Vor Luftfahrtgipfel in Hamburg Gewerkschaft: Engpass bei Flugsicherung wird noch schlimmer

Von dpa

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Fluglotsen sitzen im Kontrollraum der Deutschen Flugsicherung (DSF) in Karlsruhe an ihren Arbeitsplätzen. Foto: Uli DeckFluglotsen sitzen im Kontrollraum der Deutschen Flugsicherung (DSF) in Karlsruhe an ihren Arbeitsplätzen. Foto: Uli Deck

Frankfurt/Hamburg. Ausfälle und Verspätungen haben den Passagieren in diesem Sommer das Fliegen verleidet. Nächste Saison will die Branche alles besser machen. Doch an einer entscheidenden Stelle wird es weiter haken.

Nach dem europäischen Luftverkehrschaos im Sommer sehen die deutschen Fluglotsen keine Anzeichen für eine Verbesserung im kommenden Jahr.

„In diesem Jahr hatten wir Wind, 2019 werden wir starken Wind haben und dann kommt der Sturm“, sagte der Chef der Gewerkschaft der Flugsicherung, Matthias Maas, der Deutschen Presse-Agentur vor dem Luftfahrtgipfel am 5. Oktober in Hamburg.

Ein wichtiger Grund für die zahlreichen Verspätungen und Flugausfälle sei die seit langem bekannte Personalnot bei den europäischen Flugsicherungen, für die es keine schnelle Lösung gebe. „Die Airlines und die Flughäfen können schnelle Verbesserungen für das kommende Jahr erreichen, aber die Ausbildung neuer Lotsen dauert vier bis fünf Jahre“, sagte der Gewerkschafter. Europaweit sei der Markt für fertig ausgebildete Lotsen leergefegt. Allein im Zentrum Karlsruhe zur Überwachung des oberen deutschen Luftraums fehlten rund hundert Leute.

Maas kritisierte erneut, dass verschiedene Luftverkehrs- Gewerkschaften nicht zu dem Gipfel eingeladen wurden. In der Hansestadt kommen am Freitag Vertreter des Bundes, der Länder, der Flugsicherung, der Airlines und der Flughäfen zusammen, um die Ursachen der Verspätungen anzugehen. „Wenn man über zusätzliche Arbeitsverdichtung und Überstunden sprechen will, wird das ohne uns nicht gehen“, erklärte der Chef der GdF, die bei der bundeseigenen Deutschen Flugsicherung viele Mitglieder hat.

Maas machte erneut Vorgaben der EU-Kommission für die Lotsen-Misere verantwortlich. Die Verkehrsprognosen für die bis 2019 laufende Regulierungsperiode seien viel zu niedrig gewesen. Die daraus abgeleiteten Kostenvorgaben und Personaleinsparungen bei den nationalen Flugsicherungen schlügen nunmehr voll auf das operative Geschäft durch.

Maas appellierte an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), sich in Brüssel für Regelungen einzusetzen, die den Flugsicherungen „die Luft nicht noch weiter abschnüren“. Derzeit würden die EU-Vorgaben bis 2024 abgestimmt und es seien weitere Verschärfungen zu befürchten. Die EU sei ständigem Lobby-Druck seitens der Airlines ausgesetzt. „Ryanair-Chef Michael O'Leary und seine Kollegen ernten jetzt genau das, was sie in den letzten Jahren selbst gesät haben“, meinte Maas. Er hoffe, dass die hohen Verspätungskosten bei den Fluggesellschaften ein Umdenken einleiteten.

Die GdF werde an der Verbesserung der Situation nur mitwirken, wenn die Deutsche Flugsicherung (DFS) einen „stimmigen Ausbildungs- und Zukunftspakt“ anbiete, sagte Maas. Die bislang angekündigte Aufnahme von jährlich 120 Lotsenschülern über die kommenden fünf Jahre reiche gerade aus, um die altersbedingten Abgänge auszugleichen. „Der notwendige Personalaufbau ist damit noch nicht verbunden.“


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