Angeschlagene Landesbank Nord/LB streicht Hunderte Stellen und erwartet Verluste

Von Manuel Glasfort und Klaus Wieschemeyer

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Markante Silhouette: Die Zentrale der Nord/LB in Hannover fällt auf. Foto: dpaMarkante Silhouette: Die Zentrale der Nord/LB in Hannover fällt auf. Foto: dpa

Osnabrück/Hannover. Die Nord/LB steht vor einer weiteren Sparrunde. Die Rückstellungen für den Abbau von 430 Jobs dürften das Institut zunächst wieder in die Verlustzone drücken, hieß es. Unterdessen gehen die Gespräche mit potenziellen Investoren weiter.

Norddeutschlands größte Landesbank Nord/LB treibt ihren Umbau voran und wird in diesem Jahr voraussichtlich wieder in die roten Zahlen rutschen. Die Rückstellungen für den geplanten Abbau von 430 Jobs würden spürbar dazu beitragen, den Konzern 2018 in die Verlustzone zu drücken, teilte die Nord/LB am Mittwoch in Hannover mit. Erreicht werden soll der Personalabbau demnach durch eine interne Neuordnung der Kreditprozesse und Stabsfunktionen. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dank einer entsprechenden Vereinbarung mit der Personalvertretung unterbleiben, stattdessen werden Vorruhestands- und Abfindungsregelungen angestrebt.

Die Bank leitet damit die zweite Phase ihres Umbauprogramms One Bank ein. In einer ersten Abbaurunde waren bereits Vereinbarungen mit 420 Mitarbeitern getroffen worden, vor allem in Oldenburg und Bremen, den Standorten der übernommenen Bremer Landesbank (BLB). Insgesamt will der Konzern, der nach Angaben eines Sprechers derzeit noch 5900 Mitarbeiter beschäftigt, bis Ende 2020 rund 1250 Stellen einsparen.

Nord/LB-Chef Thomas Bürkle betonte, mit der Umsetzung des One-Bank-Programms befinde man sich „voll im Plan“. Er erklärte weiter: „Hierbei fallen zunächst Aufwendungen an, die sich mittel- und langfristig jedoch auszahlen werden. Die konsequente Neuaufstellung der Bank auf der Kapital-, Risiko- und Kostenebene hat für uns höchste Priorität und ist wichtiger als ein positives Jahresergebnis für das laufende Jahr.“ Nach Milliardenverlusten im Jahr 2016 war die Nord/LB erst im vergangenen Jahr in die Gewinnzone zurückgekehrt – unter dem Strich blieben 135 Millionen Euro.

In Schieflage wegen fauler Schiffskredite

Die Nord/LB war wegen fauler Schiffskredite in eine finanzielle Schieflage geraten und benötigt dringend mehr Eigenkapital. Der Konzern gehört zu 59,1 Prozent dem Land Niedersachsen, zweitgrößter Anteilseigner ist der Sparkassenverband Niedersachsen mit 26,4 Prozent. Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) stellte sich am Mittwoch hinter das Management: „Ich gebe dem Vorstand ausdrücklich meine Rückdeckung, wenn die Bank ihre Hausaufgaben macht. Auch wenn das aktuell die Gewinn-und-Verlust-Rechnung belastet, zahlt sich der Prozess aus.“

Kritik kam von der Opposition im Landtag. Stefan Wenzel, haushalts- und finanzpolitischer Sprecher der Grünen, sagte: „Der Zustand der Nord/LB ist mehr als ärgerlich. Bei der Vergabe von Schiffskrediten wurden Grundregeln des Bankgeschäfts missachtet. Wir fordern hier konsequente Aufklärung.“ Der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Christian Grascha, kritisierte: „Die Entwicklung der Bank ist weiterhin besorgniserregend.“ Dass nun der Aufsichtsratsvorsitzende und Finanzminister Hilbers schon öffentlich dem Vorstand sein Vertrauen aussprechen müsse, sei ein „Pfeifen im Walde“.

Einstieg privater Investoren wird geprüft

Die Eigentümer suchen derzeit nach Wegen, die Kapitalquoten zu stärken, und prüfen auch den Einstieg privater Investoren. Die US-Investmentbanken JP Morgan und Houlihan Lokey stehen der NordLB bei den Gesprächen mit potenziellen Investoren beratend zur Seite. „Es hatte bereits Vorgespräche geben. Der eigentliche Investorenprozess ist jetzt angelaufen“, sagte Nord/LB-Sprecher Jan-Peter Hinrichs im Gespräch mit unserer Redaktion. Es handle sich um einen mehrstufigen Bieterprozess. „Am Ende ist aber noch keine endgültige Entscheidung darüber getroffen, ob tatsächlich private Investoren einsteigen sollen“, betonte Hinrichs. Spätestens zum Jahresende wollen Bank und Eigentümer ein Konzept vorlegen, wie die Nord/LB künftig aufgestellt sein soll.  

Erst zu Jahresbeginn hatten die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein verkündet, ihre Landesbank HSH Nordbank für eine Milliarde Euro an private Investoren zu verkaufen - unter Milliardenverlusten für die Steuerzahler.


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