Ziel: Eine Million Autos VW baut Produktion in Wolfsburg aus

Von dpa

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Die Produktion des Verkaufsschlagers Golf soll künftig im Wolfsburger Stammberg gebündelt werden. Foto: dpa/Julian StratenschulteDie Produktion des Verkaufsschlagers Golf soll künftig im Wolfsburger Stammberg gebündelt werden. Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Wolfsburg. Die Volkswagen-Kernmarke VW soll künftig deutlich effizienter Autos bauen. Dafür sollen etwa in Wolfsburg die Produktionszahlen stark steigen. Derweil droht mehreren Mitarbeitern wegen des Abgas-Skandals die fristlose Kündigung.

Wolfsburg Der Autoriese Volkswagen will die Produktion im Stammwerk Wolfsburg in den nächsten Jahren auf eine Million Autos erhöhen. Dazu werde die Produktion des Absatz-Dauerbrenners Golf mit Einführung der achten Modellgeneration in Wolfsburg gebündelt, sagte Andreas Tostmann, Produktions- und Logistikvorstand der Kernmarke VW Pkw. Die Golf-Fertigung aus Zwickau und dem mexikanischen Puebla werde ins Wolfsburger Stammwerk verlegt. Zwickau bekommt dafür die Fertigung der neuen vollelektrischen ID-Modellfamilie. Bis 2020 solle die Produktivität aller deutschen Standorte um 25 Prozent zulegen, kündigte Tostmann an.

„Um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht Volkswagen in Zukunft weitere Anstrengungen, insbesondere für die Zeit nach 2020“, betonte der Produktionsvorstand. Kürzlich erst hatte Konzernchef Herbert Diess angekündigt: „Wir wollen gemeinsam mit den Marken, über alle Werke hinweg, bis 2025 rund 30 Prozent mehr Effizienz schaffen: bei den Fabrikkosten, der Produktivität und Investitionen.“

Im vergangenen Jahr hatte VW im Werk Wolfsburg mit über 62 000 Beschäftigten rund 790 000 Autos gebaut. Weltweit lieferte die Marke mit dem VW-Emblem im vergangenen Jahr über 6,2 Millionen Autos aus und beschäftigte etwa 214 000 Menschen.

Eine neue Produktionsstrategie aus acht Handlungsfeldern soll helfen, die Ziele zu erreichen. Dabei geht etwa darum, die Komplexität von Produktionsstrukturen zu verringern – indem beispielsweise die Anzahl bestimmter Optionen und Teile kleiner wird. Auch um einheitliche Strukturen in allen VW-Werken soll es gehen. Einer der größten Hebel zur Wertsteigerung sei ein kompetentes, weltweit führendes Produktionsnetzwerk, sagte Tostmann. Bislang habe VW im Branchenvergleich im Mittelfeld gelegen. Ende September will die Marke Details zur neuen Produktionsstrategie „Transform. Together“ bekanntgeben.

Dank hoher Rabatte vor der Einführung neuer Abgas-Prüfverfahren verkaufte Volkswagen im Juli 908 200 Fahrzeuge, 10,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Der Juli war ein starker Monat für den Konzern, in dem alle Marken deutlich bei den Auslieferungen zulegen konnten“, sagte Vertriebschef Fred Kappler. Er warnte aber vor deutlich schwächeren Absatzzahlen in den kommenden Monaten. Hintergrund ist der neue Abgas- und Verbrauchs-Prüfstandard WLTP („Worldwide Harmonised Light-Duty Vehicles Test Procedure“), der in der EU von September an gilt. Ab dann darf kein Auto mit der alten Prüfnorm mehr verkauft werden. Vor allem die Kernmarke VW Pkw hadert mit den neuen Verfahren, weil Hunderte Getriebe-Motor-Kombinationen neu zugelassen werden müssen.

Mit Blick auf den Trend zur Digitalisierung und künftige Herstellungsverfahren betonte Tostmann, wie wichtig es sei, die Mitarbeiter zu qualifizieren und auf die Reise mitzunehmen. Es sei eine Transformation im Großen: „Es wird die meisten der Mitarbeiter, im direkten wie im indirekten Bereich, betreffen.“ Wolfsburg sei mit der Perspektive, eine Million Autos zu bauen, „gut aufgestellt“.

Auch ein neues Seat-Modell, der Tarraco, soll künftig in Wolfsburg gefertigt werden.

Im Abgas-Skandal droht mehreren beschuldigten VW-Mitarbeitern unterdessen laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“ die fristlose Entlassung. Dieser Tage erhielten die Betroffenen die Kündigung, meldete die Zeitung am Freitag vorab. Die Ingenieure sollen demnach in die Abgas-Affäre verwickelt sein, gegen sie ermittle auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig. Die Deutsche Presse-Agentur erfuhr aus Konzernkreisen, dass VW am 19. Juli Einsicht in die Akten der Braunschweiger Behörde erhielt.

Derzeit werde der Inhalt der Ermittlungsunterlagen bewertet. Zudem prüft VW Kreisen zufolge in Abstimmung mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen, ob arbeitsrechtliche Maßnahmen notwendig sind. Weitere Einzelheiten soll es derzeit nicht geben.

Nach Informationen der Zeitung wollen sich die betroffenen Mitarbeiter gegen die Kündigungen juristisch zur Wehr setzen. Bislang habe VW auf fristlose Kündigungen verzichtet. Kurz nach dem Bekanntwerden des Skandals hatte laut dem Bericht Volkswagen seine Mitarbeiter aufgefordert, die Hintergründe zu dem systematischen Betrug offenzulegen.

Auf personelle Konsequenzen wollte der Konzern in diesem Zusammenhang demnach verzichten. Allerdings kritisierte der US-Aufseher Larry Thompson laut „Bild am Sonntag“ nun fehlende personelle Folgen.

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hat insgesamt 49 Beschuldigte im Visier. Zusätzlich zu den Vorwürfen der Software-Manipulation und Marktmanipulation geht es bei sechs Beschuldigten um falsche CO2- und Verbrauchsangaben sowie in einem Fall um einen Mitarbeiter, der zur Datenlöschung aufgerufen haben soll.

Die Anklagebehörde ermittelt unter anderem auch gegen Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn sowie gegen den neuen Konzernchef Herbert Diess und den Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Dieter Pötsch wegen möglicher Marktmanipulation. Bei Winterkorn geht es zusätzlich um möglichen Betrug. Er war im September 2015 von seinem Amt zurückgetreten - kurz nachdem US-Behörden Manipulationen bei Dieselautos aufgedeckt hatten. VW hatte nur mit einer „defeat device“ genannten Software die Schadstoffgrenzwerte bei Tests eingehalten.

In den USA waren rund 600 000 Fahrzeuge aus dem Konzern betroffen, in Deutschland ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt für etwa 2,4 Millionen Wagen Rückrufe an. Insgesamt hat Volkswagen für Entschädigungen und Strafen in Nordamerika über 25 Milliarden Euro an Kosten verbucht.


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