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10.08.2018, 20:02 Uhr KOMMENTAR

Streiks bei Ryanair: Entschädigungen als Druckmittel


55.000 Fluggäste waren europaweit von den Streiks betroffen. Foto: imago/Agencia EFE55.000 Fluggäste waren europaweit von den Streiks betroffen. Foto: imago/Agencia EFE

Frankfurt. Mit einem abgestimmten Streik in fünf europäischen Ländern haben Piloten am Freitag den Billigflieger Ryanair empfindlich getroffen. Gesetzlich vorgeschriebene Entschädigungen wären ein gutes Druckmittel. Ein Kommentar.

Die Ryanair-Streiks haben vor allem Reisende getroffen. Aber in Sachen Entschädigungen sieht es mau aus, meinen Reiserechtsexperten und Verbraucherzentralen. Ryanair wird sich wohl darauf berufen können, dass der Streik unter die Rubrik „Außergewöhnlicher Umstand“ fällt – und der schließt Entschädigungen aus.

Deswegen sollte der Gesetzgeber nachlegen. Denn wenn bei Streiks der Belegschaft Entschädigungen drohen, werden Manager wie Ryanair-Chef Michael O'Leary schnell lernen, dass sie die Anliegen der Beschäftigten ernst nehmen müssen. Spätestens dann wird das Management mit allen Kräften versuchen, einen Streik zu verhindern. Ironischerweise ist das übrigens einer der Hebel, die Ryanair ansetzen kann, wenn mögliche Forderungen von Kunden vor Gericht landen. Denn wenn der Billigflieger darlegen kann, dass er alles getan hat, um die Streiks und deren Auswirkungen zu verhindern, dann sorgen die außergewöhnlichen Umstände des Streiks dafür, dass Entschädigungen mit ziemlicher Sicherheit ausbleiben werden.

 Doch auch die Kunden sollten umdenken – irgendwer zahlt immer die Zeche, wenn etwas besonders billig ist. Nun kann zumindest niemand mehr behaupten, vom Risiko möglicher Streiks bei Ryanair nichts gewusst zu haben. Die Fronten zwischen Management und gewerkschaftlich Beschäftigten nämlich sind unverändert verhärtet. Ryanair-Kunden sollten das im Hinterkopf haben, wenn sie ihre nächste Reise buchen.


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