaltung der Gesellschaft hat sich in vielen Bereichen gewandelt, auch die an die Tierhaltung. Die Agrarbranche hat es nicht rechtzeitig geschafft, die Produktion in Einklang zu bringen mit der Erwartungshaltung: Küken wurden weiter vergast und die Politik schaute weitgehend tatenlos zu.

Nun reagiert der Handel. In diesem Fall investiert er selbst in die Alternativtechnik, in anderen schreibt er einfach vor, wie zu produzieren ist. Wer nicht mitmacht, kommt halt nicht ins Regal – so einfach ist das mittlerweile. Die Marktmacht von Lidl, Aldi, Edeka und Rewe macht es möglich. Längst sind die vier Unternehmen Taktgeber der Entwicklung. Womöglich als nächstes bei der betäubungslosen Ferkelkastration.

Das ist schlecht für die Bauern und peinlich für die Politik. Dem Verbraucher ist es egal, solange er nicht den Preis dafür zahlen muss.


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