Wirtschaftsmacht Volksrepublik Der Riese aus Fernost in Grafiken: So gigantisch ist China

Dirk Fisser und Anna Behrend

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Shanghai bei Nacht. Foto: dpa/Ole SpataShanghai bei Nacht. Foto: dpa/Ole Spata

Peking. Heiko Maas besucht mit China einen wichtigen Handelspartner Deutschlands. Die boomende Volksrepublik im Grafik-Porträt.

Berlin und Peking hätten ein gemeinsames Interesse am Ende der Handelskonflikte, sagte Außenminister Heiko Maas im Zuge seines Antrittsbesuchs in China. Bei seinen Gesprächen werde es auch darum gehen, was China etwa mit einer stärkeren Marktöffnung oder einem besseren Schutz geistigen Eigentums dazu beitragen könne.

Wie stark Chinas Rolle im internationalen Handel ist, zeigt sich etwa in der Handelsbilanz mit Deutschland oder den USA: In beiden Fällen exportiert China mehr als es importiert. An dieser negativen Handelsbilanz stört sich US-Präsident Donald Trump.

Der Aufstieg Chinas zur weltweiten Wirtschaftsmacht erfolgte binnen weniger Jahre. Ein wichtiger Faktor sind günstige Arbeitskräfte. Die Bevölkerungspolitik war seit der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 eines der wichtigen politischen Themenfelder. Mit einer Ein-Kind-Politik wollte die kommunistische Führung das Bevölkerungswachstum in den 70ern ausbremsen. Mittlerweile zeichnet sich aber ein demographischer Wandel ab, wie ihn Deutschland bereits durchlebt. Hinzu kommt ein Männerüberschuss. Deswegen gilt seit 2016 eine Zwei-Kind-Politik. Chinas Bevölkerung soll wieder wachsen. So oder so – die Zahl der Chinesen übertrifft die Bevölkerungszahl aller anderen Nationen bei Weitem.

Die fast 1,4 Milliarden Chinesen sind sehr ungleich über das Land verteilt. Ein großer Teil wohnt im Osten Chinas. Hier ballen sich mehrere Millionenstädte, am bekanntesten wohl die Hauptstand Peking im Nordosten mit ihren etwa 21,5 Millionen Einwohnern innerhalb der Metropolregion.

Die Ausmaße der Stadt sind gewaltig. Neben dem Stadtkern mit etwa 7,7 Millionen Einwohnern gehören dazu aber auch weitläufige ländliche Strukturen. Ein Vergleich: Die Fläche Pekings ist etwa 140 mal so groß wie die Osnabrücks.

Gerade das Wachstum der Städte ist imposant. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2010 kamen insgesamt 85 Städte mit mehr als einer Millionen Einwohner zusammen. Das stärkste Wachstum hat Shenzhen in der Nähe von Honkong hingelegt. Die Zahl der Einwohner ist seit 1990 von gut einer Million auf mehr als zehn Millionen gewachsen. Die Ausdehnung der Planstadt lässt sich am besten aus der Luft nachvollziehen:

Bilder: Google Earth / Image Landsat / Copernicus

Trotz ihrer Größe ist die Sonderwirtschaftszone Shenzhen im Westen weit weniger bekannt als beispielsweise Peking. Auch die chinesischen Superreichen und deren Unternehmen sind in Europa den wenigsten ein Begriff. Dabei wächst ihre Zahl stetig. Nach einer Mitteilung der Beratungsfirma „Bain Consulting“ und der „China Merchants Bank“ verfügten im vergangenen Jahr 1,6 Millionen Chinesen über ein Anlagevermögen von jeweils mindestens zehn Millionen Yuan – umgerechnet etwa 1,3 Millionen Euro. Das waren demnach fast neun Mal so viele Millionäre wie noch 2006. 

Die besonders Reichen unter ihnen rücken dabei in der berühmten Forbes-Vermögensliste immer weiter vor. Die Superreichen aus der Volksrepublik stellen deutsche Milliardäre längst in den Schatten. Vier chinesische Milliardäre stehen auf der Liste vor den reichsten Deutschen, Karl Albrecht Junior und Beate Heister, den Kindern von Aldi-Gründer Karl Hans Albrecht.

Die Superreichen sind die größten Profiteure des wirtschaftlichen Aufschwungs, den China in den vergangenen Jahren hingelegt hat. Wachstumstreiber der Wirtschaft war zuletzt aber vor allem der Konsum. Nach Angaben der chinesischen Statistikbehörde nahm der Umsatz im Einzelhandel um 10,2 Prozent zu. In der Gesamtschau ist die wirtschaftliche Leistung 2017 mehr als drei Mal so groß gewesen wie die in Deutschland. Bis zum Niveau der Wirtschaftsmacht USA ist es aber noch ein weiter Weg. 

Bei der Wirtschaftsleistung pro Kopf landet China im weltweiten Vergleich allerdings eher im Mittelfeld, gerade in ländlichen Regionen leben Menschen in Armut.

Trotzdem kommt der Aufschwung auch in breiteren Bevölkerungsschichten an. Ein guter Indikator ist die Anzahl der Autos pro Einwohner, denn der eigene Pkw ist eines der Statussymbole in China. Auf 1000 Chinesen kommen 90 Autos. Die Fahrzeuge ballen sich nach Angaben des Autoexperten Ferdinand Dudenhöfer vor allem in den schon jetzt überfüllten Städten – Tendenz steigend. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa 550 Pkw pro 1000 Einwohner.

Das Wachstum hat seinen Preis: Umweltverschmutzung zählt zu den Top-Themen in China. Gerade Städter sehen nur selten den blauen Himmel. Smog liegt über den Metropolen. Dabei ist der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß in China laut Berechnungen des „Global Carbon Atlas“ nach wie vor geringer als der in Deutschland und in den USA.

Auch wenn der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß in China noch geringer ist als in Deutschland oder den USA: Der Anstieg in den letzten 20 Jahren ist beachtlich, der Effekt des wirtschaftlichen Aufstiegs klar sichtbar.


So gigantisch China und sein Einfluss in der Welt jetzt bereit sind, so wird es in den kommenden Jahren voraussichtlich noch deutlich an Bedeutung gewinnen. Derzeit etwa schmiedet das autoritäre Regime im Projekt "Neue Seidenstraße" weltweit Allianzen und baut Straßen, Häfen, Bahnlinien und Flughäfen aus, entlang derer sich künftig chinesische Güter noch besser exportiert lassen sollen. Dass US-Präsident Trump sich aus internationalen Abkommen zurückzieht und damit ein Machtvakuum hinterlässt, könnte den Aufstieg des Riesen China sogar noch befeuern. Damit hätte Trump genau das Gegenteil von dem erzielt, was er mit seinem Handelskrieg gegen China eigentlich bewirken wollte.


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