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29.08.2018, 18:35 Uhr WETTBEWERB UND DIGITALISIERUNG

Banken unter Druck: Anspruch und Wirklichkeit

Kommentar von Manuel Glasfort

Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, glaubt, dass die Bankenbranche vor einem tiefgreifenden Umbruch durch die Digitalisierung steht. Foto: dpa/Arne DedertChristian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, glaubt, dass die Bankenbranche vor einem tiefgreifenden Umbruch durch die Digitalisierung steht. Foto: dpa/Arne Dedert

Osnabrück. Deutschland brauche einen „Global Player“ unter den Banken, findet CDU-Politiker Volker Kauder. Zu Recht, denn ein Land mit starken Konzernen sollte in Finanzfragen nicht vom Ausland abhängig sein. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander.

Die beiden deutschen Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank befinden sich auf dem absteigenden Ast. Letztere wird wohl durch den Zahlungsdienstleister Wirecard aus dem Dax verdrängt – ausgerechnet. Die Deutsche Bank ist nicht mehr unter den weltweiten Top 50 zu finden. Obwohl die Wirtschaft brummt, profitieren die großen Institute kaum. Ein Grund: Der deutsche Bankensektor mit seinen drei Säulen aus Sparkassen, Genossenschaftsinstituten und Privatbanken ist besonders wettbewerbsintensiv – gut für die Kunden, schlecht für die Geldhäuser. 

In Sachen Digitalisierung geben die deutschen Banken ebenfalls keine besonders gute Figur ab. Während die schwedischen Banken ihr mobiles Bezahlsystem Swish erfolgreich etablierten, entpuppt sich das Gemeinschaftsprojekt Paydirekt der deutschen Banken als Rohrkrepierer. In diese Kategorie fällt auch das Smartphone-Konto Yomo der Sparkassen.

Die Institute werden sich etwas einfallen lassen müssen, andernfalls wird die düstere Prognose der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman wahr, und Deutschland erlebt ein wahres Bankensterben.


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