Feldversuch Hellmann testet nachgerüsteten E-Transporter

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Hellmann Worldwide Logistics und die BPW Bergisch Achsen KG starten einen gemeinsamen Feldversuch zum Thema E-Mobilität im Lastverkehr. Foto: André HavergoHellmann Worldwide Logistics und die BPW Bergisch Achsen KG starten einen gemeinsamen Feldversuch zum Thema E-Mobilität im Lastverkehr. Foto: André Havergo

Osnabrück. Von außen unterscheidet den Transporter vor dem Hellmann-Firmengebäude nichts von anderen. Ein Blick unter das Fahrzeug und in sein Inneres zeigen den Unterschied. Er wurde umgerüstet - vom Diesel- zum Elektroantrieb.

Es ist ein Pilotprojekt mit Strahlkraft: Zusammen mit der BPW Bergisch Achsen KG startet der Osnabrücker Logistikdienstleister Hellmann Worldwide Logistics einen Feldversuch mit einem nachrüstbaren Elektroantrieb für Nutzfahrzeuge. Sechs Monate lang wird der Fahrzeug mit der von BPW neu entwickelten elektrischen Achse im normalen Betrieb an drei Hellmann-Niederlassungen testest: zunächst in Lehrte, anschließend in Osnabrück und Bielefeld. Es das erste umgerüstete Fahrzeug, das BPW übergeben hat. Weitere werden folgen, unter anderem für die Abfallwirtschaft Köln.

"Wir sehen in der Elektromobilität eine mögliche Schlüsseltechnologie für die Umsetzung nachhaltiger Logistikkonzepte", sagt Matthias Magnor, bei Hellmann verantwortlich für den Bereich Straße und Schiene. Insbesondere vor dem Hintergrund drohender Dieselfahrverbote in Innenstadtbereichen und einer zunehmenden Nachfrage von Kunden nach grünen Logistikleistungen liefere der Feldversuch reale Daten und Erfahrungen hinsichtlich des Einsatzes der neuen Antriebstechnologie, so Magnor. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis E-Mobilität auch in der Logistik in aller Munde ist." Für Hellmann ist es der erste voll elektrische Lkw der Flotte.

Innenstadt und letzte Meile

Ausgelegt ist das Fahrzeug laut Markus Schell, persönlich haftender Gesellschafter der BPW mit Sitz in Wiehl bei Köln, mit seinen drei Tonnen Nutzlast vor allem auf den Innenstadtverkehr und die sogenannte "letzte Meile". Daher sei die Reichweite von rund 100 Kilometern auch kein Problem. "Die Infrastruktur zum Laden hat der Betrieb auf dem Hof, Nutzlast geht keine verloren. Damit wird keines der Vorurteile gegenüber Elektromobilität bestätigt", so Schell. Allerdings müsse man bedenken, dass die Technologie noch in der Testphase und entsprechend nicht so ausgereift wie der Dieselmotor sei. Der Umbau eines bestehenden Fahrzeugs habe vor allem den Vorteil, schnell auf der Straße zu sein und zeigen zu können, dass E-Mobilität funktioniere. Das Ziel von BPW: Fahrzeughersteller mit der neu entwickelten e-Achse zu beliefern. An Weiterentwicklungen für größere Lkw arbeite man bereits.

Das dürfte bei Hellmann freuen. Denn verläuft der Feldversuch gut, geht Matthias Magnor von einer schnellen Integration von E-Fahrzeugen in die Hellmann-Flotte aus. Dass der E-Antrieb den Diesel kurzfristig ablöst, sieht er jedoch nicht. Aber: "Wir werden uns die Ergebnisse differenziert für die unterschiedlichen Einsatzgebiete anschauen." Der Raum Lehrte biete mit der Nähe zu Hannover einen Ballungsraum, ebenso wie der Stadtverkehr in Osnabrück, erklärt Dustin Schöder, bei Hellmann zuständig unter anderem für Prozessoptimierung.

Wissenschaftliche Betreuung durch die Hochschule

Allerdings ziehe sich der Osnabrücker Raum bis in die Grafschaft und kurz vor Oldenburg. Das ermögliche den Test auf der Fläche und möglicherweise Erfahrungen mit Zwischenladezeiten - drei Stunden brauche die Lithium-Ionen-Batterie, bis sie voll sei. Hinzukomme sowohl für Osnabrück als auch Bielefeld mit der Nähe zum Teutoburger Wald eine veränderte Topografie. Den Zeitraum des Feldversuchs hat Hellmann bewusst gewählt. "So können wir verschiedene Wetteranforderungen, Sendestrukturen und Sendungsaufkommen testen", sagt Matthias Magnor. 

Wissenschaftlich betreut wird der Feldversuch durch die Hochschule Osnabrück. Anspruch sei, das Projekt ergebnisoffen durchgeführt, betonte Schöder. 


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