Hoher Exportanteil deutscher Hersteller Windkraft: "Wir müssen uns der Diskussion stellen"

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Die Windbranche trifft sich zur Leitmesse WindEnergy in Hamburg. Der Diskussion um mehr Akzeptanz muss sich die Branche stellen, sagt innogy-Vorstand Hans Bünting. Foto: Patrick Pleul/dpaDie Windbranche trifft sich zur Leitmesse WindEnergy in Hamburg. Der Diskussion um mehr Akzeptanz muss sich die Branche stellen, sagt innogy-Vorstand Hans Bünting. Foto: Patrick Pleul/dpa

Hamburg. Ein ambitionierter und dynamischer Heimatmarkt ist die Voraussetzung dafür, dass die europäische Windindustrie auch weiterhin eine führende Position im Weltmarkt haben wird, ist Matthias Zelinger, Geschäftsführer VDMA Power Systems. Der Exportanteil deutscher Anlagenhersteller und Zulieferer liege bei zwei Drittel. Der Akzeptanz der Windindustrie hilft das nicht. "Wir müssen uns der Diskussion stellen", sagte Hans Bünting, Vorstand erneuerbare Energie bei innogy, im Rahmen der WindEnergy Hamburg.

Auch wenn die Windenergie mittlerweile eine wettbewerbsfähige Form der Stromerzeugung ist, steckt die Industrie in einem Dilemma, machte Markus Tacke, CEO von Siemens Gamesa und Vorstandsvorsitzender von VDMA Power Systems, am Mittwoch auf der Leitmesse WindEnergy in Hamburg deutlich. „Die Hersteller von Windenergieanlagen sehen derzeit ein leichtes Kapazitätswachstum am Weltmarkt, das allerdings die Kostensenkungen wohl nicht kompensiert. So verzeichnet die Branche niedrigere Umsätze, während die installierte Kapazität weiter wächst“, sagte er mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen. Mit Blick auf die Märkte sei Europa zwar weiterhin eine starke Säule, das Volumen bleibe jedoch stabil. Wachstum kommt laut Tacke unter anderem aus den APAC-Staaten und Lateinamerika.

Auswirkungen des Brexits ungewiss

Wie sich der Brexit auf die Windbranche auswirken wird, konnten Markus Tacke und Bernhard Zangerl, Geschäftsführer der Bachmann electronic GmbH und Vorstandsmitglied von VDMA Power Systems, nicht sagen. "Wenn am Ende des Tages Handelsbarrieren stehen, wird sich das negativ auf unser Geschäft auswirken", so Zangerl. Diese würden die Produkte verteuern, ergänzte Tacke. Ebenso wie Zangerl plädierte er für einen freie Handel und den Transfer von Wissen. "Wir konnten unseren britischen Standort in Hull auch deshalb aufbauen, weil Mitarbeiter aus Dänemark oder auch Deutschland ihr Wissen eingebracht haben", so Tacke. Aktuell habe man am Standort hinsichtlich des day-to-day-business noch keine Konsequenzen aus dem Brexit gezogen.

Bürgerbeteiligung für mehr Akzeptanz

Trotz des Kapazitätsausbaus: In Deutschland hat die Windkraft zunehmend ein Akzeptanzproblem, sagte Hans Bünting, Vorstand Erneuerbare Energie des Essener Energieunternehmens innogy. „Wir treffen lokal mehr und mehr auf Widerstand bei der Genehmigung.“ Allerdings: Der Diskussion um Windenergie müsse sich das Unternehmen ebenso wie die Bundesregierung stellen. Als einen Weg hin zu mehr Akzeptanz sah Bünting unter anderem eine Beteiligung der Bürger. Auch für eine Ausschreibung nach dem britischen Contract for Difference-Verfahren (CfD) sprach sich der innogy-Vorstand aus. Es bringe der Branche die notwendige Erlös-Sicherheit, verleite aber nicht zu Spekulationen auf höhere Preise. 

Zwar geht es auf der Hamburger Leitmesse vorrangig um Windenergie, dennoch hatte Bünting auch in Sachen Solarenergie Neuigkeiten mitgebracht. Innogy starte in Australien mit dem Bau seines ersten Freiflächen-Solarkraftwerks. Die Inbetriebnahme der Anlage werde schrittweise erfolgen, 2020 soll die Anlage mit einer installierten Leistung von 349 Megawatt Peak (MWp) vollständig in Betrieb sein. Zusammen mit einem weiteren Projekt mit einer Kapazität von 115 MWp investiert innogy einschließlich des Erwerbs der Projektrechte mehr als 400 Millionen Euro.

Zusammenschluss mit Eon Mitte nächsten Jahres?

Auch die Integration der Marke innogy in den Essener Energiekonzern Eon war im Gespräch ein Thema. Wird der Deal kartellrechtlich genehmigt, geht Bünting von einer Integration der Marke in der zweiten Jahreshälfte 2019 aus.  "Innogy wird es also noch eine ganze Weile als unabhängiges Unternehmen geben", betonte der Vorstand. In dieser Zeit sei man auch Konkurrenz. Mit Blick auf die Integration von innogy in Eon werde auch ergebnisoffen geprüft, in welchen Bereichen die jeweiligen Unternehmen aktuell besser aufgestellt sind. Stärken von innogy sah Bünting zum Beispiel Im Bereich E-Mobilität.


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