Futtermittelspezialistin in Essen (Oldenburg) Firmenporträt Miavit: Prävention statt Medikation

Von Christoph Lützenkirchen

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Insgesamt 1200 verschiedene Rohstoffe hat Miavit auf Lager. Foto: Christoph LützenkirchenInsgesamt 1200 verschiedene Rohstoffe hat Miavit auf Lager. Foto: Christoph Lützenkirchen

Essen (Oldenburg). Die Futtermittelspezialistin Miavit setzt seit über 50 Jahren auf nachhaltige Tiergesundheit.

Am Anfang stand eine von diesen „Jedermann-Ideen“. Einfälle, die so naheliegend sind, dass jeder denkt: „Darauf hätte ich auch kommen können.“ Es war aber der Tierarzt Dr. Hans W. Niemeyer, der 1964 seine Praxis aufgab und sich ganz auf die Produktion von Vormischungen und Mineralfutter für die Tierernährung konzentrierte. Seine neu gegründete Firma nannte er Miavit, darin stecken die Kürzel für Mineralstoffe, Aminosäuren und Vitamine. „Mein Großvater hat unser Unternehmen mit dem Ziel gegründet, die Tiergesundheit zu verbessern. Prävention statt Medikation, das ist bis heute unser Motto“, sagt Lukas Middendorf (34), Kaufmann mit Schwerpunkt im Agrarbusiness. Der Enkel des Firmengründers führt Miavit heute zusammen mit seinem Vater Stefan Niemeyer und dessen Frau Silvia.

Seit 1991 hat das Unternehmen, dessen Gründer seiner Zeit weit voraus war, in Essen (Oldenburg) seinen Sitz. Im Laufe der Jahre hat es sich zu einem Hidden Champion entwickelt. Die Umsatzerlöse der Firmengruppe kletterten von 7,8 Millionen Euro 1990 auf 145 Millionen Euro 2017. Parallel dazu wuchs die Zahl der Mitarbeiter von zwölf (1990) auf zuletzt 430. Auch das schiere Volumen der jährlich erzeugten Produkte hat beeindruckende Ausmaße erreicht. So wurden 2007 gut 64.000 Tonnen Pulverware produziert, 2017 waren es 106.000 Tonnen. Noch stärker fällt das Wachstum im Bereich der Flüssigprodukte aus, von 712.000 Litern im Jahr 2007 vervielfachte sich die Menge auf knapp drei Millionen Liter 2017. Die Exportquote lag zuletzt bei 50 Prozent des Gesamtumsatzes, noch zehn Jahre zuvor waren es lediglich zwei Prozent. Exportiert wird in über 80 Länder in allen Teilen der Welt. Zum Kreis der Lieferanten gehört seit über 30 Jahren der Chemieriese BASF. „In dieser Zeit hat Miavit eine beeindruckende Entwicklung vom regionalen Anbieter zum international operierenden Unternehmen durchlaufen“, sagt Andreas Bohlen von BASF: „Wir beliefern den Kunden mit Futterzusatzstoffen wie Vitaminen und Enzymen.“ Der Verkäufer charakterisiert Miavit als Familienunternehmen, in dem man noch stolz darauf sei, weitere Mitarbeiter einzustellen. Das Betriebsklima sei persönlich und von Vertrauen geprägt.

Tiernahrungsmittel sind noch immer die wichtigsten Produkte für Miavit. Die größte Konzerngesellschaft Miavit GmbH beliefert ihre Kunden unter anderem mit Vormischungen für die Mischfutterindustrie, selbst produzierten Rohstoffen wie Cholinchlorid oder Vitamin E und flüssigen Ergänzungsfuttermitteln, die einfach über das Trinkwasser zu dosieren sind. „Nachdem wir Anfang der 90er Jahre noch in hohem Maße von wenigen Großkunden abhängig waren, haben wir uns konsequent diversifiziert“, sagt Middendorf. „Unsere breite Produktpalette dient auch der Absicherung. Wir sind unabhängig.“ Laut seinen Angaben verfügt Miavit über 16.000 Rezepturen, 6000 werden zurzeit aktiv genutzt. Dafür hält das Unternehmen 1200 verschiedene Rohstoffe im Lager bereit. Die Anlagentechnik erfüllt Pharmaanforderungen. Bei flüssigen Futterzusätzen sei Miavit Marktführer in Europa, so Middendorf: „Unsere Stärken sind Know-how, Flexibilität und Schnelligkeit.“ Verglichen mit dem Geschäftsbereich Tiernahrung nehmen sich die anderen Konzerntöchter klein aus, zeugen aber von der Innovationskraft und Expansionsfreudigkeit des Essener Unternehmens. Unter anderem produzieren Miavit-Töchter Additive für Biogasanlagen, Nährstoffmischungen für die Lebensmittelindustrie sowie Ergänzungs- und Diätfuttermittel für Tierärzte und den Veterinärhandel.

Auch wenn die Abhängigkeit von wenigen Großkunden mittlerweile kein Thema mehr ist, bei Miavit will man sich nicht auf dem Erfolg ausruhen. Die Zeichen stehen auf Expansion. „In den nächsten drei Jahren wollen wir circa 20 Millionen Euro investieren“, sagt Lukas Middendorf: „Die Mittel sollen unter anderem in die Infrastruktur fließen, in unser neues Segment von flüssigen Vitaminmischungen für Lebensmittel und in ein Mischwerk für Tierfutter.“


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