Schub für Jade-Weser-Port? Althusmann: Niedersachsens Häfen entwickeln sich stabil

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Die Hafenwirtschaft ist eine Leitbranche Niedersachsens, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann beim Niedersächsischen Hafentag in Leer. Foto: Stadtwerke Leer.Die Hafenwirtschaft ist eine Leitbranche Niedersachsens, sagte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann beim Niedersächsischen Hafentag in Leer. Foto: Stadtwerke Leer.

Leer. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann bescheinigt den Niedersächsischen Seehäfen eine stabile Halbjahresbilanz. Negative Auswirkungen könnte im kommenden Jahr der Brexit bringen. Für den Jade-Weser-Port erwartet der Minister noch in diesem Jahr eine Entscheidung, die dem Hafen einen Schub gibt.

Die Hafenwirtschaft ist eine Leitbranche Niedersachsens, betonte Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, der zusammen mit Timo A. Schön, Geschäftsführer der Hafenmarketinggesellschaft Sea Ports of Niedersachsen GmbH, den 28. Niedersächsischen Hafentag in Leer eröffnete. Und im Norden setze man trotz Konkurrenz auf eine starke Zusammenarbeit. „Die Diversifizierung der Häfen ist eine Stärke der niedersächsischen Wirtschaft“, so Althusmann. Erstmals werde die Landesregierung zukünftig auch kommunale Hafeninfrastruktur fördern.

Auch Alfred Hartmann, Präsident des Verbands Deutscher Reeder (VDR), betonte die Bedeutung der Standorte. „Mit 124 Unternehmen gibt es zwischen Ems und Elbe mehr Reedereien als in jedem anderen Bundesland. Und mit über 800 Schiffen liegen wir in Niedersachsen nur knapp hinter Hamburg auf Platz 2.“ 45 000 Menschen sind direkt in der maritimen Wirtschaft beschäftigt, hinzu kommen 100 000 hafenabhängig Beschäftigte.

Forstprodukte, Anlagen und Neufahrzeuge sorgen für ein Plus

Das Umschlagsvolumen der neun niedersächsischen Seehäfen erreichte zwischen Januar und Juni rund 25,2 Millionen Tonnen Güter im Seeverkehr. Das seien zwar drei Prozent weniger als im sehr guten Vorjahr, „die Prognosen zeigen aber, dass wir das Niveau stabil halten können. Wir blicken positiv und optimistisch in die Zukunft“, sagte Althusmann. Insbesondere das Stückgut entwickelte sich positiv und erreichte mit 7,1 Millionen Tonnen ein Plus von 21 Prozent. Dazu trugen unter anderem Forstprodukte, Anlagen und Neufahrzeuge positiv bei, führte der Wirtschaftsminister aus. Bei Massengütern gab es hingegen einen leichten Rückgang auf 18,1 Millionen Tonnen. Ursächlich dafür ist unter anderem ein Rückgang bei Kohle, Baustoffen und Heizöl.

Als positives Beispiel hob Althusmann die Entwicklung am Containerterminal Wilhelmshafen hervor. Hier steigerte sich der Containerumschlag mit rund 291 000 Tonnen um rund 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings ist die Gesamttonnage im ersten Halbjahr um zwei Prozent zurückgegangen. Ebenfalls gesunken ist das Umschlagsvolumen unter anderem in Papenburg (– 12 Prozent) und Nordenhamm (– 18 Prozent).






„Die Bedeutung von Wilhelmshafen wird noch größer werden“, war Reeder Alfred Hartmann jedoch überzeugt. Wenn die zweite Ausbaustufe des Jade-Weser-Ports komme, müsse jedoch auch in Infrastruktur investiert werden, um den Abfluss der Container zu sichern. „Ich bin optimistisch, dass noch in diesem Jahr eine Entscheidung getroffen wird, die für den Jade-Weser-Port noch einmal einen Schub bedeuten wird“, sagte Althusmann. Details nannte er nicht. Mit einer Entscheidung zur Außenemsvertiefung rechnet Althusmann noch in dieser Legislaturperiode. Timo Schön betonte auch die herausragende Stellung des Hafenstandorts Leer. „Nur in Hamburg sind mehr Reeder ansässig. Maritime Kompetenz ist das wichtigste Exportgut der Stadt.“ Der Hafen Leer konnte im ersten Halbjahr ein Wachstum um ein Prozent verzeichnen.

Brexit bringt negative Auswirkungen

Negative Auswirkungen erwartet Althusmann aufgrund des Brexits. Es werde eines deutlich höheren Personalaufwands in der Finanzverwaltung bedürfen, um die Zollformalitäten im Fall eines harten Brexits abwickeln zu können. „Sonst verzögert sich die Auslieferung, und das können wir uns im Wettbewerb nicht leisten“, betonte Althusmann. Immerhin sei Großbritannien mit einem Handelsvolumen von 9,9 Milliarden Euro einer der wichtigsten Handelspartner Niedersachsens. Vor allem Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile werden auf die Insel exportiert. Für VW sei der Hafen Emden der Hauptumschlagsplatz, so Althusmann. Eine Vorbereitung auf einen harten Brexit könnte laut Schön für den Standort Niedersachsen ein Wettbewerbsvorteil sein. „Großbritannien ist und soll ein großer Handelspartner bleiben.“

Auch ein mögliches LNG-Terminal in Niedersachsen war Thema beim Hafentag. An die Bundesregierung in Berlin appellierte Schön, den möglichen niedersächsischen Standorten für ein LNG-Terminal eine faire Chance zu geben. „Es sollte nicht das schnellste, sondern das nachhaltigste Konzept zum Zug kommen.“ „LNG ist eine Antriebsvariante, auf die wir setzen werden“, so Althusmann. Daneben dürfe aber auch Wasserstoff nicht aus den Augen verloren werden.

Einen Schwerpunkt setzte der Minister zudem beim Thema Digitalisierung. „Bis 2021 wollen wir alle Seehäfen in Niedersachsen gigabitfähig ans Netz bringen. Ich werde mich daher auf der nächsten Küsten-Wirtschafts-Verkehrsministerkonferenz deutlich für eine LTE-Versorgung des Küstenraums mit seinen Wasserstraßen und Seehäfen einsetzen“, sagteAlthusmann.


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