Schätzung des Agrarministeriums Mehr als 400 Millionen Euro Dürreschäden für Bauern in Schleswig-Holstein

Von dpa

Vertrocknete Weiden: Die anhaltende Trockenheit macht vor allem Bauern im Norden und Osten zu schaffen. Foto: dpa/Jan WoitasVertrocknete Weiden: Die anhaltende Trockenheit macht vor allem Bauern im Norden und Osten zu schaffen. Foto: dpa/Jan Woitas

Kiel/Berlin. Die gefühlten Verluste haben eine erste Zahl: Auf mehr als 400 Millionen Euro schätzt das Agrarministerium in Kiel die Dürreschäden in Schleswig-Holstein für die Landwirtschaft. Jeder dritte Betrieb soll besonders betroffen sein.

Die Dürreschäden für die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein betragen nach einer ersten Schätzung des Agrarministeriums etwa 422 Millionen Euro. Dies geht aus einem Schreiben an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Grundlage dieser Schätzung seien Daten des Statistikamtes Nord, der Landwirtschaftskammer und der ehrenamtlichen Ernteschätzer. Im Landesdurchschnitt seien Ernteschäden von 30 bis 35 Prozent zu befürchten, allerdings mit einer großen Bandbreite zwischen den Betrieben. 

Das Ministerium geht davon aus, dass etwa ein Drittel der Betriebe und damit rund 5000 einen Schaden von mehr als 30 Prozent verzeichnen. Von dieser Marke an können nach einer nationalen Rahmenrichtlinie bei widriger Witterung Hilfen an Landwirte ausgezahlt werden. Der Bauernverband hat für die Landwirte in ganz Deutschland Entschädigungen in Höhe von einer Milliarde Euro verlangt. Bundesministerin Klöckner forderte als Voraussetzung eine gründliche Erntebilanz. 

Die vom Ministerium in Kiel angeführten 422 Millionen Euro teilen sich wie folgt auf: 89 Millionen im Ackerbau inklusive Sonderkulturen, 200 Millionen im Grünland und 133 Millionen im sonstigen Futterbau, vor allem bei Mais.

Schreiben an Klöckner

In dem von Staatssekretärin Anke Erdmann unterschriebenen Brief an Klöckner beharrt das Kieler Ministerium auf einem gemeinsamen Programm von Bund und Ländern zur Unterstützung von Bauern, die wegen der langen Dürre erhebliche Einbußen haben. "Ein eigenes Landesprogramm plant die Landesregierung derzeit nicht, da wir aufgrund der Ergebnisse des Abteilungsleiter-Treffens im BMEL (Bundeslandwirtschaftsministerium) vom 31. Juli davon ausgehen, dass die überwiegende Zahl der Flächenländer betroffen ist", heißt es in dem Schreiben. Klöckner wird gebeten, auf Grundlage der tatsächlichen Zahlen, die am Ende dieses Monats vorliegen werden, nach dem Muster der Fluthilfen in Folge der Hochwasserkatastrophe von 2013 ein gemeinsames Bund/Länder-Programm aufzulegen. "Eine Vielzahl unterschiedlicher Länderprogramme wäre nach Auffassung unserer Landesregierung nicht zielführend."

An diesem Montag gibt es in Berlin ein weiteres Treffen von Bund und Ländern auf Staatssekretärsebene zu diesem Themenkomplex. Unabhängig von dem gewählten Weg müssten politisch möglichst schnell die Eckpunkte der Hilfen festlegt werden, heißt es weiter in dem Brief aus Kiel an Klöckner. "Die Landwirte und ihre Familien erwarten von uns bald eine belastbare Aussage zu den möglichen Hilfen." Das Kieler Ministerium hatte am Dienstag noch einmal mit den Bauernverbänden über die Situation und mögliche Konsequenzen beraten.


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