Osnabrücker Unternehmen im Porträt IT-Firma Intevation setzt auf Open-Source-Software

Von Anja Steinbuch

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Sicherheit ist ein wichtiges Thema in der Computerfachwelt. Auch die Osnabrücker Firma Intevation befasst sich damit. Foto: dpaSicherheit ist ein wichtiges Thema in der Computerfachwelt. Auch die Osnabrücker Firma Intevation befasst sich damit. Foto: dpa

Osnabrück. Von kostspieligen Software-Lizenzen hält Bernhard Reiter nichts. Er ist einer von drei Geschäftsführern des Osnabrücker IT–Unternehmens Intevation. Der Dienstleister hat sich auf freie Programme – Open-Source-Software – spezialisiert.

Beispiele sind das Verschlüsselungsprogramm Gpg4win und die Versammlungssoftware OpenSlides. „Wer sich so etwas runterlädt, darf das nicht nur nutzen, er besitzt sie auch und den Bauplan dazu“, erklärt Reiter. „So kann jeder Anwender das Produkt weiterentwickeln und an seine Bedürfnissen anpassen.“

Geld lässt sich mit Open-Source-Programmen trotzdem verdienen. Intevation beispielsweise liefert maßgefertigte Software für die Kundschaft, die zu 90 Prozent aus Landes- und Bundesbehörden besteht. Das liegt daran, dass das Unternehmen regelmäßig an Ausschreibungen von Behörden aus ganz Deutschland teilnimmt. Seit fünf Jahren ist ein Expertensystem „made in Osnabrück“ für die deutschen Bundeswasserstraßen bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde im Einsatz. Für das Bundesfamilienministerium schneiderte das Team vom Neuen Graben für mehrere Förderprogramme wie die Jugendmigrationsdienste Antrags- und Monitoringsoftware.

Hier spielt das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle. Das bestätigte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), als 2013 das Gerücht aufkam, die Open-Source-Software Gpg4win zur E-Mail-Verschlüsselung sei „möglicherweise mit Hintertürchen“ versehen. Eine von Intevation abgesicherte E-Mail-Kommunikation von Edward Snowden konnte selbst die amerikanische Sicherheitsbehörde NSA damals nicht einsehen.

Seit fast zwei Jahrzehnten im Geschäft

Intevation seit bald zwei Jahrzehnten im Geschäft. Zusammen mit seinen Co-Geschäftsführern Jan-Oliver Wagner und Frank Koormann gründete Reiter das Unternehmen bereits 1999. Der Start-up-Phase ist die Firma längst entwachsen. Inzwischen beschäftigt Intevation 25 Mitarbeiter und bildet selbst junge Leute zu Fachinformatikern für Systemintegration und Fachinformatikern für Anwendungsentwicklung aus. Den Jahresumsatz beziffert Koormann auf rund 1,5 Millionen Euro.

Ein weiteres Standbein der Osnabrücker neben der Arbeit für Behörden ist das Open-Source-Projekt OpenSlides. Es ist für Vereine, Parteien und andere Organisationen gedacht, die Versammlungen und Konferenzen organisieren. Es wurde bereits auf Versammlungen mit Hunderten Nutzern erprobt. So hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) OpenSlides auf seinem letzten Bundeskongress im Mai eingesetzt.

Software für papierlose Versammlung

Auch Parteien sowie kleinere und größere Verbände in Deutschland nutzen inzwischen das Programm, um ihre Veranstaltungen digitaler und transparenter zu gestalten. Warum? Die Software setzt auf papierlose Versammlung: Neben den bereits digital verwaltbaren Anträgen können persönliche Notizen eingefügt werden. Auch dieses Produkt schneidert Intevation auf Wunsch nach Maß: Deshalb setzt sich der Preis je nach Größe der Organisation, Zeitspanne der Veranstaltung und Aufwand für das Hosting zusammen. Ziel für die Intevation-Geschäftsführung ist es, auch die Bezahlsysteme zu automatisieren, „damit wir mehr Zeit haben, neue Ideen zu entwickeln“, erklärt Geschäftsführer Reiter.

Die Osnabrücker suchen regelmäßig Kontakt zu Partnerunternehmen weltweit und tauschen Know-how aus. Dahinter steht die Philosophie, nach der Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse nicht in einem Tresor einschließen, sondern sie öffentlich publizieren und dadurch weltweit jeden Kollegen zur Kritik und Weiterentwicklung einladen. Reiter: „Wissen und Innovation werden somit zu einem öffentlichen Gut.“

Vereine als Zielgruppe

Die rund 600 000 Vereine in Deutschland mit etwa 60 Millionen Mitgliedern hat so manche Softwarefirma als interessante Zielgruppe erkannt. Die Stammdaten- und Mitgliederverwaltung, Abrechnung von Beiträgen und Kommunikation mit Mitgliedern und Partnern bieten sich für eine Transformation aus der analogen in die digitale Welt geradezu an. „Mit vernünftiger Vereinssoftware lässt sich der Aufwand für die meist ehrenamtlichen Mitarbeiter deutlich verringern, von 40 Stunden auf vier Stunden wöchentlich“, erläutert Alexander Adam, Geschäftsführer von campai.

Das Berliner Unternehmen gehört mit 6000 Kegel- und Fußball-, Kunst- und Umweltschutzvereinen als Kunden zu den größeren Mitspielern auf dem Nischenfeld der digitalen Lösungen für Non-Profit-Organisationen. Die browserbasierte Software ist kostenlos. Geld verdienen will man durch die Einbindung von kommerziellen Partnern wie Banken, Caterern und Versicherungen, die den Vereinen Tools etwa für die Automatisierung von Beitragsabrechnungen anbieten, welche dafür dann eine Gebühr von zwei bis drei Prozent zahlen. Zum Thema Sicherheit sagt Adam: „Wir handeln nicht mit den Daten unserer Vereine, sondern verwalten sie nur in einem hochsicheren Server in einem Rechenzentrum in Deutschland.“


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