Hähnchenfleisch bleibt gefragt Von Brasilien auf unsere Teller: Der weite Weg der Chicken Nuggets

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Hähnchen-Nuggets bei McDonald's. Foto: imago/AFLOHähnchen-Nuggets bei McDonald's. Foto: imago/AFLO

Osnabrück. Sie sind handlich klein, goldig braun, liegen in fast allen Supermarkt-Tiefkühltruhen oder stehen auf den Menüs von Fast-Food-Restaurants: frittierte Stücke aus Geflügelfleisch. McDonalds nannte sie Anfang der 1980er Jahre „Chicken McNuggets“ – der Beginn eines Siegeszuges. Was kaum einer weiß: Die knusprigen Fleischstücke sind manchmal um die halbe Welt gereist, bevor wir zubeißen.

Erfunden hat sie Robert Baker, aufgrund seiner Innovationsfreude auch „Edison der Geflügelindustrie“ genannt. Der US-Amerikaner legte den Grundstein dafür, dass Hühner nicht mehr länger als Eierproduzenten angesehen wurden, die erst am Ende ihres Lebens als Fleischlieferant enden. Seinen „Chicken Sticks“ verhalf allerdings erst McDonald’s Jahrzehnte später mit Modifikationen in der Zusammensetzung und unter dem Namen McNuggets zum weltweiten Durchbruch. 

Geflügelfleisch ist gefragt

Mittlerweile bietet fast jede Fastfood-Kette ihre eigenen McNuggets an, in jedem Supermarkt gibt es die Tiefkühlware. Sie ist beliebt, sie ist gefragt. Wie Geflügelfleisch als solches. Weltweit liegt der Konsum noch vor Schwein und Rind. Geringe Produktionskosten und damit verbunden geringe Marktpreise sind laut Welternährungsorganisation der Grund. In Deutschland haben sich in den vergangenen Jahrzehnten mit Wiesenhof und Rothkötter zwei große Geflügelfleischunternehmen etabliert, die riesige Mengen produzieren und Umsätze im Milliardenbereich generieren. Und doch ist die Bundesrepublik nach wie vor Netto-Importeur. (Weiterlesen: Deutsche essen immer weniger (Schweine-)Fleisch)

„Die Nachfrage der Deutschen konzentriert sich sehr stark auf das Brustfleisch“, sagt Margit Beck vom Branchendienst „Marktinfo Eier und Geflügel“. Da werde es selbst bei der hierzulande stark gesteigerten Produktion eng. Die größten Mengen würden aus EU-Ländern eingeführt, aber auch Brasilien spiele eine wichtige Rolle – einer der größten Fleischexporteure der Welt.  

Beck rechnet vor: Im vergangenen Jahr seien nach vorläufigen Zahlen des statistischen Bundesamtes 875.000 Tonnen Geflügelfleisch frisch, gesalzen oder bereits zubereitet importiert worden. Mehr als 10 Prozent stammten demnach aus Brasilien. Gerade bei zubereiteter Ware – darunter fallen beispielsweise McNuggets - spielt das Land eine bedeutende Rolle: Von insgesamt 171000 Tonnen kamen 49.000 per Container aus Brasilien. Also fast 30 Prozent.

Wo das Fleisch herkommt

Prominente Abnehmer sind die großen Fast-Food-Ketten, die maßgeblich zum Hähnchenfleischboom in den vergangenen Jahrzehnten beigetragen haben. McDonalds Deutschland etwa teilt auf Anfrage mit, dass im vergangenen Jahr 22.484 Tonnen Hähnchenfleisch bezogen worden wären. Etwa 30 Prozent stammten aus Deutschland, 60 Prozent aus dem Rest der EU und 10 Prozent darüber hinaus. Im Vorjahr waren es noch 20 Prozent.

McDonalds bezieht einen Teil seines Hähnchenfleisches für den deutschen Markt aus Brasilien. Foto: dpa

Hauptbezugsland dürfte Brasilien sein. Das teilte das Unternehmen zumindest 2016 noch in einem Blog-Beitrag selbst mit. Burger King macht zwar keine Mengenangaben, teilt aber mit: „Das in unseren Restaurants zubereitete Geflügel-Fleisch stammt aus Europa und Brasilien.“ Bei Kentucky Fried Chicken (KFC) – spezialisiert auf Hähnchenprodukte – heißt es indes, das Fleisch werde aus Deutschland oder dem nahen EU-Ausland bezogen. Mit derzeit 166 Filialen ist das Unternehmen allerdings auch deutlich kleiner als beispielsweise McDonalds mit 1480 Restaurants. Burger King kommt auf etwa 710 Restaurants. 

Haltungsbedingungen für Hähnchen

Alle drei betonen aber, dass sie unabhängig vom Herkunftsland Wert auf die Haltungsbedingungen legen würden. McDonalds und KFC teilen mit, dass ihre Hähnchen mehr Platz hätten, als es der gesetzliche Mindeststandard in Deutschland fordert. Der Gesetzgeber erlaubt 39 Kilogramm Hähnchen pro Quadratmeter Stall, beide Fastfood-Ketten fordern maximal 38 Kilogramm. Burger King macht keine konkreten Angaben. Tiere sollten weder unter Hunger, Durst oder Schmerzen leiden, noch Angst haben, heißt es recht allgemein.

Immer wieder machen jedoch Fotos oder Videos vermeintlicher McNugget-Produktionen die Runde, die wenig Appetit anregend sind. McDonalds und seine Zulieferer hielten mit Aufklärungskampagnen dagegen. Mittlerweile finden sich auf der Videoplattform Youtube zahlreiche realistische Einblicke in die Produktion.


Die Prüfer der Zeitschrift „Ökotest“ konnte das nicht überzeugen. Sie hatten kürzlich 14 Nugget-Produkte unter die Lupe genommen – von Bio-Ware über Discounter-Produkte bis hin zu Fastfood-Ketten. Das Urteil fiel fast überall schlecht aus. Die Prüfer fanden in den Fleischprodukten aus Deutschland, Thailand oder eben Brasilien Schadstoffe, Keime und Mineralölrückstände. In einem Fall war die Panade dicker als der Fleischanteil. Finger weg, lautete in den meisten Fällen die Empfehlung. Den Siegeszug der panierten Geflügelfleischstücke wird aber auch das wohl nicht stoppen. Vor wenigen Tagen hat der Lebensmittelriese Tyson Foods den Produzenten der McDonalds-McNuggets in den USA übernommen. Kaufpreis: 2,18 Milliarden US-Dollar. 


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