Klimakonzept der Bundesregierung RWE schaltet zwei Braunkohleblöcke ab – Stromkunden zahlen Vergütung

Von dpa

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Der Tagebau Garzweiler vor dem RWE-Kraftwerk Niederaußem, wo nun zwei Blöcke abgeschaltet sind. Foto: dpa/Oliver BergDer Tagebau Garzweiler vor dem RWE-Kraftwerk Niederaußem, wo nun zwei Blöcke abgeschaltet sind. Foto: dpa/Oliver Berg

Essen. Es ist ein Schritt zum Ausstieg aus der Braunkohleverstromung. Im Rheinischen Revier schaltet RWE zwei kleinere Braunkohleblöcke ab – und bekommt dafür Geld. Denn die Anlagen müssen vier Jahre in Bereitschaft bleiben.

Der Energiekonzern RWE hat am Sonntag zwei Braunkohleblöcke in seinem Kraftwerk Niederaußem im Rheinischen Revier abgeschaltet. Die Anlagen sind noch nicht endgültig stillgelegt worden, sondern gehen für vier Jahre in eine Sicherheitsbereitschaft, wie ein RWE-Sprecher sagte. Die Abschaltung ist Teil eines Klimaschutz-Konzepts der Bundesregierung.

Wenn es größere Probleme bei der Stromversorgung in Deutschland geben sollte, müssen die Blöcke innerhalb von zehn Tagen wieder betriebsbereit sein. RWE erhält dafür eine Vergütung, die von den Stromkunden über die Netzentgelte bezahlt werden muss.

Die beiden Anlagen in Niederaußem gehören zu den ältesten Braunkohleblöcken im RWE-Kraftwerkspark. Sie wurden 1970 und 1971 in Betrieb genommen und haben eine Leistung von jeweils 300 Megawatt.

Laut RWE reichen die Kohlevorkommen im Tagebau Hambach und Garzweiler (Foto) bis Mitte des Jahrhunderts. Foto: dpa/Oliver Berg

Sie erzeugten seither nach Firmenangaben zusammen rund 200 Milliarden Kilowattstunden Strom. Das würde ausreichen, um die Einwohner einer Millionenstadt wie Köln mehr als 100 Jahre lang mit Strom zu versorgen - vorausgesetzt, ihr Stromverbrauch bliebe konstant. In dem Kraftwerk produzieren fünf weitere Blöcke Strom, darunter eine Anlage mit einer Leistung von 1000 Megawatt.

Die schrittweise Abschaltung von insgesamt acht Braunkohleblöcken im Rheinischen Revier und in Ostdeutschland war 2015 als Maßnahme zum Klimaschutz vereinbart worden. Insgesamt sollen 2700 Megawatt Braunkohle-Kapazität vom Netz genommen werden. Durch die Stilllegungen soll im Jahr 2020 in Deutschland der Ausstoß von 12,5 Millionen Tonnen des Klimagases CO2 vermieden werden.

Auch im Lausitzer Braunkohlerevier wurde am Standort Jänschwalde ein Kraftwerksblock vom Netz genommen. Es war das erste Mal, dass das Lausitzer Revier von der Regelung betroffen war. Der Block bleibt zunächst in einer Sicherheitsbereitschaft und kann bei Bedarf wieder hochgefahren werden. Danach wird er endgültig stillgelegt. Im kommenden Jahr wird ein weiterer Block in Jänschwalde vom Netz genommen. Anlagenbetreiber ist die Lausitz Energie Kraftwerke AG.

Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen: Die Lausitz Energie Bergbau AG nahm einen der sechs Blöcke vom Netz. Foto: dpa/Patrick Pleul/ZB

Milliardensumme als Entschädigung

Die als besonders klimaschädlich kritisierte Braunkohle deckt in Deutschland rund ein Viertel des deutschen Strombedarfs, in NRW sogar rund 40 Prozent.

RWE hatte 2017 bereits zwei 300-Megawatt-Braunkohleblöcken in Grevenbroich-Frimmersdorf abgeschaltet. Bis 2030 rechnet RWE unter anderem durch die Schließung des Tagesbaus Inden mit 40 bis 50 Prozent weniger CO2-Ausstoß.

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Kritiker verweisen allerdings darauf, dass RWE für die Abschaltung der alten Kraftwerksblöcke aus den 1960er- und 1970er-Jahren hohe Entschädigungen kassiert. Insgesamt fließen an die Braunkohlekonzerne in Deutschland rund 1,6 Milliarden Euro – bezahlt von den Stromkunden über höhere Netzentgelte.


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