Jetzt müssen die Autobauer liefern EU-Umweltpolitiker wollen CO2-Ausstoß bis 2030 nahezu halbieren

Von Detlef Drewes

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Der Schadstoffausstoß ist noch zu groß.  Foto: dpa/Franziska KraufmannDer Schadstoffausstoß ist noch zu groß. Foto: dpa/Franziska Kraufmann

Brüssel/Straßburg . Bis zur letzten Minute hatten die Vertreter der Auto-Industrie alles versucht, um die Umweltpolitiker des Europäischen Parlamentes umzustimmen. Doch gestern Abend setzten sich die Vertreter einer ehrgeizigen Linie durch: Um bis zu 45 Prozent soll demnach der Ausstoß des Klimakillers CO2 bis 2030 abgebaut werden. Dies deutete sich bei Redaktionsschluss an.

„Das wäre nicht der richtige Weg, Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit miteinander zu verbinden“, sagte der Berichterstatter der christdemokratischen EVP-Mehrfraktion im Ausschuss, Jens Gieseke (CDU), gegenüber unserer Redaktion. Dabei hatte sich die Vorsitzende des Gremiums und Berichterstatterin des Parlaments, die maltesische Sozialistin Miriam Dalli, bereits bewegt: Ursprünglich wollte sie sogar einen Abbau um 50 Prozent. Der europäische Dachverband der Autohersteller (Acea) hatte in der Vorwoche eine Reduzierung von 20 Prozent als „realistisch“ bezeichnet. 

Dabei bereitet den Konzernen schon die Ausgangslage Schwierigkeiten. Bis 2021 soll nach den EU-Vorgaben der durchschnittliche Schadstoffausstoß der Fahrzeugflotte eines Herstellers bei höchstens 95 Gramm je Kilometer liegen. Im Vorjahr schafften die Autobauer allerdings gerade mal 118,5 Gramm – zum ersten Mal seit Jahren sank der Wert nicht, er stieg an. Die neuen Grenzwerte, die für alle Neuwagen ab 2021 gelten, würden also zu erheblichen Mehranstrengungen führen müssen. Um höhere Abgaswerte größerer Limousinen aufzufangen, brauchen die Hersteller deshalb Fahrzeuge im Angebot, die deutlich geringere CO2-Emissionen abgeben. Bisher waren dies vor allem die Diesel-Motoren, die beim Sparen halfen. Da die Verkaufszahlen für Selbstzünder aber in den Keller gerutscht sind, müssten die Hersteller – so Gieseke – nun Elektro-Autos massiv fördern. Genau das wollen die Umweltpolitiker und die Klimaschutz-Organisationen jetzt erreichen. Doch auch im Europa-Parlament warnen immer mehr Stimmen vor diesem Weg, der „technologisch eine Sackgasse“ (Gieseke) sei.

Der Grund: Eine starke Nachfrage für E-Antriebe führe zu einem enormen zusätzlichen Strombedarf, den viele Mitgliedstaaten entweder aus mehr Atomenergie (Frankreich) oder Kohle (Polen) gewinnen müssten. Beides gilt als politisch nicht gewollt. Da sich die Industrie durch die kurzen Zeiträume, innerhalb derer die neuen Werte erreicht werden sollen, vor allem auf Elektro-Fahrzeuge konzentrieren dürfte, bliebe die weitere Forschung und Innovation für andere, klimapolitisch sehr viel bessere Motoren „verbaut“.

Tatsächlich, so hieß es gestern Abend von den Kritikern, sei der Beschluss des Umweltausschusses nicht das letzte Wort. Spätestens bei der Abstimmung im Plenum werde die Mehrheit für weniger hohe Abgas-Grenzwerte votieren. Und erst dann beginnen die Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten. In diesem Kreis hat vor allem Deutschland immer wieder geringere Auflagen für die Hersteller durchgesetzt.


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