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10.10.2018, 18:30 Uhr TARIFGESPRÄCHE BEI DER BAHN

Konflikt zur Unzeit

Kommentar von Manuel Glasfort

Bahnchef Richard Lutz steht eine harte Tarifrunde ins Haus. Foto: dpaBahnchef Richard Lutz steht eine harte Tarifrunde ins Haus. Foto: dpa

Osnabrück. Mit happigen Forderungen ziehen die Gewerkschaften EVG und GDL in die Tarifrunde mit der Deutschen Bahn. Dabei haben die Arbeitnehmervertreter natürlich Verhandlungsspielraum mit eingepreist. Auch die Gewerkschaften werden wissen, dass ein Lohnplus von 7,5 Prozent nicht durchsetzbar sein wird.

Ein harter Tarifkonflikt ist so ziemlich das Letzte, was das Management des Staatskonzerns im Moment gebrauchen kann. An Problemen mangelt es nämlich nicht: Die Züge im Fernverkehr sind unpünktlich wie selten, was die Langmut der Fahrgäste auf eine harte Probe stellt. Die Gütersparte schwächelt, der Gewinn schrumpft. Hinzu kommt der Sanierungsstau am Streckennetz, der nur peu à peu behoben wird. Und während Fernbusse und Billigflieger der Bahn starke Konkurrenz machen, soll der Konzern auf Wunsch der Politik die Fahrgastzahlen bis 2030 verdoppeln.  

In dieser Gemengelage kann das Bahnmanagement sich einen völlig eskalierenden Tarifkonflikt mit Streiks nicht erlauben – das wissen auch die Gewerkschaften. Von ihren Forderungen könnte am Ende mehr übrig sein, als es die schwierige Lage des Konzerns eigentlich vermuten ließe.


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