Export und Onlinehandel geben Hoffnung Möbelbranche zieht verhaltene Bilanz

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Ihre aktuelle Geschäftslage schätzen deutsche Möbelhersteller zunehmend schlechter ein. Das Exportgeschäft stimmt sie jedoch optimistischer als der Inlandsmarkt. Foto: Marijan Murat/dpaIhre aktuelle Geschäftslage schätzen deutsche Möbelhersteller zunehmend schlechter ein. Das Exportgeschäft stimmt sie jedoch optimistischer als der Inlandsmarkt. Foto: Marijan Murat/dpa

Köln. Verhaltene Bilanz der Deutschen Möbelindustrie: Nach Umsatzrückgängen im zweiten Halbjahr 2017 ist das erste Halbjahr 2018 nur mit einem leichten Plus zu Ende gegangen.

Zufriedenstellend ist die Lage der deutschen Möbelindustrie für Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM), nicht. Trotz einer leicht positiven Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr, konnte die Branche die Dynamik der ersten Monate und der ImmCologne als größter Fachmesse für Möbel und Innenraumgestaltung nicht halten. Am Ende stand ein Plus von einem Prozent und ein Umsatz von rund 9,1 Milliarden Euro, stellte Kurth gestern in Kön vor. Insbesondere der Möbelabsatz im Inland trete auf der Stelle.

Zwei Aspekte spielen für den VDM-Geschäftsführer bei der aktuellen Entwicklung eine wesentliche Rolle: Zum einen das Wetter, das die Verbraucher eher ins Freibad und den Biergarten statt ins Möbelhaus gezogen hat. Obwohl laut einer vom VDM in Auftrag gegebenen Analyse des Kaufverhaltens 14 Prozent der Kunden mittlerweile online Möbel shoppen. Als Informationsquelle nutzen unter 40-Jährige demnach das Netz sogar zu 77 Prozent. Zum anderen stehe die Möbelbranche in starker Konkurrenz zu anderen Konsumausgaben der Deutschen wie E-Bikes oder Caravaning. Für Kurth ein Grund, warum der Absatz im Inland stagniert.

Möbelbranche wächst vor allem außerhalb der EU

Wachstum verzeichnet die Branche im Ausland – vor allem außerhalb der EU. Fast ein Drittel der deutschen Möbelexporte gehen mittlerweile in sogenannte Drittländer. Insgesamt wuchs das Exportgeschäft um 2,2 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Der wichtigste Exportmarkt Frankreich (+ 3,5 Prozent) legte dabei ebenso zu wie die Märkte in den Niederlanden (+ 6,2), Spanien (+ 6,1) und Polen (+ 10). Insbesondere Letzteres freute Kurth. „Das zeigt, dass nicht nur Importe aus Polen wichtig sind, sondern der Handel auch umgekehrt funktioniert.“ Denn fast jedes vierte importierte Möbelstück kommt aus dem Nachbarland.

Voll durch schlägt in der Branche die Brexit-Diskussion. Großbritannien, der fünftwichtigste Absatzmarkt der deutschen Möbelindustrie, verliert mit minus 8,9 Prozent deutlich. Außerhalb der EU legten vor allem die USA (+ 9,5 Prozent), China (+ 25,9) und Russland (+ 14) zu. „Trotz Diskussion über Handelsbeschränkungen“, so Kurth. In den USA, aktuell Nummer 7 der wichtigsten Exportmärkte, sieht er auch noch viel Potenzial. „Es gibt ein Marktvolumen von rund 90 Milliarden Euro, davon decken wir nur ein halbes Prozent ab.“

Ein Blick auf die Zahlen zeigt jedoch auch: Die Sparten der Branche haben sich unterschiedlich entwickelt. Während die Küchen- sowie die Büromöbelindustrie vom anhaltenden Wohnungsbau und Investitionen profitieren und ihre Umsätze auf 2,5 Milliarden beziehungsweise 1,1 Milliarden steigern konnten, gehen bei Polstermöbeln sowie Wohnmöbeln und sonstigen Möbeln die Umsätze im ersten Halbjahr auf 480 Millionen beziehungsweise 3,7 Milliarden Euro zurück.

Keine großen Sprünge bis Jahresende erwartet

Und dennoch: Trotz der Zurückhaltung in der Branche ist die Zahl der Mitarbeiter binnen eines Jahres um 600 gestiegen. Aktuell gibt es 482 Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten und 84 300 Mitarbeiter.

Bis Jahresende geht Jan Kurth davon aus, das leichte Wachstum in der Branche halten zu können. Grund für mehr Optimismus gibt ihm eine Sommerumfrage des Verbands nicht. Die Unternehmen selbst schätzen ihre aktuelle Lage zunehmend als schlecht (40 Prozent) oder befriedigend (34 Prozent) ein. Wobei die Befragten das Exportgeschäft deutlich positiver beurteilen als den Inlandsmarkt. Zu schaffen machen Unternehmen unter anderem Rohstoffpreise, die an Dynamik gewinnen. Allein die Massivholzkosten sind binnen Jahresfrist um neun Prozent gestiegen. Hinzu kommen höhere Kosten für Holzwerkstoffe (+5) Logistik (+5) oder Personal (+3). Auch den Fachkräftemangel und Protektionismus nennen Unternehmen als Herausforderung.


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