Minister auf Netzausbaureise Altmaier will Enercon helfen

Von Gunars Reichenbachs

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Peter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister, steht im Stapeler Moor vor einem Strommast. Altmaier war im Rahmen einer Netzausbaureise in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen unterwegs. Foto: Rolf Vennenbernd/dpaPeter Altmaier (CDU), Bundeswirtschaftsminister, steht im Stapeler Moor vor einem Strommast. Altmaier war im Rahmen einer Netzausbaureise in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen unterwegs. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Emden. Drei Tage lang war Peter Altmaier unterwegs, im Dienste der Energiewende. Überschattet wurde die Netzausbaureise des Wirtschaftsministers von der Krise bei Enercon.

Die Hände der beiden Minister legen sich auf den großen, blauen Knopf. Jemand zählt laut: „Fünf, vier, drei, zwei eins – Start!“ Ein Druck – und aus der Decke senkt sich langsam ein stählerner Arm herab. Ein Klack – die Verbindung steht. Jetzt müssten eigentlich gewaltige Strommengen von den Windparks draußen auf der Nordsee hier in die nagelneue Emder Konverterstation des Netzbetreibers Tennet strömen. Eigentlich.

Der Akt erfolgt an diesem Donnerstag nur symbolisch. Für ein Pressefoto. Wann hat Tennet in Emden schon zwei veritable Regierungsmitglieder im Haus – Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) aus Berlin und Umweltminister Olaf Lies (SPD) aus Hannover? Der Strom kann auch noch ein paar Monate später fließen. Mindestens 30 Jahre lang, lautet die Planung.

Altmaier und Lies informierten sich gleich mehrere Tage lang über die Zukunft der Windenergie im Nordwesten. Und über die aktuellen Probleme. „Wir haben eine Verzögerung, deshalb lassen Sie uns anfangen mit Beschleunigungsmaßnahmen“, mahnt beispielsweise Tennet-Chef Lex Hartman. Eigentlich meint Hartman das verspätete Eintreffen von Lies. Aber alle lachen. Jeder weiß Bescheid. Der Satz lässt sich genau so gut auf die vielen Widerstände im Land beziehen, wo immer mehr Bürgerinitiativen Front machen gegen Stromtrassen im Autobahnformat.

Doch in Emden hängt an diesem Morgen noch ein weiteres Damoklesschwert über den Besuchern aus Landes- und Bundespolitik sowie Wirtschaft: die drohenden Massenentlassungen bei Enercon. Mehr als 800 Jobs stehen nebenan und in Aurich, Westerstede, Haren und Magdeburg auf der Kippe.

Altmaier will unterstützend eingreifen. „Bei der noch größeren Bankenkrise vor Jahren wurden Massenentlassungen verhindert. Bund und Land werden gemeinsam handeln, dass dies auch bei Enercon gelingt. Wir streben sozialverträgliche Lösungen mit allen Beteiligten an“, sagt Altmaier am Donnerstag in Emden. Den Weg dorthin will der Bundesminister „in vielen Einzelgesprächen klären“.

Enercon-Chefs bleiben Treffen fern

Der Bundeswirtschaftsminister hatte zum morgendlichen Krisentreffen geladen – betroffene Beschäftigte, Betriebsräte, IG Metall und besorgte Regionalpolitiker. Alle kamen – die Enercon-Chefs nicht. „Ein Affront“, schimpft jemand. „Eine Brüskierung des Bundeswirtschaftsministers“, sagt ein anderer. Ein ebenfalls empörter Umweltminister Lies versucht dennoch, die Wogen zu glätten, um die Gräben zu Enercon nicht noch tiefer aufreißen zu lassen. „Es war gut, den Bundeswirtschaftsminister zu sensibilisieren für die Situation bei Enercon“, fasst Lies das Treffen mit Altmaier im Gespräch mit dieser Zeitung zusammen.

Die Emder Frühstücksrunde aus Netzbetreibern, Arbeitnehmern, Wirtschaft und Landespolitik machte dem Bundesminister klar, wo in Niedersachsen der Schuh drückt. „Die fehlenden Sonderausschreibungen durch die Bundesregierung haben einen verheerenden Einfluss auf die Branche gehabt“, beschreibt Lies den Auftragseinbruch in jüngster Vergangenheit. Aber: „Altmaier hat verstanden, dass die Sonderausschreibungen dringend auf den Weg gebracht werden müssen und zusätzlich ein Ausbaupfad bis 2030 definiert werden muss, der verlässlich Arbeitsplätze schafft“, ist sich Lies sicher, der nachdrücklich den Schulterschluss mit der Bundesregierung sucht: „Vor uns stehen nicht ganz einfache Zeiten. Da müssen alle zusammenhalten“.

Streit um Sonderausschreibungen

Der Streit um Sonderausschreibungen für einen schnelleren Ausbau von Wind- und Solarstrom für den Klimaschutz zieht sich schon länger hin. Manche in der Berliner Großen Koalition fürchten um die Aufnahmefähigkeit der Stromnetze.

Netzbetreiber Tennet hat zumindest hier in Emden die Weichen längst gestellt. „Sämtliche Kabel an Land und auf See sind verlegt“, heißt es. In der Nordsee liegen die Trassen teils in mehr als 1,5 Meter Tiefe. Das ehrgeizige Ziel: Spätestens 2024 soll Windstrom von See „Energie für 19 Millionen Haushalte liefern“. Dabei fungiert die Emder Konverterstation als Zentrale des Systems. Der von See kommende Gleichstrom wird an Land in Drehstrom umgewandelt und weitertransportiert.

Altmaier und Lies zeigen sich beeindruckt. Hier in Emden steht wirklich eine Herzkammer der Energiewende.


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