Welthandel Zahl der Schiffe in der deutschen Handelsflotte sinkt weiter

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Abfertigung von Containerschiffen im Hamburger Hafen. Die Zahl der Schiffe in der deutschen Handelsflotte sinkt weiter. Foto: Axel Heimken/dpaAbfertigung von Containerschiffen im Hamburger Hafen. Die Zahl der Schiffe in der deutschen Handelsflotte sinkt weiter. Foto: Axel Heimken/dpa

Osnabrück. Die Konflikte in der internationalen Handelspolitik alarmieren auch die deutschen Reeder, die weltweit um Marktanteile kämpfen. Die Branche bleibt unter Druck.

„Die Behinderung des freien Welthandels durch Sanktionen und Strafzölle ist bedenklich. Populistische Strömungen in vielen Teilen der westlichen Welt und der damit verbundene Wunsch, das Rad der Globalisierung zurückzudrehen, sehen wir sehr kritisch““, sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR), unserer Redaktion zum heutigen Weltschifffahrtstag.

Akueller Anlass für die wachsende Sorge ist der Containerumschlag-Index des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung und des Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik. Er ist im August mit 132,8 Punkten gegenüber dem Vormonat mit 132,6 Punkten nahezu gleich geblieben. Damit verharrt er deutlich unter dem zu Beginn des Jahres erreichten Höchstwert. Die Entwicklung seit Jahresbeginn, so die Marktbeobachter, sei ein Indiz dafür, dass der Welthandel stagniert.

Die aktuellen Handelskonflikte, ausgelöst vor allem durch US-Präsident Donald Trump, belasten die Weltwirtschaft. Zuletzt hatte Washington neue Abgaben auf chinesische Importe im Umfang von 200 Milliarden Dollar in Kraft gesetzt. Seit Monaten überziehen sich die zwei größten Volkswirtschaften gegenseitig mit Strafzöllen und immer neuen Drohungen. Das droht auch an der maritimen Frachtbeförderung nicht spurlos vorbeizugehen.

Viele Reeder erwarten negative Folgen durch mögliche Schutzzölle und andere Handelsbarrieren zwischen den großen internationalen Märkten. Das geht aus einer Erhebung der Beratungsfirma Moore Stephens im September hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Tatsächlich könnten eskalierende Handelsstreitigkeiten die weltweite Arbeitsteilung und die damit verbundenen Warenströme nachhaltig beeinträchtigen. Unmut bereiten auch die Wettbewerbsvorteile chinesischer und südkoreanischer Schifffahrtsunternehmen, die nach wie vor von staatlichen Hilfen profitieren. Wie geht es also in Zukunft weiter?

Hart umkämpfter internationaler Markt

„Die Prognose hängt natürlich wesentlich davon ab, ob der Handelskonflikt der USA mit China eskaliert. Aber momentan sieht es nicht danach aus, als würden die Einfuhren der USA insgesamt sinken, denn sie stimulieren sogar noch die Binnennachfrage. Sie importieren folglich aus anderen Ländern“, sagt RWI-Konjunkturexperte Roland Döhrn: „Alles in allem ist ein weiter steigender Welthandel zu erwarten, wenn der Anstieg im langfristigen Vergleich auch moderat ausfallen dürfte“.

Natürlich habe die protektionistische Politik das Potenzial, den Welthandel dauerhaft zu dämpfen, sagt Döhrn: „Aber momentan ist das noch – ich denke bei fast allen Prognostikern – das Risikoszenario und nicht die zentrale Annahme der Prognose.“ Auch neue Märkte in den Schwellenländern sorgen für belebung.

Zur Beruhigung der deutschen Reeder taugt als das nur bedingt. Schon seit Jahren ist die hiesige Handelsschifffahrt unter Druck. Von fast 3800 Seeschiffen im Jahr 2011 sank die Flotte, die im deutschen Eigentum und unter Management in Deutschland betrieben wird, zum Stichtag 30. Juni in dieses Jahres nunmehr auf 2404 Schiffe. Das entspricht in etwa dem Niveau von 2003.

Zwar hat sich seitdem gleichzeitig das Transportvolumen infolge größerer Schiffe verdoppelt. Gleichwohl verlieren die deutschen Reeder international kontinuierlich Marktanteile bei beständig wachsendem Seehandelsvolumen, wie man auch beim Verband Deutscher Reeder einräumt.

Teure Schiffe zu Boomzeiten gekauft

So manche Reederei leidet demnach auch noch unter den Schiffskäufen, die sie in den Boomjahren von 2000 bis 2008 getätigt hat. Kreditforderungen der Banken bei gleichzeitiger Verschärfung des internatiomnalen Wettbewerbs machen so manchem Unternehmen das Leben schwer.

Weltweit befindet sich die Schifffahrtsindustrie im rasanten Wandel. Fortschreitende Digitalisierung und steigende Anforderungen an Klima- und Umweltschutz verschärfen den Wettbewerb. „Der Kuchen ist groß genug“, heißt es beim VDR, nun gehe es darum, sich ein ausreichendes Stück zu sichern.


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