Nachhaltige Logistik Bei Meyer, Krone, Hellmann & Co. steht Elektroantrieb hoch im Kurs

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Auch in der Logistik ist der Elektroantrieb auf dem Vormarsch. Foto: André HavergoAuch in der Logistik ist der Elektroantrieb auf dem Vormarsch. Foto: André Havergo

Osnabrück/Spelle/Nordhorn. Eine umweltorientierte, nachhaltige Logistik – für Firmen in der Region ist das nicht erst seit der Diskussion um Dieselfahrverbote ein Thema. Was Elektroantrieb, Innenstadtlösungen und Nachhaltigkeit angehen, sind Unternehmen in der Region vorne mit dabei.

Auch die Transportlogistik will und muss ihrem ökologischen Anspruch gerecht werden, davon ist Rolf Meyer, Gesellschafter und Aufsichtsrat des Transportunternehmens Meyer & Meyer, überzeugt. „Die Logistik ist einer der Hauptverursacher von Stickstoff, CO2 und Lärm“, so der Osnabrücker Unternehmer. Entsprechend sei das Thema Nachhaltigkeit schon lange präsent – sei es mit Energiekonzepten im Unternehmen oder in den letzten Jahren verstärkt durch Alternativen zu fossilen Kraftstoffen.

Gute Erfahrungen mit E-Antrieb

Auch wenn es heute noch immer keine E-Flotten gibt, einen ersten Achttonner mit Elektroantrieb hatte Meyer & Meyer schon vor acht Jahren erstmals im Einsatz. Allerdings nicht in Osnabrück, sondern zur Belieferung von C&A-Filialen in Berlin. „Das hat auf Anhieb gut funktioniert“, sagt Meyer. Nach einem Unfall wurde das Fahrzeug jedoch nicht wiederhergerichtet – auch, weil der Kunde sich nicht länger finanziell beteiligen wollte. „Für den Wandel in der Logistik braucht es Unterstützung.“

Aktuell gibt es kein Fahrzeug mit Elektroantrieb in der Meyer-Flotte. Das soll sich in Kürze ändern. Auf der Strecke Peine–Berlin kommt ein 26-Tonner mit E-Antrieb zum Einsatz. „In Magdeburg wird es eine Tauschstation für die Batterie geben“, erklärt Rolf Meyer, denn die gesamte Strecke von mehr als 300 Kilometern schafft das Fahrzeug nicht. Ein „Nebeneffekt“: Wird die Batterie nicht für den Lkw benötigt, ist geplant, sie als Netzausgleichsspeicher zu nutzen. Insgesamt hat die Elektromobilität für Rolf Meyer im Bereich der Nutzfahrzeuge einen großen Vorteil: Wirtschaftliche Verkehre sind planbar.

Zwei Jahre lang will Meyer & Meyer den Lkw einsetzen und dann Bilanz ziehen. „Wir sind jedoch überzeugt, dass das Fahrzeug dauerhaft zum Einsatz kommt“, sagt der Unternehmer und hofft, dass es bis dahin auch Fahrzeuge geben wird, die in der Herstellung nicht teurer sind als ein Diesel-Lkw. Denn zunächst wird ein umgebautes MAN-Fahrzeug zum Einsatz kommen. Abzüglich der Fördergelder sei es immer noch eine Millioneninvestition.

Umbauten sind möglich - und nachhaltig

Ganz so teuer kommt der umgebaute E-Transporter, den der Osnabrücker Logistikdienstleister Hellmann Worldwide Logistics in den kommenden sechs Monaten intensiv im Realbetrieb testet, nicht. Zwischen 100 000 und 120 000 Euro kostet der Umbau – wenn das Unternehmen ein eigenes Fahrzeug einbringt, sagt Markus Schell, persönlich haftender Gesellschafter der BPW Bergisch Achsen KG, die die Elektroachse für den Umbau entwickelt hat. Fördergelder könnten beantragt werden. An einer Weiterentwicklung zur Umrüstung größerer Fahrzeuge werde gearbeitet, stellt Schell in Aussicht. Den Transporter mit einer Reichweite von rund 100 Kilometern wird Hellmann nun zunächst einmal an drei Standorten mit unterschiedlichen Warenströmen im Realbetrieb testen. Ein Meilenstein, sagt Matthias Magnor, bei Hellmann verantwortlich für den Bereich Straße und Schiene. „Wir sehen in der Elektromobilität eine mögliche Schlüsseltechnologie für die Umsetzung nachhaltiger Logistikkonzepte.“ Läuft der Test gut, geht Magnor von einer schnellen Integration von E-Fahrzeugen in die Hellmann-Flotte aus.

Über einen Testbetrieb ist die Rigterink Logistikgruppe weit hinaus, sagt Inhaber Helge Rigterink. Schon vor einem Jahr hat Mars Deutschland zusammen mit dem Nordhorner Familienunternehmen, Mercedes-Benz und der Handelskette Rewe einen ersten Prototypen eines vollelektrischen Sechstonners einsatzfähig gemacht. Auf Hybridantrieb setzt Rigterink seit 2011. In Kürze erwartet das Unternehmen einen von nur 20 Elektro-Lkw, die Mercedes auf den Markt bringt. „Das Fahrzeug setzen wir im Raum Frankfurt ein“, sagt der Unternehmer. Das Thema Reichweite sei dabei kein Problem.

Für Rigterink hört das Thema Nachhaltigkeit in der Logistik jedoch nicht bei Emissionen auf, für deren Einsparung es gruppenweit klare Ziele gibt. Um 20 Prozent ist die Treibhausemission in fünf Jahren gesunken. „Nachhaltig bedeutet vor allem, dass wir etwas dauerhaft einsetzen und unseren Mitarbeitern die Arbeit erleichtern.“ So werden in der hessischen Niederlassung in Flörsheim künftig Drohnen eingesetzt, um die automatische Bestandserfassung abzuwickeln.

Ganzheitliches Konzept angestrebt

Um eine Erleichterung und nachhaltige Veränderung geht es auch beim Krone-Joint-Venture Rytle auf der „letzten Meile“. Entstehen soll ein Gesamtsystem aus Lastenfahrrad, Transportbox und „Zulieferkette“, sodass am Ende eine barrierefreie Vernetzung des großteiligen Überland- und des kleinteiligen Innenstadtverkehrs steht. „Unser Konzept ist weltweit gefragt. Es wird bereits in Metropolen wie Paris, Hamburg, Berlin oder Singapur eingesetzt“, sagt Rytle-Geschäftsführer Ingo Lübs. Einige Kommunen würden eigene Last-Mile-Konzepte damit umsetzen wollen, um eine gebündelte Innenstadtbelieferung voranzutreiben. Dabei ist eine typische Strecke mit dem Lastenrad zwischen vier und sechs Kilometer lang – für rund 60 reicht der Akku des Elektromotors, der beim Anfahren und am Berg hilft.

Bei allem Fokus auf die Elektromobilität, die auch Nachtverkehre im Innenstadtbereich ermöglicht: Die Technologie hat in der Logistik ihre Grenzen. Sowohl das Gewicht der Batterie als auch Herstellungskosten sind aktuell ein Problem, sagt Rolf Meyer. Wobei Ersteres für die Kaufmannswaren, die das Osnabrücker Unternehmen transportiert, nicht ins Gewicht fällt. Einen Wasserstoffantrieb sieht Meyer aktuell jedoch nicht als Alternative.


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